Die wichtigsten Autoren

 

in meinen Arbeiten

 

Pallas Athena

 

unsere Schutzgöttin

Zueignung

 

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch’ ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl’ ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! Nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.


Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
Und manche liebe Schatten steigen auf;
Gleich einer alten, halbverklungnen Sage
Kommt erste Lieb’ und Freundschaft mit herauf;
Der Schmerz wird neu, es wiederholt die Klage
Des Lebens labyrinthisch irren Lauf
Und nennt die Guten,die,um schöne Stunden
Vom Glück getäuscht, vor mir hinweg geschwunden.


Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Die Seelen, denen ich die ersten sang;
Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
Verklungen, ach! Der erste Widerklang.
Mein Lied ertönt der unbekannten Menge,
Ihr Beifall selbst macht meinem Herzen bang,
Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,
Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.

[J.W.von Goethe – FAUST EINS - Zueignung]

Still und ruhig auferzogen

Wirft man uns auf einmal in die Welt,

Uns umspülen hundertausend Wogen,

Alles reizt uns, mancherlei gefällt.

Mancherlei verdrießt uns und von

Stund zu Stunden

Schwankt das leicht unruhige Gefühl,

Wir empfinden, und was wir empfunden

Spült hinweg das bunte Weltgefühl.

[J.W.v.Goethe]

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Meine Autoren

Theater – und Filmarbeiten

mit mir als Schauspieler,

Regieassistent, Regisseur und Autor,

im Verlaufe von vielen Jahren

 

Gerhard Hauptmann

 

DIE RATTEN

Akteur:Bruno Mechelke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dachgeschoss eines Mietshauses, eine ehemalige Kavalleriekaserne. Auf diesem zweistöckigen Hausboden befindet sich der Theaterfundus des ehemaligen Straßburger Theaterdirektors Harro Hassenreuter, der zur Zeit ohne Anstellung ist und sich und seine Familie mit Kostümverleih und Schauspielunterricht zu ernähren versucht.  Die Örtlichkeit wird von Gerhard Hauptmann sehr genau beschrieben Es ist ein Sonntag Nachmittag im Mai.  Hier treibt sich der 19-jährige Bruno Mechelke herum, er soll Mausefallen aufstellen. Er ist Frau Johns Bruder, ein primitiver, etwas zurückgebliebener Mensch und ihr Sorgenkind. Für die Mieterin Piperkarcka ist Brunos brutale Erscheinung furchteinflößend.

 

IV.Akt

Bruno Mechelke  braucht Geld um sich abzusetzen.Er machte sich im Auftrag seiner Schwester an die Piperkarcka heran und versuchte sie einzuschüchtern, damit sie seine Schwester, die Frau John, in Ruhe lässt. Dabei ist es nach Brunos Schilderung zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung gekommen, und zwar in der Nacht zwischen 3 und 4 Uhr. Mechelke  schildert das in einem gespenstisch-poetischen Monolog. Er ermordete Frau Piperkarcka in der Berliner Wuhlheide. Der Außenseiter Bruno wollte sich für seine Schwester „nützlich machen“. So rechtfertigt er sich. Jetzt will er Geld um über die Grenze zu flüchten. Er geht mit dem Geld ab, Frau John bricht zusammen.

 

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Bertolt Brecht

 

 Mutter Courage

und ihre Kinder

1. Akteur

2. Regie/Filmregie

 

 

Der Brotladen

Akteur

 

 

BRECHTABEND 1&2 [1962 / 1964]

Über die grossen Städte

Regie / Akteur

[Amateurarbeiten]

 

Die Dreigroschenoper

1.Akteur/Moritat

2.Akteur/Trauerweidenwalter

 

Her Puntila und sein Knecht Matti

Akteur

 

Brechtabend AN DIE NACHGEBORENEN

Regie/Filmregie

 

Brechtabend DAS KLEINE MAHAGONNY

Regie

 

Tage mit Bertolt Brecht

in INGUSCHETIEN [2012]

Szenarium / Regie / Ausstellung

 

 

BRECHT IN INGUSCHETIEN 2012/2013

 

Szenen aus

FURCHT UND ELEND DES III.REICHES

Fassung/Regie

 

DER AUFHALTSAME AUFSTIEG DES ARTURO UI

Fassung/Regie

 

2015 / 2016

 

EINUNDZWANZIG KOFFER

 

Ein "BRECHT - PROJEKT"

in Moskau

 

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Das Lied der  „Mutter Courage“

 

Ihr Hauptleut, laßt die Trommel ruhen

Und laßt eur Fußvolk halten an

Mutter Courage, die kommt mit Schuhen

In denen's besser laufen kann.

Mit seinen Läusen und Getieren

Bagage, Kanone und Gespann

Soll es euch in die Schlacht marschieren

So will es gute Schuhe han.

 

Das Frühjahr kommt. Wach auf, du Christ!

Der Schnee schmilzt weg. Die Toten ruhn.

Und was noch nicht gestorben ist

Das macht sich auf die Socken nun.

 

Ihr Hauptleut, eure Leut marschieren

Euch ohne Wurscht nicht in den Tod.

Laßt die Courage sie erst kurieren

Mit Wein von Leibs- und Geistesnot.

Kanonen auf die leeren Mägen

Ihr Hauptleut, das ist nicht gesund.

Doch sind sie satt, habt meinen Segen

Und führt sie in den Höllenschlund.

 

Das Frühjahr kommt. Wach auf, du Christ!

Der Schnee schmilzt weg. Die Toten ruhn.

Und was noch nicht gestorben ist

Das macht sich auf die Socken nun.

 

Und geht er über deine Kräfte

Bist du beim Sieg halt nicht dabei.

Der Krieg ist nichts als die Geschäfte

Und statt mit Käse ist's mit Blei.

 

So mancher wollt so manches haben

Was es für manchen gar nicht gab:

Er wollt sich schlau ein Schlupfloch graben

Und grub sich nur ein frühes Grab.

 

Schon manchen sah ich sich abjagen

In Eil nach einer Ruhestatt

Liegt er dann drin, mag er sich fragen

Warum's ihm so geeilet hat

 

Das Frühjahr kommt. Wach auf, du Christ!

Der Schnee schmilzt weg. Die Toten ruhn.

Und was noch nicht gestorben ist

Das macht sich auf die Socken nun.

 

Von Ulm nach Metz, von Metz nach Mähren!

Mutter Courage ist dabei!

Der Krieg wird seinen Mann ernähren

Er braucht nur Pulver zu und Blei.

Von Blei allein kann er nicht leben

Von Pulver nicht, er braucht auch Leut!

Müßt's euch zum Regiment begeben

Sonst steht er um! So kommt noch heut !

 

Das Frühjahr kommt. Wach auf, du Christ!

Der Schnee schmilzt weg. Die Toten ruhn!

Und was noch nicht gestorben ist

Das macht sich auf die Socken nun.

 

Mit seinem Glück, seiner Gefahre

Der Krieg, er zieht sich etwas hin.

Der Krieg, er dauert hundert Jahre

Der g'meine Mann hat kein' Gewinn.

Ein Dreck sein Fraß, sein Rock ein Plunder!

Sein' halben Sold stielht's Regiment.

Jedoch vielleicht geschehn noch Wunder:

Der Feldzug ist noch nicht zu End !

 

Das Frühjahr kommt. Wach auf,du Christ!

Der Schnee schmilzt weg. Die Toten ruhn.

Und was noch nicht gestorben ist

Das macht sich auf die Socken nun.

 

Musik: Paul Dessau

 

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   Resolution der Communarden

 

   1. In Erwägung unserer Schwäche machtet
  ihr Gesetze, die uns knechten soll'n
  die Gesetze seien künftig nicht beachtet
  in Erwägung daß wir nicht mehr Knecht sein woll'n.

  Refrain:
  In Erwägung, daß ihr uns dann eben
  mit Gewehren und Kanonen droht
  haben wir beschlossen,
  nunmehr schlechtes Leben
  mehr zu fürchten als den Tod.

 

  2. In Erwägung, daß wir hungrig bleiben
  wenn wir dulden, daß ihr uns bestehlt
  wollen wir mal feststell'n,
  daß nur Fensterscheiben
  uns vom Brote trennen, das uns fehlt.

  Refrain ...

 

  3. In Erwägung, daß da Häuser stehen
  während ihr uns ohne Bleibe laßt
  haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
  weil es uns in uns'ren Löchern nicht mehr paßt.

  Refrain ...

 

  4. In Erwägung, es gibt zuviel Kohlen
  während es uns ohne Kohlen friert
  haben wir beschlossen, sie uns jetzt zu holen
  in Erwägung, daß es uns dann warm sein wird.

  Refrain ...

 

  5. In Erwägung, es will euch nicht glücken
  uns zu schaffen einen guten Lohn
  übernehmen wir jetzt selber die Fabriken
  in Erwägung, ohne euch reicht's für uns schon.

  Refrain ...

 

  6. In Erwägung, daß wir der Regierung
  was sie immer auch verspricht,
  nicht trau'n/ haben wir beschlossen,

  unter eig'ner Führung
  uns ein gutes Leben aufzubau'n .

  In Erwägung, ihr hört auf Kanonen
  and're Sprachen könnt ihr nicht versteh'n
  müssen wir dann eben, ja das wird sich lohnen
  die Kanonen auf euch dreh'n.
 

  Musik: Hanns Eisler

 

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An die Nachgeborenen

 

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut 
In der wir untergegangen sind 
Gedenkt 
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht 
Auch der finsteren Zeit 
Der ihr entronnen seid. 

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd 
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt 
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung. 

Dabei wissen wir doch: 
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit 
verzerrt die Züge. 
Auch der Zorn über das Unrecht 
Macht die Stimme heiser. Ach, wir 
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit 
Konnten selber nicht freundlich sein.

 

Ihr aber, wenn es so weit sein wird

Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist,

Gedenkt unserer mit Nachsicht.

W. Bill - Belozerkowski

 

STURM

Akteur / Matrose

 

 

 

 

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Ernst Busch sang:

Linker Marsch

Text: Wladimir Majakowski;

Musik: Hanns Eisler

in der Inszenierung "STURM" von

Bill - Belozerkowski

 

Entrollt euren Marsch, Burschen von Bord!
Schluß mit dem Zank und Gezauder.
Still da, ihr Redner!
Du
hast das Wort,
rede, Genosse Mauser!
Brecht das Gesetz aus Adams Zeiten.
Gaul Geschichte, du hinkst ...
Woll'n den Schinder zu Schanden reiten.
Links!
Links!
Links!

Blaujacken, he!
Wann greift ihr an?
Fürchtet ihr Ozeanstürme?!
Wurden im Hafen euch eurem Kahn
rostig die Panzertürme?
Laßt
den britischen Löwen brüllen –
zahnlosfletschende Sphinx.
Keiner zwingt die Kommune zu Willen.
Links!
Links!
Links!

Dort
hinter finsterschwerem Gebirg
liegt das Land der Sonne brach.
Quer durch die Not
und Elendsbezirk
stampft euren Schritt millionenfach!
Droht die gemietete Bande
Mit stählerner Brandung rings, -
Russland trotzt der Entente
Links!
Links!
Links!

Seeadleraug' sollte verfehlen?!
Altes sollte uns blenden?
Kräftig
der Welt ran an die Kehle,
mit proletarischen Händen.
Wie ihr kühn ins Gefecht saust!
Himmel, sei flaggenbeschwingt!
He, wer schreitet dort rechts raus?
Links!
Links!
Links!

Text: Wladimir Majakowski
Deutsch: Hugo Huppert
Musik: Hanns Eisler

 

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Carlo Goldoni

 

KRACH IN  CHIOZZA

Akteur/ Toffolo

 

Der Diener zweier Herren

Regie

 

Die Verliebten

Regie

 

 

 

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Der  Diener zweier Herren

In Venedig.

Ein schmachtendes Liebespaar,

das nur zusammenkommt,

weil der erste Bewerber der Braut fern

in Turin erstochen wurde.

Die forsche Schwester des Erstochenen,

die verkleidet als eben

dieser Bruder auftritt, um ihrem Geliebten

von Turin nach Venedig zu folgen.

Sie als er und ihr verzweifelter Geliebter

teilen sich einen Diener, ohne es zu wissen,

ohne voneinander zu wissen. Herren und

Diener, Verwechslung, Vertauschung, Verkleidung,

Geld und Liebe, das ganze Komödienarsenal.

Der Diener dient zwei fremden Herren,

die eigentlich Mann und Frau sind und

zusammengehören.

Und der Tod dient allein dem Leben.

Maxim Gorki

 

DIE KLEINBÜRGER

1. Akteur/ Pjotr

 

2. Akteur/ Schischkin

 

Regieassistenz

 

 DER SPITZEL

Akteur/ Der Autor Mironov

 

 

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„DER SPITZEL“

 (Leben eines unnützen Menschen, erschienen 1908)

Evsej Klimkov, mit sieben Jahren Vollwaise, gerät in den Kreis der Spione unzweifelhaft deshalb, weil er einsam ist und in ständiger Angst vor den Mächtigen dieser Welt lebt. Er dient ihnen mit Furcht und in der Hoffnung auf ein gutes Wort. Gewalt, Lüge und Verrat gehören zu den normalen Bedingungen der Welt, in der zu leben er gezwungen ist.


Die Situation des intimen Gesprächs des Helden mit einem bekannten Schriftsteller (in Mironov kann man an einigen Zügen Gorki selbst erkennen) bot dem Autor des Romans die Möglichkeit, von sich aus ein letztes Wort in dieser Sache zu sagen, wie Gorki es ein Jahrzehnt später in den „Unzeitgemäßen Gedanken“ getan hat. Klimkov  hat in diesem Gespräch nichts anderes gesucht als die Möglichkeit, sein Leben zu erzählen, und er erzählt dieses Leben in erster Linie nicht Mironov, sondern sich selbst: „Über sich zu erzählen war angenehm, Klimkov hörte seiner Stimme mit Erstaunen zu, er sprach wahrhaftig und sah klar, dass er an nichts schuld war. Er hatte doch sein Leben nicht so gelebt, wie er es wollte! Sie hatten ihn immer gezwungen etwas zu tun, was ihm unangenhem war. Er tat sich aufrichtig leid, war fast bereit zu weinen und betrachtete sich selbst mit Bewunderung“. Im Prozess des Erzählens, so erklärt der Autor, befreit Klimkov „seine kleine, schwächliche Seele von den schmutzigen und schweren Lumpen ihrer Erlebnisse“. Es gibt keine echte Reue, die Sündenvergebung erledigt der Beichtende selbst. Mironov versucht nach dem Ende der Erzählung vergeblich, seinen Besucher zu einer kritischen Sicht auf das eigene Verhalten zu veranlassen. Auf die Frage, ob ihm die Menschen, die er verraten hat, nicht leid täten, antwortet er, früher hätten sie ihm wirklich leid getan, aber jetzt sehe er keinen Anlass dazu: „Sie sind doch gute Menschen und haben erreicht, was sie wollten...“ Und auf die Frage, ob er nicht glaube, dass er sich mit einer schlechten Sache beschäftige, sagt er: „Sie gefällt mir ja auch nicht, ich tue das, was man mir befiehlt...“ Der Schriftsteller befindet sich in einer Situation des Zweifels und der Ratlosigkeit. Der Gast bittet um nichts, nicht um Rechtfertigung und auch nicht um einen Rat oder gar eine Expertise, wie der Spitzel aus den „Unzeitgemäßen Gedanken“. Eine Persönlichkeit von großer Autorität, Kenner der menschlichen Seele und Verkünder der Freiheit und Würde des Menschen ist mit seiner Kunst am Ende. Er hat dieser in ewiger Angst lebenden „russischen Seele“ nichts zu sagen. Klimkov erzählt sein Leben ohne taktische Winkelzüge und Ausflüchte, mit leiser Stimme; seine Aufmerksamkeit ist nicht auf den Zuhörer, sondern ausschließlich auf das eigene Innere gerichtet, er „horcht auf die Leere in seiner Brust“. Eines der Leitmotive des Romans ist die stereotype Antwort „Ich weiß nicht“, er gibt sie auf alle Fragen, die wesentliche Probleme seines Lebens betreffen. Im Grunde hat er schon bei Mironov mit seinem Leben abgeschlossen, obwohl bis zu seinem Selbstmord noch einige Zeit vergeht. Das Ende dieses „unnützen“ (d.h. von niemandem beachteten und gebrauchten) Menschen auf den Geleisen der Eisenbahn, einem Symbol der schrecklichen Welt, in der er zu leben gezwungen war, spricht in verallgemeinertem Sinn davon, dass der „in Angst lebende russische Mensch“ den Geschmack der Freiheit noch lange nicht kennen lernen wird. In massenhafter Erscheinung existiert er weiter, und es erwarten ihn die Prüfungen der Revolution und des lenin-stalinschen Sozialismus.
 

Moliere

 

Die lächerlichen Preziösen

Akteur

 

Die Gaunerstreiche des Scapin

 

Regie

Tartuffe

Akteur/ Orgon

 

Don Juan

Regie 

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ORGON & TARTUFFE

„Sie wären sehr entzückt, wenn Sie ihn kennen würden, für alle Zeit ganz von ihm hingerissen. Das ist ein Mann...der...ach! Kurzum ein Mann. Wer auf ihn hört, der findet tiefen Frieden und hält die Welt für einen Haufen Mist.“ Die Rede ist von Tartuffe, Gast im Hause des wohlhabenden Orgon und seiner Familie. Gelobt wird er von niemand Geringerem als dem Hausherrn selbst, der großen Gefallen an dem frommen und tugendhaften Tartuffe findet. Blind und taub gegenüber den Warnungen seiner Familie, die in dem Gast schnell einen Hochstapler und Betrüger erkennen, passt sich Orgon immer mehr den vorgetäuschten Idealvorstellungen des Tartuffe von einem Leben ohne Besitz an. Orgon vermacht Tartuffe nach und nach all seine Besitztümer. Die Situation spitzt sich zu, als er ihm die Hand seiner bereits verlobten Tochter Mariane verspricht, den eigenen Sohn enterbt und dem Heuchler schließlich sogar sein Haus übereignet...

 

 Das Drama um einen heuchlerischen Frömmler,

der sich in ein vermögendes Haus einschleicht,

ist keine Komödie, obwohl es viel zu lachen gibt.

Es ist eins dieser Meisterwerke, die alle fünf bis

sechs Jahre ein Jugendbad nehmen, weil es

immer wieder politische Situationen gibt, in denen

Betrüger Ideale vorheucheln. Molieres Stück war

seinerzeit ein aktuelles Pamphlet gegen die

Frömmler, das prompt verboten wurde. Wir hatten

1976 in Meiningen den Stoff radikal aktualisiert,

mit dem Stalinismus abgerechnet.Wir rührten aber

nicht an der Religion, sondern an einer

"sozialistischen Ideologie", die zum Instrument

der Unterdrückung mißbraucht wurde.

Das Haltbarkeitsdatum dieser Version wurde in

den vergangenen Jahren nicht bedroht,im

Gegenteil,die politische Situation hat sich

seitdem sogar verschlechtert. Wir wollten 1976,

nach der „Biermann-Affäre“, Mut machen und

Beispiel geben: Viele jungen Menschen glauben,

heute könne nichts mehr verändert werden.

Aber die Genese ist noch lange nicht zu Ende.

Erwin  Strittmatter

 

 

KATZGRABEN

Akteur

 

 

 

 

 

 

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3.Juni 1953

Erwin Strittmatter, ein ehemaliger Landarbeiter,

etwa 40, der nach Kriegsende als Bürgermeister und

Feuilleton-Redakteur in der Mark Brandenburg, später als bodennaher Autor eines Romans

("Der Ochsenkutscher") und eines Novellenbandes

("Die Mauer fällt") vorankam, reichte vor mehr als

einem Jahr bei Bertolt Brecht eine Szenenfolge ein,

die mit der nun gezeigten wahrscheinlich manches

gemeinsam hatte.

 

Brecht nahm Strittmatter mit nach Buckow in sein

Landhausund schrieb dort mit ihm das Stück um,

Tag für Tag und Wort für Wort. Auch zwei

Regie-Assistenten, die bei Brecht gleichzeitig

Lehrlinge im Dramenbau und Reisende in seiner

Bühnentheorie sind, zwei junge Männer also,

die noch brechtischer als Brecht formulieren,

halfen mit, Strittmatters Text einzuschmelzen.

 

So entledigte sich Brecht einer Pflichtaufgabe, die ihm

die SED, der er übrigens noch immer nicht angehört, schon vor mehr als zwei Jahren gestellt hatte, nachdem seine Oper "Lucullus" wegen "Formalismus, Pazifismus und Mangel an sozialistischem Realismus" kritisiert und abgesetzt worden war. Die SED forderte, Brecht solle endlich ein Zeitstück anfertigen, endlich die sowjetdeutsche Gegenwart auch auf der Bühne besingen…

DER SPIEGEL - 3.Juni 1953

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Sophokles

 

DIE FRAUEN VON TRACHIS

Akteur/ Hyllos

 

 

 

 

 

 

 

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Hyllos war der Sohn des Helden Herakles

Über ein Jahr war Herakles fern von Trachis und seiner Frau Deianeira. Als Beute eines erfolgreichen Rachefeldzugs führt Herakles ein junges Mädchen, die Tocher des bestrafen Königs, mit sich, und bald verbreiten sich die Gerüchte, er wolle sie als Frau, nicht als Sklavin nach Hause führen. Deianeira hört davon und glaubt nun zu einem Zaubermittel greifen zu müssen, das sie einst vom Kentauren Nessos erhielt, der sie vergewaltigen wollte und dafür von Herakles mit Pfeilen niedergestreckt worden war: sein Blut sollte sie bewahren, hatte ihr der Sterbende geraten, und ein Kleidungsstück damit tränken, wenn sie ihren Mann vor sexuellen Verfehlungen bewahren und an sich binden wolle. Diesem fatalen Rat folgend präpariert und schickt sie Herakles einen geforderten Mantel zu jenem Ort, an dem er vor seiner Rückkehr erst noch Zeus ein Heiligtum weihen will.

 

Das Pfeilgift, das der Heros stets benutzte und das sich im Blut des Unholds gehalten hatte, beginnt zu wirken und unter Qualen lässt sich Herakles auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Im Sterben gibt er seinem Sohn Hyllos die Gefangene Iole zur Braut.

 

Thema der Tragödie ist das entsetzliche Ende des Herakles nach einem Leben voller Mühen und schwerer Arbeit. Der Lohn für all diese Mühen und Schicksalsschläge ist die Unsterblichkeit. Als Einziger der Menschen – so zumindest erzählt es Homer – wird der tote Herakles aus dem Totenreich entlassen und bei den die Götter im Olymp aufgenommen. Die Göttin Hebe, die Jugend, wird seine Frau.

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Sean  o‘Casey

 

Das Ende vom Anfang

1. Akteur/ Derry

2. Regie

 

 

 

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„Hau ab, und ich zeige dir und deinem ganzen Geschlecht, wie Hausarbeit erledigt wird.“ Nie hat Ehemännergroßmäuligkeit verheerendere Folgen gehabt als in diesem Fall. Denn hatte Lizzie zu Beginn des Ehekrachs es noch wohlweislich ignoriert, als Darry ihr spöttisch vorschlug, einmal die Arbeit mit ihm zu tauschen – ihr bisschen Haushalt gegen sein mühevolles Mähen der Wiese –, nimmt sie die Wette nun wütend an. Lizzie geht die Wiese mähen und Darry macht sich an die Hausarbeit. Noch könnte alles gut ausgehen, würde, ja würde Darry Berrill nicht Besuch von seinem Freund und Nachbarn Barry Derrill bekommen. Ein Mensch, wie Lizzie sagt, „so kurzsichtig, dass er den Himmel nicht sieht, wenn nicht grad der Mond scheint“. Darry und Barry machen sich an die Arbeit… Selten standen zwei Männer auf größerem Kriegsfuß mit der Welt der Dinge als diese beiden. Zwei Freunde, die durch dick und dünn gehen, die zusammen Musik machen, zusammen tanzen und zusammen untergehen. Eine Freundschaft, die mit jeder schlimmen Wendung nur noch inniger wird. Das ist der Kern von Sean O’Caseys unsterblicher Komödie, die er in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts verfasste, gepaart mit irischem Humor, der jeder Katastrophe mit einem tröstlichen „It could be worse“ begegnet.

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John Millington Synge

 

Der Held der westlichen Welt

Akteur

 

 

 

 

 

 

 

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Der Held der westlichen Welt

(The Playboy of the Western World)

Was passiert, wenn ein Fremder, der seinen Vater erschlagen hat, auf der Flucht in einem kleinen irischen Dorf am Ende der Welt landet? Er befriedigt die Sehnsucht nach Abenteuer und Skandal und wird zum Helden. Die ungewohnte und unerwartete Anerkennung lässt ihn über sich hinaus wachsen. Was aber, wenn dann auf einmal der erschlagene Vater quicklebendig auftaucht?


Synge "behandelt nicht eine irische Eigenheit, sondern eine der Menschheit gemeinsame Schwäche, die Gewohnheit, kühne Schurken zu bewundern. - Die meisten Helden der Geschichte sind kühne Schurken."
(George Bernard Shaw, 1912)

William Shakespeare

 

Othello

Akteur/ Othello

 

Richard III.

Akteur/ Richard

 

Wie es euch gefällt

Akteur

 

 Die Komödie der Irrungen

1. Akteur

2. Regieassistenz

 

Hamlet

Akteur/ Claudius

 

Macbeth

Akteur

 

Timon von Athen

Akteur

 

Ein Sommernachtstraum

Regie

 

Machtspiele

Regie

 

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König Claudius / HAMLET / III.Akt / 3.Szene

 

O meine Tat ist faul, sie stinkt zum Himmel;
Sie trägt den ersten, ältesten der Flüche,
Mord eines Bruders! - Beten kann ich nicht,
Ist gleich die Neigung dringend wie der Wille:
Die stärkre Schuld besiegt den starken Vorsatz,
Und wie ein Mann, dem zwei Geschäft obliegen,
Steh ich in Zweifel, was ich erst soll tun,
Und lasse beides. Wie, wär diese Hand
Auch um und um in Bruderblut getaucht,
Gibt es nicht Regen gnug im milden Himmel,
Sie weiß wie Schnee zu waschen? Wozu dient
Die Gnad, als vor der Sünde Stirn zu treten?
Und hat Gebet nicht die zwiefache Kraft,
Dem Falle vorzubeugen und Verzeihung
Gefallnen auszuwirken? Gut, ich will
Emporschaun; mein Verbrechen ist geschehn.
Doch oh, welch eine Wendung des Gebets
Ziemt mir? Vergib mir meinen schnöden Mord?
Dies kann nicht sein; mir bleibt ja stets noch alles,
Was mich zum Mord getrieben: meine Krone,
Mein eigner Ehrgeiz, meine Königin!
Wird da verziehn, wo Missetat besteht?
In den verderbten Strömen dieser Welt
Kann die vergoldete Hand der Missetat
Das Recht wegstoßen, und ein schnöder Preis
Erkauft oft das Gesetz. Nicht so dort oben!
Da gilt kein Kunstgriff, da erscheint die Handlung
In ihrer wahren Art, und wir sind selbst
Genötigt, unsern Fehlern in die Zähne,
Ein Zeugnis abzulegen. Nun? Was bleibt?
Sehn, was die Reue kann. Was kann sie nicht?
Doch wenn man nicht bereuen kann, was kann sie?
O Jammerstand! O Busen, schwarz wie Tod!
O Seele, die, sich frei zu machen ringend,
Noch mehr verstrickt wird! - Engel, helft! Versucht!
Beugt euch, ihr starren Knie! Gestähltes Herz,
Sei weich wie Sehnen neugeborner Kinder!
Vielleicht wird alles gut.


[Claudius entfernt sich und kniet nieder - Hamlet kommt.]

 

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OTHELLO

 

"... In Euren Briefen bitt' ich,

Wenn Ihr von diesem Unheil Kunde gebt,

Sprecht von mir, wie ich bin - verkleinert nichts,

Noch setzt in Bosheit zu. Dann müßt Ihr melden,

Von einem, der nicht klug, doch zu sehr liebte;

Nicht leicht argwöhnte, doch einmal erregt,

Unendlich raste; von einem, dessen Hand,

Dem niedern Inder gleich, die Perle wegwarf,

Mehr wert als all sein Volk; des überwundnes Auge,

Sonst nicht gewöhnt zu schmelzen,  sich ergeußt

In Tränen, wie Arabiens Bäume taun

Von heilungskräft'gem Balsam - schreibt das alles..."

 

[5.Aufzug, 2.Auftritt]

 

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Ein Sommernachtstraum

 

[Puck verabschiedet das Publikum]

 

Wenn wir Schatten euch beleidigt,
O, so glaubt - und wohl verteidigt
Sind wir dann! - ihr alle schier
Habet nur geschlummert hier
Und geschaut in Nachtgesichten
Eures eignen Hirnes Dichten.
Wollt ihr diesen Kindertand,
der wie leere Träume schwand,
Liebe Herrn, nicht gar verschmähn,
Sollt ihr bald was Bessres sehn.
Wenn wir bösem Schlangenzischen
Unverdienterweis' entwischen,
So verheißt auf Ehre Droll
Bald euch unsres Dankes Zoll;
Ist ein Schelm zu heißen willig,
Wenn dies nicht geschieht, wie billig.
Nun, gute Nacht, das Spiel zu enden,
Begrüßt uns mit gewognen Händen!

 

If we shadows have offended,
Think but this, and all is mended,
That you have but slumbered here
While these visions did appear.
And this weak and idle theme,
No mor yielding but a dream,
Gentles, do not reprehend;
If you pardon, we will mend.
And as I am an honest Puck,
If we have unearnèd luck
Now to scape the serpent's tongue,
We will make amends ere long;
Else the Puck a liar call.
So good night unto you all.
Give me your hands, if we be friends,
And Robin shall restore amends.
 

Heinrich von Kleist

 

Der zerbrochene Krug

Akteur/ Gerichtsrat Walter

 

Penthesilea

Akteur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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DER ZERBROCHENE KRUG

Dorfrichter Adam muss über eine Tat zu Gericht sitzen, die er selbst begangen hat. Die Handlung besteht in der Hauptsache aus einer Gerichtsverhandlung, die vollständig und in natürlichem Zeitverlaufwiedergegeben wird. Was verhandelt wird, hat sich jedoch in der Vergangenheit abgespielt und wird erst allmählich enthüllt. Gerichtsschreiber Licht überrascht Richter Adam morgens beim Verbinden frischer Wunden. Adam erklärt, beim Aufstehen gestrauchelt und gegen den Ofen gefallen zu sein. Licht gibt sich damit einstweilen zufrieden, lässt aber durchblicken, dass er eher an ein erotisches Abenteuer seines Vorgesetzten glaube, bei dem ihm ein kräftiger Nebenbuhler in die Quere kam.

 

Da lässt sich Gerichtsrat Walter melden. Er ist aus Utrecht entsandt, um Gerichtskassen und Akten zu prüfen. Adam gerät in Panik, zumal seine richterliche Perücke verschwunden und kein Ersatz zur Hand ist. Obendrein ist auch noch Gerichtstag, Klägerin, Beklagter und Zeugen warten schon vor der Tür. Der Richter ahnt, weshalb sie gekommen sind, er hatte einen furchtbaren Traum. Seinem Schreiber Licht vertraut er ihn an:

 

Mir träumt', es hätt' ein Kläger mich ergriffen,

Und schleppte vor den Richtstuhl mich; und ich,

Ich säße gleichwohl auf dem Richtstuhl dort,

Und schält’ und hunzt’ und schlingelte mich herunter,

Und judicirt den Hals ins Eisen mir.

 

Als Gerichtsrat Walter eintrifft, verlangt er, der Gerichtsverhandlung beizuwohnen. Nun ist Richter Adam wie einst König Ödipus gezwungen, über eine Tat zu richten, die er selbst begangen hat. Doch im Unterschied zum antiken Helden weiß er das von vornherein; ebenso, dass die Tat eine Schandtat ist und er selbst ein Schurke. Entsprechend tut er alles, was in seiner Macht steht, um die Aufklärung des Falls, bei dem außer dem Krug auch ein Verlöbnis entzweiging, zu verhindern.

 

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Friedrich Schiller

 

Kabale und Liebe

Akteur/ Wurm

 

 "Und in der Wahrheit

findet man das Schöne"

Szenarium / Regie

 

"Friedrich Schillers letzte Nacht"

Szenarium / Regie

 

Die Jungfrau von Orleans

Regie

 

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Und in der Wahrheit

findet man das Schöne

 

An Goethe, als er den Mahomet

von Voltaire auf die Bühne brachte
 

Du selbst, der uns von falschem Regelzwange
Zur Wahrheit und Natur zurückgeführt,
Der, in der Wiege schon ein Held, die Schlange
Erstickt, die unsern Genius umschnürt,
Du, den die Kunst, die göttliche, schon lange
Mit ihrer reinen Priesterbinde ziert,
Du opferst auf zertrümmerten Altären
Der Aftermuse, die wir nicht mehr ehren?

Einheim'scher Kunst ist dieser Schauplatz eigen,
Hier wird nicht fremden Götzen mehr gedient;
Wir können muthig einen Lorbeer zeigen,
Der auf dem deutschen Pindus selbst gegrünt.
Selbst in der Künste Heiligthum zu steigen,
Hat sich der deutsche Genius erkühnt,
Und auf der Spur des Griechen und des Britten
Ist er dem bessern Ruhme nachgeschritten.

Denn dort, wo Sklaven knien, Despoten walten,
Wo sich die eitle Aftergröße bläht,
Da kann die Kunst das Edle nicht gestalten,
Von keinem Ludwig wird es ausgesät;
Aus eigner Fülle muß es sich entfalten,
Es borget nicht von ird'scher Majestät,
Nur mit der Wahrheit wird es sich vermählen,
Und seine Gluth durchflammt nur freie Seelen.

Drum nicht, in alte Fesseln uns zu schlagen,
Erneuerst du dies Spiel der alten Zeit,
Nicht, uns zurückzuführen zu den Tagen
Charakterloser Minderjährigkeit.
Es wär' ein eitel und vergeblich Wagen,
Zu fallen ins bewegte Rad der Zeit;
Geflügelt fort entführen es die Stunden,
Das Neue kommt, das Alte ist verschwunden.

Erweitert jetzt ist des Theaters Enge,
In seinem Raume drängt sich eine Welt;
Nicht mehr der Worte rednerisch Gepränge,
Nur der Natur getreues Bild gefällt;
Verbannet ist der Sitten falsche Strenge,
Und menschlich handelt, menschlich fühlt der Held;
Die Leidenschaft erhebt die freien Töne,
Und in der Wahrheit findet man das Schöne.

Doch leicht gezimmert nur ist Thespis' Wagen,
Und er ist gleich dem acheront'schen Kahn;
Nur Schatten und Idole kann er tragen,
Und drängt das rohe Leben sich heran,
So droht das leichte Fahrzeug umzuschlagen,
Das nur die flücht'gen Geister fassen kann.
Der Schein soll nie die Wirklichkeit erreichen,
Und siegt Natur, so muß die Kunst entweichen.

Denn auf dem bretternen Gerüst der Scene
Wird eine Idealwelt aufgethan.
Nichts sei hier wahr und wirklich, als die Thräne;
Die Rührung ruht auf keinem Sinnenwahn.
Aufrichtig ist die wahre Melpomene,
Sie kündigt nichts als eine Fabel an
Und weiß durch tiefe Wahrheit zu entzücken;
Die falsche stellt sich wahr, um zu berücken.

Es droht die Kunst vom Schauplatz zu verschwinden,
Ihr wildes Reich behauptet Phantasie;
Die Bühne will sie wie die Welt entzünden,
Das Niedrigste und Höchste menget sie.
Nur bei dem Franken war noch Kunst zu finden,
Erschwang er gleich ihr holdes Urbild nie;
Gebannt in unveränderlichen Schranken
Hält er sie fest, und nimmer darf sie wanken.

Ein heiliger Bezirk ist ihm die Scene;
Verbannt aus ihrem festlichen Gebiet
Sind der Natur nachlässig rohe Töne,
Die Sprache selbst erhebt sich ihm zum Lied;
Es ist ein Reich des Wohllauts und der Schöne,
In edler Ordnung greifet Glied in Glied,
Zum ernsten Tempel füget sich das Ganze,
Und die Bewegung borget Reiz vom Tanze.

Nicht Muster zwar darf uns der Franke werden!
Aus seiner Kunst spricht kein lebend'ger Geist;
Des falschen Anstands prunkende Geberden
Verschmäht der Sinn, der nur das Wahre preist!
Ein Führer nur zum Bessern soll er werden,
Er komme, wie ein abgeschiedner Geist,
Zu reinigen die oft entweihte Scene
Zum würd'gen Sitz der alten Melpomene.

 

 

Die Jungfrau von Orleans

 

Vierter Auftritt

Johanna allein.

 

Lebt wohl ihr Berge, ihr geliebten Triften,
Ihr traulich stillen Täler lebet wohl!
Johanna wird nun nicht mehr auf euch wandeln,
Johanna sagt euch ewig Lebewohl!
Ihr Wiesen, die ich wässerte, ihr Bäume,
Die ich gepflanzet, grünet fröhlich fort!
Lebt wohl ihr Grotten und ihr kühlen Brunnen!
Du Echo, holde Stimme dieses Tals,
Die oft mir Antwort gab auf meine Lieder,
Johanna geht, und nimmer kehrt sie wieder!

   Ihr Plätze alle meiner stillen Freuden,
Euch lass ich hinter mir auf immerdar!
Zerstreuet euch ihr Lämmer auf der Heiden,
Ihr seid jetzt eine hirtenlose Schar,
Denn eine andre Herde muss ich weiden,
Dort auf dem blut’gen Felde der Gefahr.
So ist des Geistes Ruf an mich erlangen,
Mich treibt nicht eitles, irdisches Verlangen.

   Denn der zu Mosen auf des Horebs Höhen
Im feur’gen Busch sich flammend niederließ,
Und ihm befahl vor Pharao zu stehen,
Der einst den frommen Knaben Isai’s,
Den Hirten, sich zum Streiter ausersehen,
Der stets den Hirten gnädig sich erwies,
Er sprach zu mir aus dieses Baumes Zweigen:
„Geh hin! Du sollst auf Erden für mich zeugen.“

   „In raues Erz sollt du die Glieder schnüren,
Mit Stahl bedecken deine zarte Brust,
Nicht Männerliebe darf dein Herz berühren
Mit sünd’gen Flammen eitler Erdenlust.
Nie wird der Brautkranz deine Locke zieren,
Dir blüht kein lieblich Kind an deiner Brust;
Doch werd’ ich dich mit kriegerischen Ehren,
Vor allen Erdenfrauen dich verklären.“

   „Denn wenn im Kampf die Mutigsten verzagen,
Wenn Frankreichs letztes Schicksal nun sich naht,
Dann wirst du meine Oriflamme tragen
Und, wie die rasche Schnitterin die Saat,
Den stolzen Überwinder niederschlagen;
Umwälzen wirst du seines Glückes Rad,
Errettung bringen Frankreichs Heldensöhnen,
Und Rheims befrein und deinen König krönen!“

   Ein Zeichen hat der Himmel mir verheißen,
Er sendet mir den Helm, er kommt von ihm,
Mit Götterkraft berühret mich sein Eisen,
Und mich durchflammt der Mut der Cherubim,
Ins Kriegsgewühl hinein will es mich reißen,
Es treibt mich fort mit Sturmes Ungestüm,
Den Feldruf hör’ ich mächtig zu mir dringen,
Das Schlachtross steigt, und die Trompeten klingen.

[Sie geht ab.]

Gotthold Ephraim Lessing

 

Nathan der Weise

Akteur/ Klosterbruder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Klosterbruder in Lessings „Nathan der Weise“

Der Klosterbruder Bonafides hat bis vor kurzem als Eremit in der Nähe von Jericho gelebt, bis seine Klause von »arabisch Raubgesindel« zerstört wurde. Er ist den Räubern entkommen und hat sich nach Jerusalem gerettet, wo er nun darauf wartet, dass ihm der Patriarch eine neue Einsiedelei zuweist. Bis dahin muss er dem Patriarchen dienen, der ihn »zu allerley« gebraucht, wovor der brave Mann, wie er Nathan gesteht und der Zuschauer zu beobachten Gelegenheit hat (I, 5; IV, 1), »großen Eckel« hat (IV, 7; LM III, 135). Die Weigerung des Tempelherren dem Patriarchen zu Diensten zu sein, nimmt Bruder Bonafides mit Freude zur Kenntnis (I, 5; LM III, 34).

Den Plänen des Patriarchen, jenen (ihm noch unbekannten) Juden zu verfolgen, der ein Christenkind an Kindes Statt aufgezogen hat (IV, II; LM III, 119), macht der Klosterbruder selbst einen Strich durch die Rechnung. Er sucht Nathan auf und gibt sich ihm als jener Reitknecht zu erkennen, der Recha 18 Jahre zuvor im Auftrag ihres Vaters Wolf von Filneck, Nathans Freund, in seine Obhut übergeben hat (IV, 7; LM III, 136 ff.). Er informiert ihn über die üblen Absichten des Patriarchen und versichert ihn seiner Verschwiegenheit.

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Ulrich Plenzdorf

 

Die neuen Leiden

des jungen W.

Akteur

 

 

 

 

 

 

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Ulrich Plenzdorf schrieb sein gesellschaftskritisches

Stück Die neuen Leiden des jungen W. in einer

Sprache der DDR-Jugend in den siebziger Jahren.

Es erzählt die Geschichte eines Jungen, der aus

seiner kleinbürgerlichen Umwelt ausbrechen will

und beim Lesen von Goethes  

Die Leiden des jungen Werthers immer wieder

Ähnlichkeiten mit seinem eigenen Leben entdeckt.

 

In den folgenden Jahren wurde Die neuen Leiden

des jungen W. zu einem "Kult-Stück" und an vielen

Bühnen der DDR, aber auch in der Bundesrepublik

und in anderen Ländern gespielt.

 

Edgar wächst zu DDR-Zeiten bei seiner Mutter als

Musterschüler und „Vorzeigejugendlicher“ auf.

Nach einem Streit mit seinem Lehrmeister tut er,

was er schon lange tun wollte – er verschwindet

mit seinem Freund Willi aus der miefigen Kleinstadt

Mittenberg, und lebt von nun an im aufregenden 

Berlin…

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Tibor  dery

 

 

Fiktiver Report

über ein amerikanisches

Pop-Festival

Akteur

 

 

 

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Fiktiver Report über

ein amerikanisches Popfestival

Was war in Altamont geschehen? Am 6. Dezember 1969 spielten die „Rolling Stones“ auf der Autorennbahn von Altamont in der Nähe von Tracy. Die Stones wollten auf ihrer Tour einen Film drehen und in Altamont sollte er fertig gestellt werden. Siebzehn Filmteams standen bereit. Bereits während im Vorprogramm „Santana“ spielte, kam es zu Handgreiflichkeiten der, als Security angeheuerten, „Hells Angels“ gegenüber den Zuschauern. Martin Bell von „Jefferson Airplain“, der einen weiteren Streit zwischen den „Ordnungskräften“ und den Zuschauern schlichten wollte, wurde während des Auftritts auf der Bühne zusammen geschlagen. Das traurige Schauspiel gipfelte schließlich in der Ermordung des Afroamerikaners Meredith Hunter vor laufenden Kameras während die Stones spielten.Am Ende des Konzertes hatten die 19 Ärzte und 6 Psychiater für einen Ertrunkenen, zwei Überfahrene und den erstochenen Hunter Totenscheine ausgestellt.

Im „Fiktiven Report…“ berichteten junge Schauspieler mit den Mitteln des Theaters über diese Ereignisse. So wie die handelnden Personen fiktiv waren, ging es auch dem Autor nicht um eine originalgetreue Dokumentation der Ereignisse, vielmehr sollten die Mechanismen eines solchen Festivals offen gelegt werden. Die Originalmusik des Musicals stammte von der ungarischen Band „Locomotiv GT“ und wurde erstmals 1973 im Budapester „Vigszinhaz“ von Sandor Pos auf die Bühne gebracht. Im gleichen Jahr wurde beim ungarischen Label „Qualiton“ auch die Originalmusik veröffentlicht. LGT war die Band um Gabor Presser, die 1971 von Presser (voc, keyb) und Jozsef Laux (dr) gegründet wurde. Die Nachdichtung der Originaltexte von Anna Adamis besorgte Wolfgang Tilgner.

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Helmut  Baierl

 

Frau Flinz

1.Akteur

2.Akteur

 

 

 

 

 

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Er hatte die „Mutter Courage“ der DDR geschrieben. Helmut Baierl, der in Böhmen geborene langjährige Dramaturg am Berliner Ensemble (BE), wurde im Jahr 1961 mit seiner dialektischen Komödie „Frau Flinz“ bekannt. Die Flinz besaß die Courage, ihre Kinder mit List und Anpassung erst durch Krieg und Nazizeit zu bringen und auch den Aufbau des ostdeutschen Sozialismus erst mal zum Ausbau des privaten Familienglücks zu nützen. Doch am Ende wurde auch die widerspenstige Flinzin von der Partei gezähmt und zur bauernschlauen Vorsitzenden einer LPG gemacht. Die Uraufführung des DDRErfolgsstücks inszenierten Peter Palitzsch und Manfred Wekwerth drei Monate vor dem Mauerbau am BE: mit Helene Weigel in der

Titelrolle.Und die Weigel begriff die Flinz

sofort als moderne Nachfolgerin ihrer

dort gleichfalls triumphierenden „Courage“.

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George  Bernard  Shaw

 

Die heilige Johanna

Akteur

 

 

 

 

 

 

 

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Auf dem Gang zum Scheiterhaufen

ruft Johanna ihren „Richtern“ zu:

 

 "Ihr glaubt, Leben bedeute nichts anderes,

als nicht mausetot zu sein. Brot und Wasser

fürchte ich nicht. Ich kann von Brot leben.

 

Wann hätte ich je mehr verlangt?

Ich bin auch bereit, Wasser zu trinken,

wenn es rein ist. Aber ausgeschlossen zu sein

vom Licht des Himmels, vom Anblick der Felder

und der Blumen, meine Füße in Fesseln zu halten,

so dass ich nie wieder mit Soldaten reiten oder

auf die Hügel steigen kann – Ohne all das

kann ich nicht leben. All dies wollt ihr mir jetzt

wegnehmen; und nicht nur mir: allen Menschen.

Jetzt weiß ich, dass euer Ratgeber der Teufel,

und meiner Gott ist.“

 

Im Epilog hat Frankreichs König Karl VII. einen

Traum, in dem Johanna ihm erscheint. Sie

unterhält sich fröhlich nicht nur mit Karl, sondern

auch mit ihren alten Feinden, die ebenfalls in Karls

Schlafzimmer Gestalt annehmen.

 

Die Szene endet mit Johannas Verzweiflung

darüber, dass die Menschheit nie an Heilige

glauben werde. Ihr letzter Ausruf:

„O Gott, der du diese wundervolle Erde

geschaffen hast -: wie lange soll es denn noch

dauern, bis sie bereit ist, deine Heiligen zu

empfangen? Wie lange, o Gott, wie lange?“

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Georges  Feydeau

 

Lauf blos nicht

splitternackt herum

 

1. Regie:Jürgen Gosch

    Regieassistenz

 

2. Regie

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Clarisse, die Frau des Abgeordneten Ventroux,

hat, wenn es die Temperatur erlaubt, die

Angewohnheit, nur mit einem Hemd bekleidet

in der Wohnung herumzulaufen.

 

Ihr Ehemann befürchtet verderblichen Einfluss

auf Sohn und Diener. Noch mehr stört ihn, dass

der gegenüber wohnende Clemenceau,

ebenfalls Abgeordneter, sie in diesem Aufzug

sehen könnte.  Als eines Tages der Bürgermeister

des Ortes zu Besuch kommt und Clarisse

ebenfalls nur im Negligé bekleidet öffnet,

spitzt sich die Situation allmählich zu.

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Peter  Hacks

 

Die schöne Helena

1. Akteur/Ajax

2. Regieassistenz

 

 

 

 

 

 

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Peter Hacks über seine Figuren


Die Göttinnen Juno, Minerva. und Venus. Jede von ihnen ist sehr schön. Juno, eine schwarze, üppig Schönheit im roten Chiton, mit goldener Krone. Minerva, blauhaarig und blau gewandet, mit Helm, Schild und Lanze. Venus, blond, sinnlich, weiß umschleiert.

 

Merkur, smarter Politiker und vielgereister Götterbote.


Paris ist sehr jung, wenig über zwanzig. Er ist hübsch und von vollkommener Anmut. Sein Anzug ist der eines realen Schäfers arm, praktisch und nicht unbedingt sauber, aber es gehört zu seinem Charme, daß ihm, was er trägt, steht. Auf dem Kopf hat er natürlich einen Strohhut.


Helena ist verhältnismäßig leicht zu besetzen. Eine Frau, zarteste Jugend mit sinnlicher Reife verbindend; äußerst intelligent, indes von durchaus weiblicher Denkart; phlegmatisch, aber sensibel; unübertrefflich schön und dabei von sehr persönlichem Charme, – mehr wird da nicht verlangt.


Kalchas hat den Kopf eines Römers. Keiner, er selbst am wenigsten, würde bei seinem Anblick auf den Gedanken kommen, daß das Amt eines Jupiterpriesters etwas mit Religion zu tun hat. Er ist ein militanter Reaktionär, bewußt, stolz, würdevoll, sinnenfeindlich. Was ihn allenfalls von einem römischen Stoiker unterscheidet, ist, daß diese Eigenschaften nicht bis zum Kern seines Wesens reichen. Er braucht zur Würde noch würdige Situationen, zur Keuschheit das Fehlen von Versuchung. Übrigens weiß der Autor nicht, ob sich das bei einem römischen Stoiker anders verhielt.


Agamemnon, der König der Könige. Er ist der große Politiker, stark vergoldet und voll Majestät. Seine Haltungen zeugen durchweg von Stolz und Würde.


Achilles, der edle Krieger. Er ist gut und teuer bewaffnet, ein Facharbeiter des Militarismus. Er, hat die Stupidität eines deutschen Jagdfliegers mit Ritterkreuz.


Die beiden Ajaxe. Das sind zwei Raufbolde und Schlagetote der niedrigen Art, komische Figuren wie der Herkules der Komödie.


Menelaos, eine der tragischen Gestalten, die ihrer Zeit voraus sind. 3000 Jahre später geboren, hätte er einen ganz guten Versicherungskassier abgegeben; er wäre dann auch gehörnt worden, aber durchaus unschuldig am Ausbruch des Weltkrieges.

 

http://www.ddr-hoerspiele.net/2-lp/die-schoene-helena.html

 

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Jewgeni  Schwarz

 

Die verzauberten Brüder

Akteur/ Der Bär Mischka

 

Rotkäppchen

Regie

 

 

 

 

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Rotkäppchen

 

Was dieses Rotkäppchen an Fallstricken für den

Wolf parat hat, das würde manchem Agentenkrimi

zur Ehre gereichen.


Rotkäppchens Team sind ein Dutzend witziger

Waldbewohner: Angsthase, Bär, eine kinderreiche

Vogelfamilie und ein Fuchs, der hier irgendwie sein

eigenes Süppchen kocht.

 

Ein Fuchs in fiesester Mackie-Messer-Manier,

der selber so gerne Chef im Märchenwald wäre.

Der böse Wolf allerdings will das auch.

Der Wolf, einer der übelsten Schwerverbrecher der Märchengeschichte, hier ist er ein eitler Großkotz

mit Imponiergehabe, der vieles ab kann, aber nicht,

wenn man ihn Wolfi nennt.

 

In diesem Märchenwald kommen viele Dinge

extrem glücklich zusammen: die sowieso schon

schöne Bearbeitung des russischen Dramatikers

Jewgeni Schwarz, und dann die Idee, das

Rotkäppchen zu einem rotzfrechen

Nummernprogramm zu machen.

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Ludwig  Tieck

 

Der gestiefelte Kater

Regie: Jürgen Gosch

Regieassistenz

 

 

 

 

 

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Prolog

Der Prolog spielt sich im Parterre des Theaters

ab. Die sich als „aufgeklärt“ bezeichnenden

Zuschauer stehen dem bevorstehenden Stück

mehrheitlich verwirrt und ablehnend gegenüber.

Das engstirnige, banausische, aber auch schlecht

auf die Vorstellung vorbereitete Publikum fühlt

sich dem verpflichtet, was es für guten

Geschmack hält, und beginnt deswegen, zu buhen,

um zu zeigen, dass es ein Kindermärchen in dem

ein Kater vorkommt nicht akzeptiert.

 

Um die Zuschauer zu beruhigen, erscheint der

Dichter auf der Bühne. Es gelingt ihm durch seine

höfliche Art, sich beim Publikum Gehör zu verschaffen

und diesem deutlich zu machen, wie verzweifelt er

aufgrund der Ablehnung, die sein Stück erfährt, ist.

Die leicht beeinflussbaren Zuschauer sind davon

gerührt und applaudieren dem Dichter.

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Tadeusz  Rozewicz

 

Der komische Alte

Akteur/ Der Alte

 

 

 

 

 

 

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RUHM

ein gewisser journalist
von der stadtzeitung
der über mich schreibt
„berühmter breslauer dichter“
und zu mir sagt
„Herr Stanisław“
fühlt sich gekränkt

 

ein nettes fräulein
„auch“ journalistin
von der regionalbeilage
der hauptstadtzeitung
hat nur eine frage
stellt aber drei
auf antwort wartet sie nicht

 

ich erkläre freundlich
dass ich müde bin krank
dass ist alt bin
dass mein kopf leer ist

 

„Sie kokettieren!“

 

Er war ein Überlebender, der nicht mehr

leben wollte, erinnert sich Rózewicz.

Und der nur noch leben konnte, indem

er das Dichten tötete – mit der Dichtung

selbst. 1947 erscheint sein Gedichtband

„Unruhe“, der seinen Weltruhm begründete.

„Ich bin vierundzwanzig“, heißt es darin,

„unterwegs zur schlachtbank / bin ich davongekommen. // Ich suche einen

lehrer und meister / der mir wiedergeben

möge / gesichtssinn gehör und sprache /

der aufs neue benennt / dinge und begriffe“.

Eine „nackte Poesie“ war dies; eine

„Antipoesie“, die sich gegen jeglichen

Sprachschmuck richtete.

 

Er war ein Wanderer zwischen den Welten,

in Ost und West gleichermaßen beheimatet.

„Für mich“, sagt Rózewicz „hat es ein

geteiltes Deutschland nie gegeben.“

Doch wie mag es gewesen sein, als der

Dichter, der noch wenige Jahre zuvor mit

der Waffe im Anschlag für Polen kämpfte,

nach dem Krieg deutschen Boden betrat?

Was ging in dem Mann vor, der im

Widerstandskampf seinen Bruder verlor;

der als Überlebender nur noch lebensmüde

dichtete; und der doch bereits in den

Fünfzigerjahren mehrere Male die Weichsel überquerte? Die Antwort fällt knapp aus:

„Es war interessant.“

 

Denn im Partisanenkampf, da lernte

man keine Menschen kennen, keine

Familien. Und statt über das Schwierige,

das Belastende des deutsch-polnischen

Verhältnisses in jener oder heutiger Zeit

zu sprechen, fällt sein Blick auf seine Beine,

seine Füße, die in dicken Puschen stecken.

Rózewicz, der sich immer wieder durch

Kichern und Lachen unterbricht, streckt sie kurz in die Höhe – und erzählt eine Anekdote:

„Ich musste 1956 in Ost-Berlin mit Schuhen

im Bett schlafen, mit Mantel und mit Mütze.“

Nachts steckte er unter einer riesigen Decke,

frierend, mit roter Nase. Die Kulturschergen

der DDR hatten ihn im einstmaligen Nobel-

Hotel Adlon, Unter den Linden, untergebracht.

Es hatte bessere Zeiten gesehen,

ohne Heizung schlief der gefeierte Dichter

Polens in einem Ost-Berliner Eisschrank.

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Thomas  Brasch

 

HAHNENKOPF - 1975

Akteur

 

 

 

 

 

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Wie viele sind wird eigenntlich noch?

Der dort an der Kreuzung stand,
war das nicht von uns einer.
Jetzt trägt er eine Brille ohne Rand.
Wir hätten ihn fast nicht erkannt.

Wie viele sind wir eigentlich noch.
War das nicht der mit der Jimi-Hendrix-Platte.
Jetzt soll er Ingenieur sein.
Jetzt trägt er einen Anzug und Krawatte.

Wir sind die Aufgeregten. Er ist der Satte.

Wer sind wir eigentlich noch.
Wollen wir gehen.Was wollen wir finden.
Welchen Namen hat dieses Loch,
in dem wir, einer nach dem andern,verschwinden.

 

 

Das Aufbegehren gegen die „Sozialistische

Tragödie der Dummheit“, als die er die

Niederwerfung des Prager Frühlings

apostrophiert hatte, hatte dem jungen

Brasch in der DDR eine einjährige Haftstrafe

eingetragen. Nach seinem öffentlichen Protest

gegen die Ausbürgerung des „sich für einen

Kommunisten haltenden, singenden Arschlochs“

Wolf Biermann war sein literarischer Kredit

im paranoiden SED-Staat aufgebraucht und

er vollzog „die Übersiedlung vom

Braunkohlendeutschland ins

Steinkohlendeutschland“:

„Ein politischer Fall erst und dort ein

klinischer Fall/ jetzt und hier.“
Der als Anarchist und Rebell Gefeierte,

dem die Erfolge auf allen künstlerischen

Bühnen nur so zuflogen, war ab Mitte der

achtziger Jahre ein Verlassener, der in

heilloser Traurigkeit seine Einsamkeit und

sein literarisches Eremitendasein besang.

Hatte Brasch auf dem Höhepunkt seines

Ruhmes in allen Kunstgattungen brilliert

und als Lyriker und Übersetzer, Dramatiker

und Filmemacher die Kritik begeistert,

so zog er sich seit Mitte der achtziger Jahre

immer mehr auf die Arbeit an einem Roman

über den Erfinder und Mädchenmörder

Karl Brunke zurück.

 

Weil ich das Eigene verloren habe
kann ich nichts mehr schreiben.
Jeder meiner Gedanken ist mir ganz fremd
und unnütz. Deshalb lasse ich ihn
gleich versinken, wenn er auftaucht.
Zu viel geredet.
Zu selten geschwiegen.
Und immer der Gedanke an Sterben.

 

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August  Strindberg

 

FRÄULEIN JULIE

Regie

 

 

 

 

 

 

 

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Das Stück  handelt von der jungen reichen Julie

und ihrem DienerJean und ihrem Verhalten und

Verhältnis zueinander während einer 

Mitsommernacht und am darauffolgenden

Morgen. Es spielt im Jahre 1894 in der Küche

des Herrensitzes von Julies Vater

in einer kleinen Stadt in Schweden und

behandelt klassenunterschiede, den

Geschlechterkampf sowie Liebe und Lust.

 

Julie versucht, ihrem durch gesellschaftliche Normen

geprägten Dasein zu entfliehen und etwas Spaß

zu haben, indem sie auf dem jährlichen

Mittsommerfest mit der Dienerschaft tanzt.

Dort fühlt sie sich zu dem älteren Diener Jean

hingezogen, der in der Welt herumgekommen

ist und sowohl gut erzogen als auch gebildet ist.

Jeans Verlobte, die Köchin namens Kristin, hält

sich auch des Öfteren in der Küche auf und schläft

dort, während sich Julie und Jean unterhalten.

 

Die Handlung thematisiert die unterschiedlichen Machtpositionen. Während Fräulein Julie über

Jean steht, da sie der Oberklasse angehört und

eine Dame ist, übt Jean durch seine Bildung und

seine Männlichkeit Macht über Julie aus. Julies

Vater, der Graf, übt kraft seiner Rolle als Vater,

Adliger und Arbeitgeber sowohl über Julie als auch

über Jean Macht aus, obwohl er nie in

Erscheinung tritt.

 

Während der Nacht entwickelt sich das anfängliche

Flirten zwischen Julie und Jean zu einer vollendeten Liebesbeziehung. Im Laufe der Handlung kämpfen

beide darum, die Situation unter Kontrolle zu bringen

und ihr gegenseitiges Verlangen zu ignorieren.

Zum Schluss überzeugt Jean jedoch Julie,

dass die einzige Möglichkeit, aus ihrer misslichen

Lage zu entkommen, ihren Selbstmord erfordert.

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Arnold  Wesker

 

Das Hochzeitsfest

Regie:Hartwig Albiro

Regieassistenz

 

 

 

 

 

 

 

 

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Arnold Weskers Stück „DAS HOCHZEITSFEST“

entstand im „Kitchen Sink Realism

(Spülbecken Realismus)",

einer englischen kulturellen Bewegung

in den späten 1950ern und frühen 1960ern.

Die Richtung entstand sowohl im Theater, als auch

in der bildenden Kunst, in Filmen und im Fernsehen.

Der Ausdruck "kitchen sink" entstand aus einem

expressionistischen Gemälde von John Bratby,

es zeigt die Abbildung eines Spülbeckens.

Der Kritiker David Sylvester schrieb 1954 einen

Artikel über neue Trends der englischen Kunst.

Er nannte "The Kitchen Sink", in Bezug auf Bratbys

Gemälde. Sylvester behauptete, es gebe unter

den jungen Künstlern ein gestiegenes Interesse an

"häuslichen Szenen", wobei das Hauptaugenmerk

auf der Einfachheit des Lebens liege. Bratby malte

mehrere Küchenobjekte wie Siebe und Löffel, jedoch

nicht ohne diese in halb-abstrakten Formen darzustellen.

 

Außerdem malte er Bäder und schuf drei Gemälde

von Toiletten.

 

Weitere "Kitchen sink"-Künstler waren

z. B. Derrick Greaves, Edward Middleditch und

Jack Smith.

 

Sie bildeten gemeinsam die "Kitchen sink school".

Die Bezeichnung wurde auch schnell auf eine

neue Dramenart angewandt. Kitchen sink war eine

realistische Repräsentation sozialen Lebens.

 

Häuser auf dem Land und Blumenwiesen waren

out, eiserne Regale und andere häusliche

Einrichtungen waren in; so wie in John Osbornes

Stück "Look Back in Anger", in dem solche Dinge,

prominent zum Beispiel ein Bügeleisen,

Gegenstände des Bühnengeschehens waren.

 

Dies war eine Reaktion gegen

den Stil, den Noel Coward und Terence Rattigan

vertraten.

 

Auch Arnold Weskers „Das Hochzeitsfest“

gehört dazu. Sink Realism kann man mit dem

Aufstieg der "Angry Young Men" in Zusammenhang

bringen, eine journalistische Gruppe aus britischen

Autoren und Schriftstellern Mitte der 1950er Jahre.

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Samuel  Marschak

 

Die zwölf Monate

Regie:Irmgard Lange

Regieassistenz

 

 

 

 

 

 

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Er war ein anerkannter Übersetzer englischer Lyrik, bevor er ab 1923 begann, Theaterstücke und Verse für Kinder zu schreiben. Gefördert von Maxim Gorkij, erwarb sich Samuil Marschak besondere Verdienste als Leiter der Kinderbuchabteilung im Staatsverlag. Am 3. November 1887 wurde er als Kind jüdischer Eltern in Woronesch geboren.

 

Ausschnitt aus "Zwölf Monate":


Königin:    Ich brauche nicht zu bitten, ich bin die Königin.

                 Nimm uns in deinem Schlitten mit!


Soldat:      Wissen sie was, Eure Majestät, sprechen

                 Sie nicht wie eine Königin mit ihr, sondern

                 wie ein Mensch.


Königin:    Ich glaube, ich habe Sie verstanden.
                 Liebes Mädchen, nimm uns bitte mit,

                 uns ist so schrecklich kalt.


Mädchen:  Aber natürlich. Steigt ein!

 

Eine Königin in Kindesalter lernt zum ersten

Mal, ihren Dünkel zurückzunehmen.

 

Königin:    Ich glaube, ich habe Sie verstanden.

Marschak lässt diese kindliche Königin nach Lust

und Laune regieren - zum größten Vergnügen

der Zuschauer.

Federico  Garcia  Lorca

 

Bernarda Albas Haus

1.Regieassistenz

 

2.Regie:Piet Drescher

   Regieassistenz

 

Bluthochzeit

Regie: Ruslan Khakishev

Regiemitarbeit

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Bernarda Alba, Mutter von fünf Töchtern,

lebt gemeinsam mit ihren Kindern, ihrer

alten Mutter und zwei Mägden in einem

Haus in einem andalusischen Dorf.

Zu Beginn der Handlung verstirbt

Bernardas Ehemann, und so wird sie

zur Herrin des Hauses. Für sie ist das

wichtigste, was im Dorf über sie und ihre

Familie erzählt wird, und so ist sie ständig

darum bemüht, eine Fassade aufrechtzuerhalten,

um die Familienehre zu wahren. Bernarda

führt ein tyrannisches Regiment im Haus,

das für ihre unverheirateten Töchter zu einem

Gefängnis wird. Besonders zwischen ihr und

der jüngsten Tochter Adela kommt es

häufig zu Konflikten…

 

Gacela der verzweifelten Liebe

 

Die Nacht will nicht kommen,
damit du nicht kommen kannst
und ich nicht gehen kann.

Aber ich werde gehen,
auch wenn eine Skorpionsonne mir die Schläfe auffrißt.

Aber du wirst kommen
mit deiner vom Salzregen verbrannten Zunge.

Der Tag will nicht kommen,
damit du nicht kommen kannst
und ich nicht gehen kann.

Aber ich werde gehen
und meine zerbissene Nelke den Kröten überlassen.

Aber du wirst kommen
durch die trübe Kloake der Dunkelheit hindurch.

Weder Nacht noch Tag wollen kommen,
damit ich für dich sterbe
und du für mich stirbst.

[Gacela del amor desesperado]

 

 Reiterlied

 

Canción de jinete

 

Cordoba.
Weit weg und einsam.

Schwarzes Pferdchen, großer Mond
und Oliven in meiner Satteltasche.

Auch wenn ich den Weg kenne,
werde ich nie in Cordoba ankommen.

Durch die Ebene, durch den Wind,
schwarzes Pferdchen, roter Mond.
Der Tod schaut von Cordobas Türmen
auf mich herab.

Ach, welch langer Weg!
Ach, welch tapferes Pferdchen!
Ach, daß der Tod mich
vor der Ankunft in Cordoba erwartet!

Cordoba.
Weit weg und einsam.

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Johann Wolfgang von Goethe

 

FAUST I

 

Regie: Piet Drescher

Regieassistenz

 

Regie[1989]

 

DIE MITSCHULDIGEN

Regie

 

IPHIGENIE AUF TAURIS

Regie

 

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PROMETHEUS

 

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!                             
Musst mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,                                                
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich                                           
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler                                       
Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wusste, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug
Zur Sonne, als wenn drüber wär                            
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir wider
Der Titanen Übermut?                                          
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du's nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,                                    
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?                                                
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,                                     
Meine Herren und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-                             
Blütenträume reiften?

Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,                                                 
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.

 

FAUST - Eine Tragödie der Übereilung

 

"Fluch sei dem Balsamduft der Trauben!

 Fluch jener höchsten Liebeshuld!

 Fluch sei der Hoffnung! Fluch dem Glauben,

 Und Fluch vor allem der Geduld."

[1603-06]

 

"Ich bin nur durch die Welt gerannt;

 Ein jed' Gelüst ergriff ich bei den Haaren,,

 Was nicht genügte, ließ ich fahren,

 Was mir entwischte, ließ ich ziehn."

[11433-36]

 

"Du hast sie zertört,

 Die schöne Welt

 Mit mächtiger Faust.

 Sie stürzt, sie zerfällt!

 Ein Halbgott hat sie zerschlagen!

 Wir tragen

 Die Trümmer ins Nichts hinüber

 Und klagen über die verlorene Schöne."

[1607-16]

 

 

Iphigenie auf Tauris

 

1. Aufzug / Erster Auftritt

 

Iphigenie
Heraus in eure Schatten, rege Wipfel
Des alten, heil’gen, dicht belaubten Haines,
Wie in der Göttin stilles Heiligtum,
Tret’ ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl,
Als wenn ich sie zum ersten Mal beträte,
Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher.
So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe;
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
Denn ach! Mich trennt das Meer von den Geliebten,


Und an dem Ufer steh’ ich lange Tage,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend;
Und gegen meine Seufzer bringt die Welle
Nur dumpfe Töne brausend mir herüber.
Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern
Ein einsam Leben führt! Ihm zehrt der Gram
Das nächste Glück vor seinen Lippen weg;
Ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken
Nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne
Zuerst den Himmel vor ihm aufschloss, wo
Sich Mitgeborne spielend fest und fester
Mit sanften Banden aneinander knüpften.
Ich rechte mit den Göttern nicht; allein
Der Frauen Zustand ist beklagenswert.
Zu Haus und in dem Kriege herrscht der Mann,
Und in der Fremde weiß er sich zu helfen.
Ihn freuet der Besitz; ihn krönt der Sieg!
Ein ehrenvoller Tod ist ihm bereitet.
Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!
Schon einem rauen Gatten zu gehorchen,
Ist Pflicht und Trost; wie elend, wenn sie gar
Ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt!
So hält mich Thoas hier, ein edler Mann,
In ernsten, heil’gen Sklavenbanden fest.
O, wie beschämt gesteh’ ich, dass ich dir
Mit stillem Widerwillen diene, Göttin,
Dir, meiner Retterin! Mein Leben sollte
Zu freiem Dienste dir gewidmet sein.
Auch hab’ ich stets auf dich gehofft und hoffe
Noch jetzt auf dich, Diana, die du mich,
Des größten Königes verstoßne Tochter,
In deinen heil’gen, sanften Arm genommen.
Ja, Tochter Zeus’, wenn du den hohen Mann,
Den du, die Tochter fordernd, ängstigtest,
Wenn du den göttergleichen Agamemnon,
Der dir sein Liebstes zum Altare brachte,
Von Trojas umgewandten Mauern rühmlich
Nach seinem Vaterland zurück begleitet,
Die Gattin ihm, Elektren und den Sohn,
Die schonen Schätze, wohl erhalten hast:
So gib auch mich den Meinen endlich wieder,
Und rette mich, die du vom Tod errettet,
Auch von dem Leben hier, dem zweiten Tode!

 

Faust – Erster Monolog

 

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh' ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr'
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als alle die Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel -
Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab' ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr' und Herrlichkeit der Welt;
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab' ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Daß ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau' alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu' nicht mehr in Worten kramen...

Michail  Rostschin

 

TRANSPORTZUG
Regie: Gerhard Meyer

Regieassistenz

 

 

 

 

 

 

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Michail Rostschins Stück spielt in einem

Transportzug. Im Oktober /Novemver 1941

wurden Frauen und Kinder aus Moskau

in das sowjetische Hinterland transportiert.

 

Der Angriff der deutschen Heeresgruppe „Mitte“

gegen Moskau hatte am 30. September 1941

begonnen.Trotz verzweifelten Widerstands

kamen die Truppen der Wehrmacht bis auf ca,25 km

an die sowjetische Hauptstadt heran. Die Lage wurde

brenzlig, Mitte Oktober erging der Befehl,

Staatsbehörden, einen Teil der Industrie und der

Bevölkerung ins Hinterland zu evakuieren.

 

In der Stadt brach Panik aus; Gerüchte wollten

wissen, die Sowjetführung wolle Moskau den

Deutschen überlassen. Schließlich wurde am

20. Oktober der Belagerungszustand

ausgerufen. Anfang Dezember 41 ging die Rote

Armee zum Gegenangriff über und befreite in

den folgenden Monaten das Moskauer Vorland.

In der Geschichte des Zweiten Weltkriegs stellt die

„Schlacht um Moskau“ eine Zäsur dar, denn die

Sowjetarmee errang nun nach und nach die

strategische Initiative über den Gegner.

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Volker  Braun

 

TINKA

Regie: Hartwig Albiro

Regieassistenz

 

 

 

 

 

 

 

 

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"Ein Freudenelend/Ist das Leben."

- lautet das Fazit einer Existenz, die

aufgeladen ist mit Erfahrungen "

aus einem rostigen Zeitalter".Diese

Lebensbilanz richtet sich an den Enkel,

die Zukunft allerdings bleibt ungewiss.

 

Durchgearbeitete Landschaft

 

Hier sind wir durchgegangen

Mit unseren Werkzeugen

Hier stellten wir etwas Hartes an
Mit der ruhig rauchenden Heide

Hier lagen die Bäume verendet, mit nackten
Wurzeln, der Sand durchlöchert
Bis in die Adern, umzingelt der blühende Staub

Mit Stahlgestängen, aufgerissen die Orte
Überfahren mit rohen Kisten, abgeteuft die teuflischen
aaaaaSchächte mitleidlos

Ausgelöffelt die weichen Lager, zerhackt, verschüttet,
aaaaazersiebt, das Unterste gekehrt nach oben und
aaaaadurchgewalkt und entseelt und zerklüftet

Hier sind wir durchgegangen.

Und bepflanzt mit einem durchdringenden Grün
Der Schluff, und kleinen Eichen ohne Furcht

Und in ein plötzliches zartes Gebirge
Die Bahn, gegossen aus blankem Bitum

Das Restloch mit blauem Wasser
Verfüllt und Booten: der Erde
Aufgeschlagenes Auge

Und der weiße neugeborene Strand
Den wir betreten

Zwischen uns.

 

Volker Braun, der nach dem Abitur einige Jahre im

Bergbau und Tiefbau arbeitete, bevor er in Leipzigg

Philosophie studierte, beschäftigte sich mit den

Widersprüchen und Hoffnungen in einem

sozialistischen Staat. Seit 1960 Mitglied der SED,

gelang es ihm nur unter Einsatz seines taktischen

Geschicks, seine Prosa oder Gedichte zu veröffentlichen.

 

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Lew Ustinow

 

Das Honigfass - 1977

Regie

 

 

 

 

 

 

 

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Aus dem Stücktext von Lew Ustinow:

Mein Name ist Maria. Ich warte. Ich warte auf

die Rückkehr meines Freundes Peter. Vor langen

Jahren ging er in die Welt, um das Unrecht zu

bekämpfen. Seither ist das Unrecht in

unserer Stadt. Der Schuster Stiefel nutzte

Peters Abwesenheit sofort aus, er wurde unser

Diktator [Stalins Vater war Schuster].

 

Peter war Schmied, er machte gute Angelhaken,

damit wir gute Fänge machten; Stiefel legt

Fußstacheln aus, damit wir uns die Schuhe zerfetzen.

Da er verboten hat, in zerfetzten Schuhen zu gehen

und immer wieder neue Stacheln auslegt, kommt er

als Schuhflicker zu immer mehr Geld. So erwarb er die

Macht über die Stadt. Nun warten wir auf Peters

Wiederkehr: mein Vater, der einbeinige Führer,

zwei traurige Künstler und ich, Maria, seine Braut.

Man muss das Unrecht verhindern, wo es gerade

aufkommt, man muss dazu nicht außer Landes

gehen. Weiß man, wer da zurückkommt?

 

Als Peter zurückkam, wussten wir nicht mehr,

wer er war. Stiefel ließ uns den Sockel eines Denkmals

bauen. Wer stellte sich darauf? Peter. Er war ein

anderer Mann geworden, und er war nicht mehr

mein Mann. Stiefels Tochter Stacheline sollte

heiraten. Wen? Ich muss es nicht sagen.

Wer war da zurückgekommen,behangen mit

einem Honigfass, aus dem er ständig schleckte?

 

Anstatt seines kräftigen Arms, den wir so dringend

benötigten,gebraucht Peter seine Zunge.

Sie will uns die Not so schmackhaft machen wie

Honig, sie leckt Stiefels Stiefel. Alles sei gut in

unserer Stadt, sagt Peter. Nicht Stiefel habe Unrecht,

sondern wir, die gegen das Unrecht sind.

Unsere Welt sei schön;man muss nur richtig hinsehen,

sagt der blinde Mann.

 

Ja er ist blind, er ist verblendet. Die Hilfe, die wir

von ihm erhofften, hat er selbst jetzt am nötigsten.

Ich will herausfinden, was ihn verändert hat, denn

ich will, dass unser Leben sich ändert.

 

Dazu brauchen wir ihn. Ich will, dass er wieder

sieht – auch mich, Maria. Ich warte nicht mehr.

Wir brauchen Peter so, wie er war, damit unsere

Stadt nicht so bleibt, wie sie ist.

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Wladimir  Majakowski

 

MAJAKOWSKI-ABEND

Akteur

 

DIE WANZE

Akteur

 

 

 

 

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Euer Traum

im Hirn ist verweichlicht bereits,
wie ein fetter Lakai auf dem speckigen Sofa,

bis ich ihn erst einmal mit dem blutigen Fetzen

des Herzens gereizt und mich sattgelacht,

arrogant und bissig.

 

In meiner Seele fand sich von grauen

Haaren  kein Schimmer, keine Greisenzärtlichkeit

fand sich!/Da schreit' ich: Es donnert die kraftvolle

Stimme./Und ich bin schön und bin zweiundzwanzig

 

Вашу мысль

мечтающую на размягченном мозгу,
как выжиревший лакей на засаленной кушетке,
буду дразнить об окровавленный сердца лоскут:
досыта изъиздеваюсь, нахальный и едкий.

У меня в душе ни одного седого волоса,
и старческой нежности нет в ней!
Мир огромив мощью голоса,
иду - красивый,
двадцатидвухлетний.

 

Und könntet ihr?

Die Farbe direkt aus dem Becher verspritzend
hab ich die Karte des Alltags bestrichen;
aus einer Schüssel Sülze gezogen,
zeig ich des Meeres Wangenbogen.
Von Blechfischschuppen las ich viele
Rufe neuer Lippen vor.
Und ihr?
Könnt ihr Nocturne spielen
auf einer Flöte aus Wasserrohren?

1913


Den Blechschildern

Lest euch die eisernen Büchelchen vor!
Unter der Flöte vergoldeter Staben
kriechen geräucherte Schnäpel hervor
und Steckrüben, die blonde Locken haben.

Doch wenn sich die fröhlichen Brühen
vereinen zum Sternbild des »Maggi« –
sieht man vom Sargmacher ziehen
die Prozessionen der Sarkophage.

Und wenn sich, ganz traurig und finster,
Laternen verlöschend versammeln,
verliebt euch unter dem Garküchenhimmel
in den Mohn keramischer Kannen.

1913

Ich

Über das Pflaster
meiner zerfahrenen Seele
hoppelt mit Wahnsinnssprüngen
die Ferse wilde Phrasen.
Wo die Städte
erhängt sind
und Wolkenschlingen
die krummen Hälse
der Türme erdrosseln –
gehe ich, um
alleine zu klagen,
weil man auf die Kreuzungen
Wachtmeister
nagelt.

Lärmchen, Lärm und Großlärm

Die Echos der Großstadt ein Lärmen durchdringt
von raschelnden Sohlen und krachenden Rädern,
doch Pferde und Menschen – nur Reitknechte sind's;
es folgt den schwindenden Sensen ein jeder.

Mädchen tragen Lärmchen vorbei.
Ein Lastwagen tosend mit Kisten schrammt.
Es raschelt des Trabers Überwurf leicht.
Rollenden Donner verplätschert die Tram.

Alles strömt durch die Tunnelpassagen
in Denkkanälen kreuzschlagend zum Platz,
wo Lärm zum Beherrscher aller Basare
gekrönt wird mit rußschwarzer Schreckensfratze.

1913

Da habt ihr!

Von hier aus ergießt sich schon bald in die Gassen
Mensch für Mensch euer schwabbelndes Fett,
doch ich, der Verschwender von Worten unfassbar,
hab aus Schatullen den Vers freigesetzt.

Bei ihnen, mein Herr, hängt im Bart noch ein Fuder
ungegessener Kohlreste, ölig und kraus;
und sie, meine Dame, sind dick eingepudert,
ihre Austern, sie quelln aus der Schale heraus.

Auf dreckigen Sohlen, mit und ohne Galoschen,
trampelt ihr Schmetterlings Farbenpracht aus.
Die Menge vertiert, schon kommt sie gekrochen,
die Beinchen gesträubt, hundertköpfig, als Laus.

Und wenn ich, ein Hunne, euch heute zur Last war,
grobschlächtig und bitter,
dann schert mich das nicht,
denn ich, der Verschwender von Worten unfassbar,
spucke euch lachend ins Fratzengesicht.

(1913)

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Rudi  Strahl

IN SACHEN ADAM UND EVA

Akteur

 

DIE TRAUERREDE u.a

1. Regie

2. Regie

 

 Arno Prinz von

Wolkenstein

Regie

 

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Im Westen kannte ihn ja niemand, und es

waren reine DDR-Alltagsstoffe, die er schrieb.

Rudi Strahl, am 14. September 1931 in Stettin

geboren, hatte erst einmal acht Jahre anständig

gedient. Bei der NVA. Er war Adjutant eines

Generals, er war Radsportprofi, er war ein

Gemütskerl,der Humor hatte und das Grübeln

kriegte.Ein etwas schallender Humor, ein nicht

sehr zweiflerisches Grübeln. Sein Kollege und

Freund Peter Hacks spottete,Strahl ärgere sich

nur,"dass Parteisekretäre nicht hellsehen

können".Hacks vermutete, dass Strahl "einen

Vorrat von komischen theatralischen

Konstellationen besitzt, und die durch einen

Computer laufen lässt, bis eine derselben zu

seinem Problem passt." Zu den bekanntesten

Stücken gehörten "Ein irrer Duft von frischem Heu",

"In Sachen Adam und Eva",

"Arno Prinz von Wolkenstein".Sie wurden an der

Theaterfront der DDR auf und nieder gespielt,

der "Irre Duft" am Gorki-Theater einige hundert Mal,

es hat den Leuten sehr gefallen. Nach Strahls

Vorlagen entstanden mehr als 40 Kino- und

Fernsehfilme, darunter "Meine Freundin Sibylle",

"Einfach Blumen aufs Dach", "Ein ehrlicher Finder".

Millionen Zuschauer sahen sie. Die Gesamtauflage

seiner Bücher erreichte fast fünf Millionen Exemplare.

Sie wurden in 26 Sprachen übersetzt. Nach der

Wende ließ der Erfolg nach, doch Strahl gab nicht

nach. Für Harald Juhnke schrieb er den Fernsehfilm

"Ein Kerl wie Samt und Seide". Am Staatstheater

Cottbus wurde der Schwank "Kein Bahnhof für zwei" uraufgeführt. Bitter empfand er den Tod seines

Sohnes Bob, der 1997 im Alter von 38 Jahren

starb und nach zwei eigenen Erzählbänden

am Beginn eines schriftstellerischen Weges stand.

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Friedrich  Hölderlin

 

HYPERION

 

1. Regie / Akteur [Alabanda]

2. Regie

3. Filmregie

 

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HYPERION

Eines zu sein mit Allem, was lebt! Mit diesem Worte

legt die Tugend den zürnenden Harnisch, der Geist

des Menschen den Zepter weg, und alle Gedanken

schwinden vor dem Bilde der ewigeinigen Welt, wie

die Regeln des ringenden Künstlers vor seiner Urania,

und das eherne Schicksal entsagt der Herrschaft, und

aus dem Bunde der Wesen schwindet der Tod,

und Unzertrennlichkeit und ewige Jugend beseliget,

verschönert die Welt. O ein Gott ist der Mensch,

wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt.

Da ich noch ein stilles Kind war und von dem allem,

was uns umgibt, nichts wußte, war ich da nicht mehr,

als jetzt, nach all den Mühen des Herzens und all

dem Sinnen und Ringen?

 

Wie unvermögend ist doch der gutwilligste Fleiß

der Menschen gegen die Allmacht der ungeteilten

Begeisterung. Sie weilt nicht auf der Oberfläche,

faßt nicht da und dort uns an, braucht keiner Zeit

und keines Mittels; Gebot und Zwang und Überredung

braucht sie nicht; auf allen Seiten, in allen Tiefen

und Höhen ergreift sie im Augenblick uns, und

wandelt, ehe sie da ist für uns, ehe wir fragen,

wie uns geschiehet, durch und durch in ihre Schönheit,

ihre Seligkeit uns um.

 

Es gibt ein Vergessen alles Daseins,

ein Verstummen unsers Wesens, wo uns ist,

als hätten wir alles gefunden.

 

Es gibt ein Verstummen, ein Vergessen alles Daseins,

wo uns ist, als hätten wir alles verloren, eine Nacht

unsrer Seele, wo kein Schimmer eines Sterns,

wo nicht einmal ein faules Holz uns leuchtet

 

O ihr, die ihr das Höchste und Beste sucht,

in der Tiefe des Wissens, im Getümmel des

Handelns, im Dunkel der Vergangenheit,

im Labyrinthe der Zukunft, in den Gräbern oder

über den Sternen! wißt ihr seinen Namen?

den Namen des, das Eins ist und Alles?
Sein Name ist Schönheit.

 

Hyperion an Bellarmin

 

Wohl dem Manne, dem ein blühend Vaterland

das Herz erfreut und stärkt!

Mir ist, als würd ich in den Sumpf geworfen,

als schlüge man den Sargdeckel über mir zu,

wenn einer an das meinige mich mahnt, und

wenn mich einer einen Griechen nennt, so wird

mir immer, als schnürt' er mit dem Halsband

eines Hundes mir die Kehle zu.

 

Und siehe, mein Bellarmin! wenn manchmal mir

so ein Wort entfuhr, wohl auch im Zorne mir eine

Träne ins Auge trat, so kamen dann die weisen

Herren,die unter euch Deutschen so gerne spuken,

die Elenden,denen ein leidend Gemüt so gerade

recht ist, ihre Sprüche anzubringen, die taten dann

sich gütlich, ließen sich beigehn, mir zu sagen:

Klage nicht, handle!

O hätt ich doch nie gehandelt! um wie

manche Hoffnung wär ich reicher! -

 

   HYPERIONS Schicksalslied

 

    Ihr wandelt droben im Licht

    Auf weichem Boden, selige Genien!

    Glänzende Götterlüfte

    Rühren euch leicht,

    Wie die Finger der Künstlerin

    Heilige Saiten.

 

    Schicksallos, wie der schlafende

    Säugling, atmen die Himmlischen;

    Keusch bewahrt

    In bescheidener Knospe,

    Blühet ewig

    Ihnen der Geist,

    Und die seligen Augen

    Blicken in stiller

    Ewiger Klarheit.

 

    Doch uns ist gegeben,

    Auf keiner Stätte zu ruhn,

    Es schwinden, es fallen

    Die leidenden Menschen

    Blindlings von einer

    Stunde zur andern,

    Wie Wasser von Klippe

    Zu Klippe geworfen,

    Jahr lang ins Ungewisse hinab.

 

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Shelagh  Delaney

 

BITTERER HONIG

Regie

 

 

 

 

 

 

 

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Als 17-Jährige begann Shelagh Delaney die Arbeit

an Bitterer Honig zuerst in Romanform.

Bald merkte sie,dass ihre Ideen als Theaterstück

besser zur Geltung kommen würden und nahm

sich zwei Wochen frei, um es umzuschreiben.

Die Hauptfigur des Stückes ist das

Mädchen Jo, das zusammen mit ihrer „lockeren“

Mutter Helen in einem englischen Slum  lebt.

Das Drama konfrontiert uns mit sozialen Themen.

Jo als ledige Mutter, Helens Rassismus, sowie Jo's

schwulen Freund Geoffrey – in einer Offenheit,

die für das England der 1950er völlig neu war, und

für die Zuschauer 1979/80 im „Tal der Ahungslosen“,

Dresden, erst recht. Titel der Beatles, Harry

Belafontes und Elvis Presleys unterstützten

unsere provokante Inszenierung.

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Kazimierz Moczarski

 

Gespräche mit dem Henker

Regie / Akteur

 

 

 

 

 

 

 

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Die Ermordung von über 70 000 Juden ist nur eins

von vielen Verbrechen des fanatischen Hitleranhängers

Jürgen Stroop. Kazimierz Moczarski, ehemaliger

Offizier der polnischen Heimatarmee, war im

stalinistischen Nachkriegspolen wegen angeblicher

Kollaboration mit den Deutschen verhaftet worden.

Um seine Moral zu brechen,sperrten ihn 1949 die kommunistischen Machthaber in eine Zelle des

Warschauer Mokotow-Gefängnisses mit Nazi-Kriegsverbrechern.

 

Was Moczarski in seinem Buch «Gespräche mit dem

Henker» später aus dem Gedächtnis über diese

qualvolle Zeit niedergeschrieben hat,

ist auch heute noch kaum erträglich..

 

Für Stroop gilt nur eins: «Befehl ist Befehl.»

Bis ins letzte Detail erläutert er Moczarski die

«Großaktion zur Vernichtung des Warschauer

Ghettos».Erschreckend: Daten, Tageszeiten und

Opferzahlen -er hat alles genau im Kopf.

Stroop wurde 1952 nach einem Prozess in

Polen hingerichtet. Moczarski (1907-1975)

kam 1956 frei und wurde in einer öffentlichen

Gerichtsverhandlung vollständig rehabilitiert.

Die Veröffentlichung seines Buches 1977 in Polen

erlebte er nicht mehr.

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Alexander  Wampilow

 

Der ältere Sohn

Regie

 

Letzten Sommer in Tschulimsk

Regie: Gerhard Meyer

Regieassistenz

 

 

 

 

 

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Der ältere Sohn

Eine Parabel vom verlorenen Sohn. Der Student Bussygin

und sein Saufkumpan Silva verpassen den letzten Vorortzug,

draußen ist es kalt. Sie finden schließlich Unterschlupf in

der Wohnung des Geigers Sarafanow. Bussygin gibt sich

nämlich als der unbekannte uneheliche Sohn des

Musikers aus. Der gutmütige Mann fällt zu gern auf

den Trick herein, da seine zwei Kinder gerade im Begriff

sind, ihn zu verlassen. Witzigerweise ist nicht nur die

Geschichte des frechen Eindringlings eine Lüge....


Alexander Wampilow, geboren 1937 in Kutulik bei

Irkutsk, Dramatiker. Zwei Tage vor seinem

35. Geburtstag ertrank er im Baikal-See.

 

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Johannes R.Becher

 

1. Becherabend

Regie

 

2. Becherabend

Regie

 

WINTERSCHLACHT

Regie

 

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Winterschlacht

Held des Stückes ist der Gefreite Johannes Hörder,

für die Aufstellung einer Tafel mit der Aufschrift

„Moskau 100 km“ mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet .

Becher nennt ihn eine „deutsche Hamletfigur“.

Sein Vater, SS-Obergruppenführer und Beisitzer des „Volksgerichtshofes“, ist verantwortlich für das

Todesurteil gegen den Vater seines Freundes und

die Verhaftung von dessen Frau, schuldig auch

am Tode seines Bruders, den er auftragsgemäß

wegen „Wehrkraftzersetzung“ selbst liquidierte.

Nachdem er dies alles erfahren, sagt sich Johannes

Hörder am Weihnachtsabend – eben auf Urlaub

gekommen – vom Vater los. Der hatte ihm

vorher ein Aktienpaket des von ihm beaufsichtigten Stahlkonzerns unter den Christbaum gelegt.

Auch die Mutter fordert jetzt von ihrem Mann

Rechenchaft für den Tod ihres ältesten-Sohnes.

 

In einer dramatischen Szene erschießt sie ihn,

während aus dem Radio die Klänge von „Stille Nacht,

heilige Nacht“ ertönen. Vom gläubigen Gefolgsmann

des „Führers“ zum Antifaschisten gewandelt,

kehrt Gefreiter Hörder an die Ostfront zurück.

 

Hier gerät er in den Verdacht, die Flucht seines

Freundes Nohl zu den Sowjets begünstigt zu

haben und soll als „Bewährungsauftrag“

zwei Partisanen erschiessen.

 

Seine Weigerung liefert ihn selbst dem Tode aus.

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Hans Fallada

 

Kleiner Mann, was nun?

Regie

 

 

 

 

 

 

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"Was nun?" in Zeiten der Weltwirtschaftskrise:

Falladas Antwort auf diese Frage der kleinen Leute ist Lämmchen, diese sanfte und tapfere Frau, die das Leben ihres verzweifelten Mannes in die Hände nimmt. Beide glauben an ihr Glück und an ihre Liebe. Doch das Glück will sich nicht einstellen, statt dessen gibt es Kummer und Sorgen, als sich Pinneberg in das Millionenheer der Arbeitslosen einreihen muss.

Warmherzig und voller Dramatik erzählt Fallada in seinem 1932 erstmals veröffentlichten Eheroman von einem kleinen Angestellten und seinem "Lämmchen", einer Frau von beherzter Lebenskraft, die im Kampf gegen eine unfriedliche Welt, Missgunst und wirtschaftliche Not ihr zärtlich-idyllisches Glück behaupten.

Tankred Dorsts und Peter Zadeks Revue aus den 70er Jahren entführt uns in die Zeit der 30er Jahre. Neben der realen Not und der hohen Arbeitslosigkeit funkelt der schöne Schein einer Glamour- und Revuewelt mit Musik-, Tanz und Gesangsnummern.

Dieses Stück ist Teil von:

"Kleiner Mann - was nun?"
Roman von Hans Fallada

 

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Wladimir  Tendrjakow

 

ABRECHNUNG

Regie

 

 

 

 

 

 

 

 

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In dem Stück "Abrechnung" erschoss ein

15-jähriger Junge seinen Vater, der ein Säufer

war und die Familie tyrannisierte. Wir können

heute kaum noch nachvollziehen,welche

Grundidee Wladimir Tendrjakow in der

ABRECHNUNG verfolgte? Das wichtigste

Problem des Stückes war 1981,dass ein

Lehrer seine Schüler dazu bewegen wollte

keine Ungerechtigkeiten hinzunehmen.

Führte das zur Tat des Jungen?

War es nicht richtig,die Kinder nur

"zum Guten" erziehen  zu wollen???

Der Vater einer Schülerin macht dem

Lehrer direkt Vorwürfe.

 

"Dur darfst dich mit keiner Schlechtigkeit

 abfinden - haben Sie das gefordert

 von den Kindern?"

"Ja."
"Und haben Sie nicht auch gefordert:

Du sollst bedingungslos gut sein?"
"Auch."
"Und worauf läuft das hinaus?

Ihr müsst gegen den Strom

schwimmen, Kinder.

Überlegen Sie mal: das ist doch furchtbar!"

(Tendrjakow Abrechnung.: Seite 24)

 

Dieser Vater griff  den  Lehrer an, weil

er will, dass seine Tochter glücklich wird und kein

"naives Dummchen" (ebd.: 92), die sich beim

Versuch, die Welt zu bessern, das Kreuz bricht.

Auf die Frage des Lehrers, wie es dann in der

Welt besser werden soll, antworte er nur:

"Was kümmert mich die Welt!" (ebd.: 93).

Neben dem Lehrer erklären sich fast alle

Betroffenen zu Schuldigen, die Mutter des Jungen,

die Mutter des getöteten Vaters. Die Schulklasse

des Jungen und seine Freundin erklären sich so

sehr solidarisch, dass sie die Losung preisen:

"Töten, um zu leben". Das bereitet dem Lehrer

einen doppelten Schrecken: Das also hat seine

Lehre, für das Gute einzutreten gebracht:

die Bereitschaft zum Töten?! Die Verwirrung geht

so weit, dass sogar der verantwortliche Polizeibeamte

versucht, den Jungen zu entlasten. Der Lehrer kommt

aber schließlich zu einer Lösung des Konflikts.

Man muss nicht verzichten, sich für das Gute einzusetzen,

aber man darf den Kindern die schlimmen Realitäten

des Lebens nicht verschweigen und sie dadurch ins

Abseits treiben,wenn sie schrecklichen  Situationen

ausgeliefert sind. Die Alternative war Offenheit

gegenüber schwierigsten Problemen:

 

"Wäre er nur in andere Umstände geraten.

Wenigstens an unserer Schule, hätte er vielleicht

Verständnis gefunden und dadurch gewusst,

er kann auf unser Mitgefühl rechnen - ob ihm dann auch der Gedanke gekommen wäre, den

verhaßten Vater umzubringen?" (ebd.: S.186)

 

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Georg  Kreisler

 

Heute Abend LOLA BLAU

Regie

 

 

 

 

 

 

 

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Lola Blau  singt über "Frau Schmidt":

 

Ob bei Frau Schmidt sich auch kein Gewissensbiß

regt?/ Ob auch sie das Vergangene vergaß?
Ob sie weiß, daß auch sie ihren Schuldanteil trägt?
Nein - ich glaube, die sagt sich nur das:

Hätt ich damals den Goldstein genommen,
wär ich sicher nach Amerika gekommen.
Doch Papa war Antisemit,
und so bin ich nur die Frau Schmidt.

Hätt ich damals mir manches verkniffen
und auf andre Kosten nicht zu hoch gegriffen -
doch ich hatte so Appetit.
Und so bin ich nur die Frau Schmidt.

Frau Schmidt ist die anonyme Frau.
Bei Nacht sind alle Katzen grau.
Frau Schmidt, die stets nur von andern spricht,
denn meinen Namen merkt man sich ja nicht.

Gott sei Dank, daß ich Bruno nicht küßte,
weil ich heut mit ihm ein Land regieren müßte.
Aber Bruno biß auf Granit,
und so bin ich nur die Frau Schmidt.

Frau Schmidt, die sich nicht verleiten läßt,
denn Sex ist nun mal nicht gesund.
Frau Schmidt, die sich nichts bestreiten läßt.
Des Menschen bester Freund, das ist sein Hund.
Frau Schmidt braucht keinen Bewegungsgrund,
um gegen irgendwas zu sein.
Frau Schmidt braucht keinen Überlegungsgrund,
um lang und laut zu schrein.
Denn was in allen Illustrierten steht,
das leuchtet letzten Endes ein.

Ich mag keine zu intelligenten
frechen Juden oder farbigen Studenten.
Denen geb ich, hopp, einen Tritt,
denn ich bin ja nur die Frau Schmidt.

Und bei Malern da werd ich noch wilder.
In der Zeitung les ich niemals ihre Bilder.
Jeder Maler ist ein Bandit,
aber ich bin nur die Frau Schmidt.

Frau Schmidt kann im Grunde nichts dafür.
Das halbe Volk steht hinter ihr.
Frau Schmidt ist bisweilen mäuschenstill,
man weiß ja an der Spitze, was sie will.

Deshalb stört mich auch nichts an den Ländern,
die sich heutzutage mit den Zeiten ändern.
Zwar es bringt mir keinen Profit,
denn ich bin ja nur die Frau Schmidt.
Aber trotzdem mache ich mit,
denn die Zeiten ändern sich,
Pleiten ändern sich,
Mächte ändern sich,
Knechte ändern sich.
Was sich niemals ändert, ist die Frau Schmidt.

 

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Anton  Tschechow

 

SCHWANENGESANG

Regie

 

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„Wo Kunst ist, wo Talent ist, da gibt s kein Alter,

  keine Einsamkeit, keine Krankheit, und selbst

  der Tod ist halb so schwer.“

Das Schlimme ist, dass wir die einfachsten

Fragen mit  Tricks zu lösen versuchen, darum

machen wir sie auch so ungewöhnlich

kompliziert. Man muss nach einfachen

Lösungen suchen…

Anständigen im wahren Sinne begegnet man

nur unter Menschen, die feste Überzeugungen

haben.Konservative oder Liberale, die so

genannten Gemäßigten neigen zu sehr zu

Belohnungen, Beihilfen, Kreuzen, Gehaltszulagen…

 

Tschechow schrieb, mit erkennbarem Bezug

auf seine Kindheit und Jugend sowie sein

ungewollt frühes Erwachsenwerden,

in einem Brief an seinen langjährigen

Verleger Suworin:

 

„Was die adligen reichen Schriftsteller von der

Natur umsonst bekommen haben, das erkaufen

sich die Intellektuellen aus den unteren sozialen

Klassen auf Kosten ihrer Jugend. Schreiben Sie

mal eine Erzählung, wie ein junger Mann,

Sohn eines Leibeigenen, früher Ladenjunge,

Chorsänger, Gymnasiast und Student,

erzogen zur Ehrfurcht vor der Rangordnung,

zum Küssen von Popenhänden und zur Verehrung

fremder Gedanken, der sich für jedes Stück Brot

bedankte, der oft geschlagen wurde, der ohne

Überschuhe zu den Stunden ging, der sich prügelte,

Tiere quälte, der gern bei reichen Verwandten zu

Mittag aß, der vor Gott und den Menschen ohne

jede Notwendigkeit nur aus dem Bewusstsein seiner

Nichtigkeit heuchelte – schreiben Sie,wie dieser

junge Mann aus sich tropfenweise den Sklaven

herauspresst und wie er eines schönen

Morgens aufwacht und fühlt, dass in seinen

Adern nicht mehr Sklavenblut, sondern echtes

Menschenblut fließt.“

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Edmond Rostand

 

Cyrano aus Bergerac

Regie

 

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Aus Cyranos "Nasenmonolog"

Ach, nein! Das ist ein bißchen dünn,

mein Freund. Man könnt’ da noch so manches

sagen, wie mir scheint.


In mancher Tonart, nehmen Sie zum Beispiel die:
Provokativ: “Hätt’ ich solch eine Nase, Herr, wie Sie,
Dann würd’ ich sie mir auf der Stelle

amputieren lassen!”


Vertraulich: “Stört die sehr in Ihren Suppentassen?
Zum Trinken sollten Sie vielleicht ein Faß verwenden.”
Beschreibend: “Welch ein Fels!

Ein Berg zum Schattenspenden.
Ach nein, was sag ich? Berg?

Ein Bergmassiv ist das!”


Verblüfft: “Und diese lange Kapsel dient als was?
Als Schreibzeug oder als ein Maniküretui?”…

 

Brutal: “Das soll jetzt Mode sein? Indiskutabel!
Na ja, zum Hutaufhängen aber ganz passabel.”
Besorgt: “Wird’s dieser Meisternase mal zu kalt,
Verschickt sie ihre Nieser mit Orkangewalt!”


Dramatisch: “Wenn die blutet, steigt das Rote Meer!”
Erstaunt: “Welch Aushangschild für einen Parfümeur!”
Poetisch: “Seht! Das größte Muschelhorn auf Erden!”
Naiv: “Kann dieses Monument besichtigt werden?”

 

So oder ähnlich hätten Sie mich foppen können,
Würden Sie Bildung und Verstand Ihr eigen nennen.
Doch statt gebildet sind Sie nur ein Jammerbild!
Und Ihr Gehirn ist nicht ein Jota mit Verstand gefüllt.


Jedoch: Besäßen Sie tatsächlich solche Geisteskraft,
Um sich im Beisein dieser edlen Hörerschaft
Zu unterstehn, mir alle diese mörderischen,
Beleidigenden Nasenscherze aufzutischen,
Dann würde schon der erste Laut vom ersten Wort
Vom ersten Satz Ihr letzter sein. Denn hier und dort
Verspott’ ich mich zwar manchmal selber gern und

gut,/Doch ich erlaube nicht, daß es ein andrer tut!”

 

CYRANO

...In meinem Innern bin ich um so feiner.

Den Stutzern, die so teuren Aufputz tragen,

Steh ich an Reinlichkeitsgefühl nicht nach

Und würde nie mich unter Menschen wagen

Mit einer noch nicht abgewaschnen Schmach,

Mit schmutzigem Sinn, schlaftrunkenem Gewissen

Und einem Ruf, der schäbig und zerschlissen.

Ich bin, wenngleich so schmucklos von Gestalt,

Mit Unabhängigkeit und Mut geschmückt;

Zwar hat mich keine Schnürbrust je gedrückt;

Doch in der Brust die Richtschnur gibt mir Halt.

Vollbrachte Taten dienen mir als Bänder;

Den Witz hab ich zum Zierat mir erkoren,

Und ritterlich, bei müßigem Geschlender,

Laß ich die Wahrheit klirren statt der Sporen…

 

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Lew N. Tolstoi

 

KRIEG und FRIEDEN
Regie

 

KRIEG und FRIEDEN

Regie und Fassung

2013 in Nazran/ Inguschetien

 

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Der Erzähler eröffnet die Vorstellung

unter anderem mit:

 

Tolstoi bekennt es klar: eine absichtlose Kunst

gebe es nicht, vielmehr habe die Kunst den

bestimmten Zweck,den guten Beziehungen

zwischen den Menschen zu dienen.

Den guten Beziehungen zwischen den

Menschen dient bestimmt nicht der Krieg.

 

Die Absicht Tolstois war, zu zeigen,

daß Kriege etwas Unvernünftiges, der menschlichen

Natur Zuwiderlaufendes sind, weil ihr Resultat vom

Zufall abhängt.

 

Das heißt: in Kriegen und Schlachten gibt es Tote

und Sieger, das ist gewiß. Aber nicht gewiß ist,

wer die Toten und wer die Sieger sein werden.

Manche werden meinen, nicht der Zufall entscheidet,

sondern Gott. Friedrich der Große meinte,

Gott sei mit den stärkeren Bataillonen.

 

Aber heute fragen wir uns, wenn alle Menschen

umgekommen sein werden, mit wem wird dann

Gott sein? Aber soll man denn das so deutlich

sagen, noch dazu im Theater?

 

Meine Damen und Herren, die meisten Menschen

wissen seit Generationen, daß der Krieg etwas

Schreckliches ist, dennoch zogen sie immer wieder

in die Kriege. Sie trösteten sich mit Tolstoi,

daß zwar das private Leben durch die Politik

der Kriege durchkreuzt und zerstört werde,

daß aber das Leben in seiner kollektiven

Gesamtheit -das natürliche Leben, wie Tolstoi

sagt -immer weitergehe.

 

Damit können wir uns nicht mehr trösten.

Wenn wir nicht deutlich werden, kann es geschehen,

daß das Leben eines Tages nicht mehr weitergeht.

 

ZITATE

Wenn alle Menschen nur aus Überzeugung in den

Krieg zögen, dann würde es keinen Krieg geben…
 

Heutzutage schreibt jeder neue Gesetze;

schreiben ist leichter als handeln…

 

Jede gewaltsame Reform verdient getadelt zu werden,

weil sie das Übel nicht bessern wird, solange

die Menschen so bleiben, wie sie sind, und weil

die Weisheit Gewalt verschmäht…

 

Bei historischen Ereignissen sind die "großen Männer"

nur die Signatur, die dem Ereignis den Namen geben…
 

Nur die Widerwärtigkeiten des Lebens können uns

von der Eitelkeit des Lebens überzeugen und so

die uns angeborene Liebe zum Tod oder zur

Wiedergeburt zu einem neuen Leben verstärken…
 

Es ist unmöglich, die Leidenschaften auszurotten;

wir müssen nur darauf bedacht sein, sie auf ein

edles Ziel zu lenken…

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Friedrich  Gerstäcker

 

Pferdediebe in Arkansas

Regie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vorbilder

"Was mich so in die Welt hinausgetrieben?

Will ich aufrichtig sein, so war der, der den ersten

Anstoß dazu gab, ein alter Bekannter von uns allen,

und zwar niemand anders als Robinson Crusoe.

Mit meinem achten Jahr schon faßte ich den

Entschluß, ebenfalls eine unbewohnte Insel

aufzusuchen,und wenn ich auch,herangewachsen,

von der letzteren absah, blieb doch für mich,

wie für tausend andere, das Wort 'Amerika' eine

gewisse Zauberformel, die mir die fremden Schätze

des Erdballs erschließen sollte."

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Tirso de Molina

 

Die fromme Marta

Regie

 

 

 

 

 

 

 

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Über die fromme Marta:

"Jedoch auf gute Speis' und weiche Betten

Hält sie noch viel, das ändert sie sich nicht.

Tut sie auch alles, ihre Seel' zu retten,

Und lebt so fromm - solang es ein Gericht

Rebhühner gibt, läßt sie das Rindfleisch stehn."

 

Gabriel Telez (um 1584 - 1648), spanischer Theologe,

bekannter unter dem Pseudonym Tirso de Molina,

1600 schloß er sich dem Mercedarierorden

(Ordo Beatae Mariae Virginis de Mercede) an.

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Hans Christian

Andersen

 

DER SOLDAT UND DAS FEUERZEUG

1.Regie

2.Regie

 

Die Prinzessin und der Schweinehirt

Titelrolle

 

 

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Hier der Beginn aus Hans Christian Andersens Märchen:

 

DER SCHWEINEHIRT 

Es war einmal ein armer Prinz; er hatte nur ein ganz kleines

Königreich;aber es war immer groß genug, um sich darauf

zu verheiraten,und verheiraten wollte er sich.

Nun war es freilich etwas keck von ihm,dass er zur Tochter

des Kaisers zu sagen wagte: "Willst du mich haben?"

 

Aber er wagte es doch, denn sein Name war weit

und breit berühmt;es gab hundert Prinzessinnen, die gerne

ja gesagt hätten; aber ob sie es tat? Nun, wir wollen hören.

Auf dem Grabe des Vaters des Prinzen wuchs ein

Rosenstrauch, ein herrlicher Rosenstrauch; der blühte

nur jedes fünfte Jahr und trug dann auch nur die einzige

Blume; aber das war eine Rose, die duftete so süß,

dass man alle seine Sorgen und seinen Kummer vergaß,

wenn man daran roch.

 

Der Prinz hatte auch eine Nachtigall, die konnte singen,

als ob alle schönen Melodien in ihrer Kehle säßen.

Diese Rose und die Nachtigall sollte die Prinzessin haben,

und deshalb wurden sie beide in große silberne Behälter

gesetzt und ihr zugesandt.

 

Der Kaiser ließ sie vor sich her in den großen Saal tragen,

wo die Prinzessin war und mit ihren Hofdamen

"Es kommt Besuch" spielte. Als sie die großen Behälter

mit den Geschenken erblickte, klatschte sie vor Freude

in die Hände."Wenn es doch eine kleine Miezekatze wäre!"

sagte sie, aber da kam der Rosenstrauch mit der herrlichen

Rose hervor. "Wie niedlich sie gemacht ist!" sagten alle

Hofdamen. "Sie ist mehr als niedlich", sagte der Kaiser,

"sie ist schön!" Aber die Prinzessin befühlte sie, und da war

sie nahe daran, zu weinen."Pfui, Papa!" sagte sie, "sie ist

nicht künstlich, sie ist natürlich!" "Pfui," sagten alle Hofdamen,

"sie ist natürlich!"…

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E.Schikaneder  W.A.Mozart

 

Die Zauberflöte

Fassung / Regie

 

 

 

 

 

 

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Die Königin der Nacht an ihre Tochter Pamina:

 

Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen,
Tot und Verzweiflung flammet um mich her!
Fühlt nicht durch dich Sarastro
Todesschmerzen,
So bist du meine Tochter nimmermehr.
Verstoßen sei auf ewig,
Verlassen sei auf ewig,
Zertrümmert sei'n auf ewig
Alle Bande der Natur
Wenn nicht durch dich
Sarastro wird erblassen!

Hört, Rachegötter,
Hoert der Mutter Schwur!

 

Pamina, Papageno:

 

Schnelle Fuesse, rascher Mut

Schuetzt vor Feindes List und Wut.

Faenden wir Tamino doch,

Sonst erwischen sie uns noch...

 

 

SARASTRO

 

In diesen heil'gen Hallen,
Kennt man die Rache nicht.
Und ist ein Mensch gefallen,
Führt Liebe ihn zur Pflicht.
Dann wandelt er an Freundes Hand
Vergnügt und froh ins beßre Land.
Dann wandelt er an Freundes Hand
Vergnügt und froh ins beßre Land.

 

In diesen heil'gen Mauern,
Wo Mensch den Menschen liebt,
Kann kein Verräter lauern,
Weil man dem Feind vergibt.
Wen solche Lehren nicht erfreun,
Verdienet nicht ein Mensch zu sein.
Wen solche Lehren nicht erfreun,
Verdienet nicht ein Mensch zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Michail  Bulgakow

 

KABALE DER SCHEINHEILIGEN

Dramaturgische Mitarbeit

 

 DER MEISTER UND MARGARITA

1. Fassung/ Regie

2. Regie

3. Regie

4. Neufassung/Regie

 

AUFZEICHNUNGEN  EINES JUNGEN ARZTES

Fassung / Regie

2015 Dramatisches Theater in Wladikawkas

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 "Nun gut, wer bist du denn? - Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft", sagt der Teufel in Goethes Faust, dem anderen klassischen Werk der europäischen Literatur, auf das sich Der Meister und Margarita ganz offen bezieht. Faust ist scheinbar dualistisch, ebenso wie der Roman Bulgakows, die gerade zitierte Stelle, die die Scheinbarkeit des Dualismus im Faust explizit zeigt, hat Bulgakow seinem Roman als Motto vorangestellt und damit deutlich auf die Korrespondenzen seines Romans mit der Goetheschen Tragödie hingewiesen. Diese ausgesprochen technischen Korrespondenzen können wir diesmal außer Acht lassen, denn nicht ihretwegen ist Der Meister und Margarita eine absolute Ausnahme und ein völliger "Außenseiter" in der europäischen Literatur dieses Jahrhunderts, sondern wegen einer Verwandtschaft mit Goethes Faust, die in der Literatur unserer Zeit ganz unmöglich ist.

 

Bulgakow glaubt ebenso an das Gute und den Sinn wie Goethe. Goethe musste ganz offensichtlich seine ganze Meisterschaft aufbieten, um an der Schwelle unserer Epoche einen glücklichen Faust zu schreiben, weil sich schon zu seiner Zeit die dunklen Seiten der Aufklärung ankündigten; vermutlich wird uns gerade deshalb so drastisch vor Augen geführt, dass mit Faust eine Epoche zu Ende geht und ein mögliches Weltgefühl aufhört. Welche Kraft und welche Meisterschaft musste da erst Bulgakow aufbieten, um seinen Faust zu schreiben?! Und das in unserer Zeit, in der die dominante Strömung der Literatur im Widerstand zu ihrem eigenen Fundament steht, indem sie hartnäckig zu beweisen sucht, dass sie des Sinnes entbehrt und somit nicht möglich sein kann.

Devad Karahasan

 

Über VOLAND, den Satan.

In Bulgakows Roman feierte er

seinen Frühlingsvollmondball

im Moskau der Stalinzeit:

 

Später, als es, offen gesagt, bereits zu spät war, veröffentlichten verschiedene Behörden ihre Berichte zur Beschreibung dieser Person [Volands]. Man kann nur staunen, wie sehr sich diese Berichte glichen. So besagt der erste, es handele sich um eine Person von kleinem Wuchs, mit Goldzähnen, die auf dem rechten Bein hinke. Im zweiten heißt es, die Person sei von riesenhafter Größe, ihre Zähne seien mit Platin überkront und sie hinke auf dem linken Bein. Der dritte stellt lakonisch fest, die Person verfüge über keinerlei besondere Merkmale. Leider muß gesagt werden, daß keiner dieser Berichte etwas taugt. Zuerst einmal: Der Beschriebene hinkte auf keinem Bein und war weder riesig noch klein, sondern einfach hochgewachsen. Was seine Zähne betrifft, so hatte er links Platin- und rechts Goldkronen. Er trug einen teuren grauen Anzug und ausländische Schuhe in der gleichen Farbe. Das grüne Barett saß verwegen über einem Ohr und unter dem Arm trug er einen Stock, dessen Knauf die Form eines Pudelkopfs hatte. Dem Aussehen nach war er etwas über vierzig. Der Mund irgendwie schief. Glattrasiert. Brünett. Das rechte Auge war schwarz, das linke aus irgendeinem Grund grün. Auch die Brauen waren schwarz, aber die eine saß etwas höher als die andere. Mit einem Wort: ein Ausländer.

Fjodor  Dostojewski

 

Die Dämonen

Fassunng / Regie

 

 

Die Besessenen 2012

The Visitors

Szenarium / Regie

 

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FINSTERNIS

 

Dostojewskis "Dämonen" sind Karikaturen

von Revolutionären, vom Autor aus den

dunkelsten Tiefen des Menschen entworfen;

neben den Regisseuren und Akteuren

dieses Dramas [der Mordwelle Stalins

1937/38]sind sie bleiche Knaben;

vor allem neben den Regisseuren

[Stalin und seine Satrapen], denn

die Akteure sind im Grunde selber Opfer,

die von ganz einfachen Triebkräften

angetrieben werden...Albtraum über

Albtraum. Die Wahheit hat ihre Grenzen,

die Lüge nicht... [Victor Serge]

 

Fjodor Dostojewski schrieb

 

DIE DÄMONEN 1870 in Dresden

 

Bei der Sitzung eines „Fünferkomitees“ legt ein

Mitglied, Schigaliow, sein Buch vor, in dem er das

Bild der künftigen sozialistischen Gesellschaft

entwirft, ein Bild, gegen das, so sagt er, alle

Gedanken früherer Reformer nichts als törichte

Träume seien.Es gebe keinen andern Weg als

die Teilung des Volks in zwei Gruppen: ein Zehntel

erhalte die unbeschränkte Freiheit und damit die

absolute Macht, der Rest müsse entmündigt und

damit in den „ursprünglichen Zustand der

Lämmerunschuld zurückgeführt werden“.

Das Ideal der totalen Diktatur, die Vorwegnahme

des Faschismus und Stalinismus.In den „Dämonen“

zeigt Dostojewskij den Weg dorthin: die Verbreitung

konfuser Nachrichten, welche Hoffnungen und

Ängste wecken; das Einkreisen einzelner Personen,

die man erpreßt, indem man sie unversehens zu

Komplizen obskurer Geheimbünde macht; die

gegenseitige Verdächtigung und Bespitzelung;

das Kanalisieren der allgemeinen Unzufriedenheit

in politisch unklare, aber dunkel zielgerichtete

Bewegungen; das Unterwühlen aller Traditionen;

die Ausrottung der Religion; die Verknäuelung

verschiedenartiger reformerischer und revolutionärer

Ideen, bis keiner mehr versteht, worum es geht,

und schließlich der „starke Mann“ sich zum Retter

aufwirft. Schigaliow sieht diese Entwicklung voraus.

Sie erscheint ihm unaufhaltsam und schrecklich,

um so schrecklicher, als er sie erkennt als die

logische Konsequenz seiner eigenen sozialististischen

Theorie. Er sieht seine große Idee, die Erneuerung

Rußlands, ad absurdum geführt. Er verzweifelt.

Alle diese „Revolutionäre“ verzweifeln.

Sie sind zu früh geboren.

 

 

Alexander  Herzen

 

 

 

 

 

 

Ein Familiendrama

Fassung / Regie

 

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Der gescheiterte Revolutionär

Es ist das Disparate seines Werks, das es modern macht; ungewöhnlich ist auch die Verknüpfung von Denken und Leben. Die Diskussionen und die Beschreibung von 1848 erinnern in vielem an 1968 und die hitzigen Diskussionen, die noch heute darüber geführt werden. Herzen bewahrte sich davor, in Sektierertum oder verachtende Ansichten zu verfallen, wie z. B. sein Freund Michail Bakunin oder auch manche der deutschen 48er, die für die "Befreiung" der Menschheit durch Blut gewatet wären.

 

Ein Familiendrama

Andere Teile von Erlebtes und Gedachtes haben romanhafte Züge, wie die Geschichte der Freundschaft zu Georg Herwegh. Die "eiserne Drossel", wie Heinrich Heine Herwegh spöttisch nannte, versuchte, Herzen die Frau auszuspannen. In diesem Familiendrama liegen die Nerven blank, man droht mit Selbstmord und fordert einander zum Duell. Trotzdem denkt man bei der Lektüre: Heute wäre es kaum anders! Wie bitter muss es für Herzen gewesen sein, dass diese Frau, die sich am Ende gegen Herwegh und für ihn entschied, kaum ein Jahr später starb.

 

Schade, dass Erlebtes und Gedachtes , wie alles andere von Herzen, auf Deutsch nur noch antiquarisch vorliegt. Die wunderbare dreibändige Ausgabe des Aufbau Verlags erschien nur ein einziges Mal, Anfang der sechziger Jahre. Zu verdanken haben wir sie übrigens einer "Ironie der Geschichte", wie Isaiah Berlin sagt, einer "beiläufig geäußerten anerkennenden Bemerkung Lenins", sodass Herzen sich im "allerheiligsten des sowjetischen Pantheons befindet, von einer Regierung dorthin gestellt, deren Genese er besser verstand und mehr fürchtete als Dostojewski und deren Worte und Taten eine fortgesetzte Beleidigung alles dessen sind, woran er glaubte und was er war."

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Francis Beaumont

John FletcheR

 

Der Ritter von der flammenden

Mörserkeule

Regie

 

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John Fletcher (* Dezember 1579 in Rye, Sussex,

England; † August 1625) war ein englischer

Dramatiker, der viele seiner Stücke in

Zusammenarbeit mit Francis Beaumont schrieb.

Fletcher wurde im Dezember 1579 in Rye, Sussex,

England, geboren.

 

Seinen genauen Geburtstag kennt man nicht, aber

seine Taufe fand am 20. Dezember statt.Mit 11 Jahren besuchte er das Corpus Christi College, in

Cambridge. Ob er dort auch einen Abschluss erhielt,

ist nicht bekannt. Neben William Shakespeare

und Ben Jonson war John Fletcher sicherlich der

bekannteste und vielseitigste Dramatiker seiner

Zeit. Er wurde der wesentliche Stückeschreiber

für die Theatertruppe King's Men, aber nicht,

wie William Shakespeare, deren geschäftlicher

Teilhaber. Seine Begabung lag vor allem auf

dem Gebiet der Tragikomödie und der

Sittenkomödie, die während der Regierungszeit

Karls I. in England sehr beliebt waren.Über sein

Leben weiß man nur wenig. Zwischen 1609 und

1625 schrieb er vermutlich 42 Stücke, 21 davon

in Zusammenarbeit mit Francis Beaumont,

Nathan Field, Shakespeare, und anderen.

Nur neun seiner Dramen wurden zu seinen Lebzeiten

gedruckt. Im Jahr 1611 schrieb er das Stück

Der gezähmte Zähmer, eine Parodie auf Shakespeares

Der Widerspenstigen Zähmung, das 20 Jahre

zuvor entstanden war.

 

Im Alter von 46 Jahren starb John Fletcher im

August 1625;seine letzte Ruhestätte fand er am

29. August in der St. Saviour's Kirche in Southwark.

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Ljudmila Petruschewskaja

 

DREI MÄDCHEN IN BLAU [1988]

Regie

 

 

 

 

 

 

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Über Ljudmila Petruschewskajas Stücke:

 

Vielleicht sind ihre Theaterstücke so irritierend, weil in ihnen ein Nichts an Ereignissen so geschwätzig verhandelt wird: ein Sommer auf einer Datsche, Kinderkrankheiten, ein Flirt, ein undichtes Dach ("Drei Mädchen in Blau"), eine Ehe, kaum aus Liebe geschlossen.

 

Ihre Figuren reden aneinander vorbei, Schauspieler aus Not und animiert vom Alkohol, und reden nur für sich selber, um, einen Augenblick lang, zu vergessen: Oft ist ein Satz, in der Metro gehört, der Ausgangspunkt ihrer Geschichten und Stücke. „Drei Mädchen in Blau“ hat die Petruschewskaja geschrieben, nachdem sie im Moskauer Künstlertheater die illegale Vorstellung eines von ihr verehrten Stücks gesehen hatte, und über Jahre wurde auch ihr eigenes Stück dann illegal aufgeführt, von Schauspielern des Künstlertheaters, ein Glücksfall beinahe zu der Zeit, als sie nichts veröffentlichen konnte. Jetzt trauert sie der Anonymität von damals manchmal nach. Sie will die Leute belauschen können.

 

Es ist eine Gesellschaft ohne Väter, bis heute, von der die Petruschewskaja schreibt. Nur geht es ihr schon längst nicht mehr um das wirkliche Leben. Die Stücke der Petruschewskaja, das sind Grotesken, und in Frankreich wenigstens wurden sie mit denen von Achternbusch oder dem frühen Kroetz verglichen. Und auch wenn sie, so hartnäckig und intensiv wie kaum ein anderer Autor, über den russischen Alltag schreibt, ist sie doch alles andere als eine Sozialfürsorgerin am dahinsiechenden, umnachteten Mütterchen Rußland. Sie hat, entgegen allen Mißverständnissen, die Wirklichkeit längst hinter sich. Weil diese kaum erträgliche Wirklichkeit ihr viel zu harmlos erscheint.

 

Worüber sie schreibt, die real existierende Familienhölle, das sind am Ende Ausgeburten ihrer Phantasie, Monstren in einem wirklichen Nachtstück, von maßloser Liebe handelnd, also von komplettem Wahn, Müttern, die ihre Kinder zerfleischen mögen, Kindern, die von nichts wissen als vom Haß. Und dauerte, in ihren früheren Geschichten, das Glück einen Wodka lang oder einen Spaziergang über ein Feld im Gewitterregen. Die Poetik der Petruschewskaja ist eine Poetik der Grausamkeit, nicht eigentlich avantgardistisch, es gibt, wenn schon nicht Vorbilder, doch Vorläufer: Louis-Ferdinand Celines "Reise ans Ende der Nacht", wo die Verzweiflung an der Wirklichkeit sich wahnwitzige Phantasmagorien und Überzeichnungen schuf. Am Ende kehrt mit dem Werk der Petruschewskaja ein literarischer Existentialismus zurück, nicht philosophisch geschönt wie bei anderen osteuropäischen Autoren, Kundera oder Szczcypiorski, sondern roh, widerwärtig und abstoßend, der nackte Kampf ums Überleben. Am Ende ist auch das nur eine Fiktion.

 

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Angel Wagenstein

 

DIE MAHNUNG

Filmregie:Juan Antonio Bardem

Akteur

 

 

 

 

 

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Er war Emigrant und Partisan, sass in

einer Todeszelle und studierte in Moskau,

arbeitete als Drehbuchautor und Regisseur

in Ost- wie in Westeuropa. Daneben hat

er Romane verfasst. Dennoch geniesst

der Bulgare Angel Wagenstein im Westen

nicht die Bekanntheit, die ihm gebührt.

 

«Meinen Vater habe ich im Gefängnis

kennengelernt»,erzählt der in eine Familie

Plowdiwer sephardischer Juden Hineingeborene.

«Er war ein alter Bolschewik – und das

bis ans Ende seines Lebens Anfang der

neunziger Jahre.»...

1989 brechen bewegte Zeiten an.

Wagensteins Wohnung in Sofia wird zum

Organisationsbüro für die grosse

Demonstration vom 18. November,

die das Ende des bulgarischen Staatssozialismus

einleitet. Voller Pathos und mit tiefer Überzeugung

spricht Angel Wagenstein vor einer

grossen Menschenmenge den Satz:

«Vom blutbefleckten Platz des himmlischen

Friedens in Peking bis zum Platz des

niedergeschlagenen Prager Frühlings, dem

Wenzelsplatz, von der grossen Chinesischen

Mauer über die alten Mauern des Kremls

bis zur eingestürzten Mauer der Schande in Berlin

bahnt sich ein Befreiungsprozess wie ein Eisbrecher

seinen Weg durch das zugefrorene Meer

des Lügensozialismus und schiebt Generalsekretäre

und Parteimarionettengleichermassen beiseite.»

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Fania Fénelon

 

ALMA, FANIA u.a.

Das Mädchenorchester

in Auschwitz

Fassung / Filmregie

 

 

 

 

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Fania Fénelon über Alma Róse, der Dirigentin

des Mädchenorchesters:

 

Sie wurde verhaftet in Holland, ein paar Stunden

vor ihrem Abflug nach England. Sie war Jüdin.

Sie war für  den Experimentierblock bestimmt,

man sollte an ihr medizinische Experimente

machen. Ein SS-Mann hat sie erkannt, als Geigerin,

sie war eine berühmte Geigerin, und hat sie in den

Musikblock gebracht. Von dem Tag an haben die

Mädchen begonnen, wirklich zu musizieren.

 

Vorher haben sie nur Märsche gespielt, keine

richtige Musik. Die haben angefangen, wirklich

zu musizieren, Grieg, Schubert, Mendelssohn,

Beethoven, Chopin. Aber es war niemand da,

der orchestrieren und Noten schreiben konnte.

Die Mädchen waren meist nicht Musikerinnen.

Das war Zufall, wenn sie im Musikblock waren.

 

So war bei mir ein Mädchen im Block, die

gefragt wurde, ob sie Geige spielen könne.

Sie sagte ja, sie hat gespielt, und man merkte,

daß sie nie Geige gespielt hatte.

Das war ein sehr komisches Orchester,

man hat klassische Musik gespielt mit Mandolinen

und einem Jazz-Schlagzeug. Ich habe gesagt,

ich kann orchestrieren.

 

Frage an Fania Fénelon:

Wissen Sie, warum dieses Orchester

im Lager zusammengestellt worden war?

 

Die Lagerführerin Maria Mandel und der

Lagerkommandant von Birkenau, Josef Kramer,

waren beide verliebt in Musik.

 

Diese beiden wollten ein. eigenes Orchester

haben Wir sollten für sie musizieren, für die SS,

für alle, also auch für die Häftlinge.

Wir hatten 17 Stunden am Tag Probe.

Einmal kam mitternachts eine Läuferin zu den

Mädchen und sagte ihnen: Schnell aufstehen,

die Mandel kommt, sie will „Madame Butterfly“

hören.

 

Aus welchen Ländern kamen die Sängerinnen?

Eine Sängerin war Deutsche, Lotte Lebeda.

Sie war verheiratet mit einem Tschechen,

sie war. In Prag an der Oper; Dann war da

Claire, die Sopran sang, und ich. Nachher kam

noch eine Ungarin, die war auch Sängerin.

 

Manchmal hat auch ein Mädchen von der Kapelle

gesungen,wenn wir zu mehreren singen sollten.

Wir haben manchmal Konzerte im Block gemacht

für drei und vier SS-Leute.

 

Manchmal machten wir Musik in dem Block,

wo Frauen inhaftiert waren. Es war grausam.

Morgens spielten wir im Block, wir wußten,

daß die Frauen nachmittags vergast

wurden. Die Frauen haben das alles gewußt.

Wenn sie sahen, daß das Orchester in ihren

Block kam, wüßten sie, daß sie nachmittags

vergast wurden.

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Schloyme  An  Ski

 

DER DIBBUK

Eine Dramatische

jüdische Legende

 

Fassung / Regie

 

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Nicht im Vergessen, sondern im sich Erinnern

besteht das Geheimnis der Erlösung.
 

In der jüdischen Folklore und dem jüdischen

Volksglauben heißt Dibbuk ein böser Geist,

der in einem lebenden Menschen fährt,

sich an seine Seele klammert …

durch seinen Mund spricht und eine von

ihm getrennte und fremde Person darstellt.
 

Ein Mysterienspiel von der kabbalistische

Vorstellung, daß die Seele eines Verstorbenen,

haftet ihr noch irdische Unvollkommenheit an,

zu Ruhelosigkeit und ewiger Wanderschaft

verurteilt ist und nun im Körper eines Lebenden

als Dibbuk Läuterung und Ruhe sucht.

 

Der Talmudstudent Chanon und

die tugendhafte Lea sind einander durch den

Beschluß der Väter und durch mystische Liebe

verbunden. Doch aufgrund weltlicher Widrigkeiten,

die Hauptrolle spielt Geld, kommt es nie zu einer

Heirat. Chanon verstirbt früh als Unerfüllter

und Unvollkommener, seine Seele irrt umher,

um als Dibbuk in den Körper Leas einzudringen.

Die seitdem Besessene verliert bei einer

Wunderheilung das Leben, doch ihre Seele

vereint sich so endlich mit dem ihr bestimmten

Chanon. Ein Stück, reich an dramatischen

Charakteren, tiefer  Gläubigkeit und 

legendärer Mystik.

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Friedrich  Nietzsche

 

Friedrich Nietzsche

EIN VERSUCH DER ANNÄHERUNG

Buch / Filmregie

 

 

Fahrten zu Nietzsche

Filmszenarium

 

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Der Einsame

Verhaßt ist mir das Folgen und das Führen.
Gehorchen? Nein! Und aber nein - Regieren!
Wer sich nicht schrecklich ist, macht niemand Schrecken:


Und nur wer Schrecken macht, kann andre führen.
Verhaßt ist mirs schon, selber mich zu führen!
Ich liebe es, gleich Wald- und Meerestieren,
mich für ein gutes Weilchen zu verlieren,
in holder Irrnis grüblerisch zu hocken,
von ferne her mich endlich heimzulocken,
mich selber zu mir selber - zu verführen.

 

Der Wanderer und sein Schatten

Nicht mehr zurück? Und nicht hinan?
Auch für die Gemse keine Bahn?
So wart' ich hier und fasse fest,
was Aug' und Hand mich fassen läßt!
Fünf Fuß breit Erde, Morgenroth,
unter unter mir - Welt, Mensch und Tod!

Da horcht es rings
und athmet kaum
kein Vogel singt
da überläuft
es schaudernd, wie
ein Glitzern, das Gebirg.
Da denkt es rings -
und schweigt -

Die Sonne schleicht zum Berg
und steigt und steigt
und ruht bei jedem Schritt.
Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Faden spielt
der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh -
er klagt mir nach.

Es geben Eisgebirg und Tann' und Quell
ihm Antwort auch,
doch sehen wir die Antwort nur.
Denn schneller springt vom Fels herab
der Sturzbach wie zum Gruß
und steht, als weiße Säule zitternd,
sehnsüchtig da.

Und zwischen Eis und todtem Graugestein
bricht plötzlich Leuchten aus -
solch Leuchten sah ich schon:
das deutet mir's –

 

Im deutschen November

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz.
Fliege fort! fliege fort!
Oh Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eis'ger Schauder deine Wange,
Die purpur-Wange deckt?

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch?

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz.
Fliege fort! fliege fort!
"Ich bin nicht schön"
- so spricht die Sternenblume
"Doch Menschen lieb' ich
Und Menschen tröst' ich
sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
nach mir sich bücken
ach! und mich brechen -
in ihrem Auge glänzet dann
Erinnerung auf,
Erinnerung an Schöneres als ich:
- ich seh's, ich seh's - und sterbe so".

Dies ist der Herbst: der bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!

 

 

Lied des Prinzen Vogelfrei

 

Diesen ungewissen Seelen
Bin ich grimmig gram.
All ihr Ehren ist ein Quälen,
All ihr Lob ist Selbstverdruss und Scham.

Dass ich nicht an ihrem Stricke
Ziehe durch die Zeit,
Dafür grüsst mich ihrer Blicke
Giftig-süsser hoffnungsloser Neid.

Möchten sie mir herzhaft fluchen
Und die Nase drehn!
Dieser Augen hülflos Suchen
Soll bei mir auf ewig irre gehn.

 

 

     Narr in Verzweiflung

 

      Ach! Was ich schrieb auf Tisch und Wand

      Mit Narrenherz und Narrenhand,

      Das sollte Tisch und Wand mir zieren?...

 

      Doch ihr  sagt: "Narrenhände schmieren,

      Und Tisch und Wand soll man purgieren,

      Bis auch die letzte Spur verschwand!"

 

      Erlaubt! Ich lege Hand mit an –,

      Ich lernte Schwamm und Besen führen,

      Als Kritiker, als Wassermann.

 

      Doch, wenn die Arbeit abgethan,

      Säh’ gern ich euch, ihr Ueberweisen,

      Mit Weisheit Tisch und Wand besch……

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Simon  Wiesenthal

 

Buch / Filmregie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Auf seiner Suche nach „Gerechtigkeit für

Millionen unschuldig Ermordeter“ wird er

für viele entweder zu einem unbeirrbaren

oder aber unbequemen Zeitzeugen.
In Erfüllung seiner selbst auferlegten Pflicht,

als Überlebender des Holocaust vor dem

Vergessen der Shoa zu warnen, die nicht

mit Massenmord und Gaskammern begonnen

hat, sondern mit der Demontage von Demokratie

und Menschenrechten, hält er Vorträge in aller

Welt. Auch als Autor zahlreicher,in mehrere

Sprachen übersetzter Bücher hinterlässt er

ein Vermächtnis für nachfolgende Generationen.

Während dieser langjährigen Tätigkeit sind

Simon Wiesenthal  und seine Familie immer

wieder antisemitischen Anfeindungen aus-gesetzt,

1963 richtet sich ein Drohanruf gegen das Leben

seiner Tochter. Nach einem Sprengstoffanschlag,

den ein Täter aus der rechtsextremen Szene auf

Wiesenthals Wohnhaus in Wien-Döbling
1982 verübt, werden sowohl sein Privathaus

als auch sein Büro von Sicherheitsleuten bewacht.

Nachdem er bis ins hohe Alter täglich seiner

Lebensaufgabe nachgegangen ist, zieht sich

Simon Wiesenthal nach dem Tod seiner Ehefrau

Cyla im November 2003 immer mehr zurück.

Am 20. September 2005 stirbt er in Wien und

wird in Herzlija/Israel beigesetzt.

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Adam  Mickiewicz

 

AHNENFEIER

Fassung / Regie

 

 

 

 

 

 

 

 

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Adam Mickiewicz

Jedes polnische Schulkind kennt einige Verse aus seinem letzten, großen Nationalepos "Pan Tadeusz" auswendig. Und als der legendäre Regisseur Andrzej Wajda das Werk 1999 verfilmte, zog es Millionen in die Kinos.

Was Goethe für die Deutschen und Shakespeare für die Briten, das ist Adam Mickiewicz für die Polen. Eine kulturelle Ikone, ein geistiger Führer, aber auch ein Mann der Politik, ein Mann der Tat. 1798 nahe der einst litauisch-polnischen Stadt Nowogródek als Sohn eines Advokaten geboren, stand sein literarisches Schaffen zeitlebens im Dienst des Freiheitskampfes. Denn sein Vaterland, die polnisch-litauische Adelsrepublik, war tot, von der Landkarte gelöscht durch die drei Teilungsmächte Russland, Österreich und Preußen. Bereits mit 22 Jahren preist er in der "Ode an die Jugend" Bruderliebe und Freiheit:

Der Weg durch Gewalt und Schwächen mache uns nicht verzagen: Wir werden die Schwächen brechen und lernen, Gewalt durch Gewalt zu zerschlagen!

Wegen Mitgliedschaft in einem studentischen Geheimbund wurde Mickiewicz 1823 in Wilna verhaftet und sechs Monate in einem Kloster festgesetzt. Der Aufenthalt in Litauen wurde ihm verboten, er musste eine Lehrerstelle in Russland antreten. Nach fünf Jahren im Osten zog es ihn zu einer fast zweijährigen Reise nach Westen - von Berlin, über Venedig, Florenz, Neapel schließlich nach Rom, wo ihn Ende 1830 die Nachricht vom Aufstand in Warschau gegen die russische Obrigkeit erreichte. Es zog ihn zurück, aber offensichtlich nur halbherzig. Denn er blieb im preußisch besetzten Polen hängen, ohne die Grenze zum russischen Aufstandsgebiet zu überschreiten. So hat Adam Mickiewicz, der große polnische Nationaldichter, die polnische Hauptstadt Warschau nie gesehen. Er wählte die Existenz eines Emigranten in Paris - allerdings nicht als Fahnenflüchtiger, sondern als Prophet und Bannerträger.

Denn wer in seinem Vaterland bleibt und die Sklaverei duldet, um sein Leben zu bewahren, der verliert das Vaterland. Und wer das Vaterland verlässt, um die Freiheit mit Bloßstellung seines Lebens zu verteidigen, der rettet sein Vaterland und wird auf ewig leben.

Seine wichtigsten Werke entstanden so im Exil: der dritte Teil der Ahnenfeier und die Bücher des polnischen Volkes und der polnischen Pilgerschaft - eine Art Mysterienspiel das eine, eine politische Streitschrift das andere. Hier finden sich jene Darlegungen vom polnischen Messianismus, die maßgeblichen Einfluss auf das polnische Selbstverständnis gewannen.

Gott Vater, der du ausgeführt hast dein Volk aus der Ägyptischen Sklaverei und es zurückgeführt hast in das heilige Land. Führe uns zurück in unser Vaterland. Sohn, Erlöser, welcher du gemartert, gekreuzigt und wieder auferstanden bist und regierst in Herrlichkeit. Erwecke vom Tod unser Vaterland. Mutter Gottes, die unser Vaterland die Königin von Polen und Litauen nennt, erlöse das Polenland und Litauen.

Die Polen, so Mickiewicz, seien ein auserwähltes Volk. Wie einst Gottes Sohn seien nun sie berufen, durch ihr Leiden das abtrünnige Abendland auf den Pfad der Freiheit zurückzuführen und die Menschheit von der Sklaverei zu befreien.

Und GOTT gab den polnischen Königen und Rittern Freiheit, auf dass alle Brüder hießen, die Reichsten wie die Ärmsten. Und es war nie zuvor solche Freiheit. Aber künftig wird es sie geben. Und endlich sprach Polen: Wer auch immer zu mir kommt, der wird frei und gleich sein, denn ich bin die FREIHEIT.

Mit Pan Tadeusz, einem komisch-heroischen Epos über das Land seiner Kindheit, kehrte Mickiewicz 1834 noch einmal zu idyllischen, volkstümlichen Motiven seiner frühen Dichtung zurück. Dann verstummte er. Stattdessen wählte der Dichter die Tat, organisierte 1848 in Italien eine Legion gegen die Habsburger Monarchie, die eine Teilungsmacht Polens, und eilte 1855 nach Konstantinopel, um eine Legion gegen Russland aufzustellen, eine weitere Teilungsmacht Polens. In einem Militärlager erkrankte er jedoch an Cholera und starb am 26. November 1855 in den Armen eines Freundes. Adam Mickiewicz war ein glühender polnischer Patriot, aber auch ein Kosmopolit, dessen Mutter einer jüdischen Familie entstammen soll, und ein überzeugter Europäer, der in seinen schließlich mystischen Vorstellungen von einem in Freiheit vereinten Kontinent träumte.

1890 wurde sein Leichnam von Frankreich nach Krakau überführt und in der Königsgruft auf dem Wawel beigesetzt.

von Helga Hirsch

 

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Jorge  Semprún

 

BLEICHE MUTTER,

ZARTE SCHWESTER

Regie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald kehrt in die Gegend des Ettersbergs bei Weimar zurück und stellt sich den Geistern der Vergangenheit. Deportierte und Totengräber tauchen auf, Goethe und Blum, Corona Schröter als Goethes Iphigenie und Carola Neher. Ein bildgewaltiges Spiel von Tod und Vergänglichkeit beginnt.

 

Während im Nazideutschland Juden und linke Intel­lektuelle interniert und vernichtet werden, erinnern sich deutsche Künstler im sowjetischen Exil an ihre Heimat. An deutsche Empfindsamkeit und Zartheit, Sprache und Poesie, Menschlichkeit und Kultur. Noch einmal spielt Carola Neher die Iphigenie, ehe sie von Stalins Schergen verschleppt wird und in einem sibirischen Lager umkommt. Vor dem geistigen Auge des Überlebenden wird die Geschichte des 20. Jahrhunderts zur Geschichte der als ›Säuberungen‹ titulierten Massenmorde. Der jüngste Totengräber kommt aus Bosnien: Die Kette der Vernichtungslager endet auch heute nicht.

 

Was dennoch bleibt, ist der Menschheits- und Theater­traum von Zartheit, Poesie, Schönheit und Mensch­lichkeit. Der Auftrag an nachkommende Gene­rationen, sich an all dies zu erinnern und es zu bewahren.

Slawomir  Mrozek

 

EMIGRANTEN

Regie / Akteur

 

UNSERE KLEINE
STABILISIERUNG

Regie

 

 

 

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EMIGRANTEN


AA, der Intellektuelle, und XX, der Gastarbeiter, teilen sich einen Kellerraum als Unterkunft und gehen sich nach Kräften auf die Nerven. Zwar sind sie beide Emigranten desselben Landes, doch sind die Verbindungen zwischen dem politischen Flüchtling und dem sich für materiellen Wohlstand abschuftenden bäuerlichen Gastarbeiter nur allzu brüchig. Am Silvesterabend kommt es zum Showdown. Slawomir Mrozek, einer der wichtigsten Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat als Satiriker und Moralist mit seinen grimmigen und virtuos zu spielenden Grotesken der Welt den Spiegel vorgehalten.

Aischylos / Carl Orff

 

PROMETHEUS IM KAUKASUS

Fassung / Regie

 

2014 in Nazran/ Inguschetien

 

 

 

 

 

 

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PROMETHEUS

An den Kaukasus gefesselt.

Erster Monolog

 

O leuchtender Äther und schnellflügelige  Lüfte,

der Flüsse Quellen und der Meereswellen

unzähliges Lächeln, und Allmutter Erde,

und den allsehenden Kreis der Sonne rufe ich an:

Seht her, was ich von Göttern leide, Ein Gott!

 

Blickt an, durch welche Mißhandlungen

zerschunden, eine Zeit von Jahrtausenden

ich mich abkämpfen soll!

Der neue Herrscher der Seligen hat

gegen mich erfunden solche Fessel voll Schmach.

Weh, weh! Über das gegenwärtige und das

kommende Leid stöhne ich; wie soll jemals

mir ein Ende dieser Qualen erscheinen?

 

Jedoch was sag ich? Alles weiß ich ja genau

vorher, das Künftige, und unerwartet wird

kein Leid mir kommen. Aber das verhängte Teil

muß möglichst leicht ertragen, wer erkennt,daß

die Kraft der Notwendigkeit unbestreitbar ist.

 

Doch weder schweigen nocht nicht schweigen

kann ich über diese Umstände: Weil ich

Sterblichen Rechte gab, bin ich in diese

Zwänge eingejocht, ich Dulder!

 

Eingefüllt im Narthexstiel, erjag die

Feuerquelle ich mir verstohlen, die als

Lehrer aller Technik den Sterblichen

erschienen ist und als ein großer

Ausweg/.Derart ist das Vergehen,

für das ich Buße zahle,mit Fesseln

unter freiem Äther festgekeilt.

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Euripides

 

 

DIE TROERINNEN

[Film: CASSANDRA IN BERLIN]

Buch / Regie

 

SYBINS ARCHIV

Drehbuch 2013

 

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Um das Schicksal der Trojanerinnen nach dem

verlorenen Trojanischen Krieg, der ihnen und

ihren Familien Schrecken, Gefangenschaft und

eine ungewisse Zukunft gebracht hat.

 

Euripides (etwa *480 v. Chr. bis °407 v. Chr.)

lässt in dem um 415 v. Chr. erstaufgeführten

Stück eine Reihe prominenter Gestalten der

griechischen Mythologie auftreten. Poseidon

zum Beispiel, Athene, Hekabe, Menelaos,

Helena, Kassandra und andere. Poseidon

und Athene verkünden, dass sie sich

zu gegebener Zeit an den Siegern über

Troja rächen werden.

 

Hekabe, die Gattin des trojanischen Königs Priamos,

wird von den griechischen Besatzern Odysseus

zugewiesen. Kassandra,ihre Tochter, die sich

zukünftig Agamemnon widmen soll, enthüllt

mit ihrer seherischen Gabe den Mord

Klytaimnestras anAgamemnon sowie die Irrfahrten,

mit denen Odysseus sich bald auseinandersetzen

muss. Andromache, der Ehefrau des Trojaners

Hektor, wird der kleine Sohn genommen und getötet.

 

Menelaos tritt auf und verlangt Helena zurück.

Er beabsichtigt, seine Exfrau – die er als

ausgemachte Verursacherin des Krieges sieht –

in Griechenland vor Gericht zu bringen. Nach einer

ergreifenden Wehklage Hekabes, erscheint

Talthybios, seines Zeichens Kurier des Agamemnon,

und erklärt, dass Troja in Schutt und Asche

zu legen ist. „Die Troerinnen“ ergeben sich der

Gewalt der griechischen Bezwinger Trojas...

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Swetlana  Alexijewitsch

 

TSCHERNOBYL

EINE CHRONIK
DER ZUKUNFT

 

Fassung /Regie

 

Zinkjungen

Theaterfassung

 

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TSCHERNOBYL - Eine Chronik der Zukunft

Statt eines Epilogs:

 

"Ein Kiewer Reisebüro bietet Touristenreisen nach

Tschernobyl an...

Die Route beginnt mit der toten Stadt Pripjat:

Die Touristen besichtigen verlassene

mehrstöckige Häuser mit Kinderwagen und

schwarz gewordener Wäsche auf den Balkons.

Das ehemalige Milizrevier, das Krankenhaus

und das Stadtkomitee der KPdSU.

Hier hängen noch die Losungen aus

kommunistischer Zeit - ihnen kann die Strahlung

nichts anhaben...

 

Am Ende der Reise gibt es für die Freunde des

Extremtourismus ein Picknick mit ökologisch reinen

Lebensmitteln und Rotwein...Und russischen Wodka

... Man versichert Ihnen, die Strahlendosis, die Sie

an diesem einen Tag abbekommen, sei geringer

als die bei einer Röntgenuntersuchung.

Allerdings rät man Ihnen, nicht zu baden,

keinen Fisch und kein Wild zu essen.

Keine Beeren und Pilze zu sammeln und am

Feuer zu rösten. Keine Feldblumen für

die Frauen zu pflücken.

 

Sie meinen, das seien wirre Phantasien?

Sie irren, der Atomtourismus ist sehr begehrt,

besonders bei westlichen Touristen.

Die Menschen gieren nach immer neuen starken

Eindrücken. Von denen es auf der Welt immer

weniger gibt, denn sie ist bereits weitgehend

erschlossen und besiedelt.

Das Leben wird langweilig. Aber man möchte

doch etwas Ewiges...

Besuchen sie das atomare Mekka...

Zu gemäßigten Preisen...!"

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Kenzaburo  Oe

 

HIROSHIMA NOTIZEN

Fassung / Regie

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kenzaburo Oe:

 

Ich spiele mit der Idee, die zeitgenössische Geschichte Japans zusammenzufassen und mich dabei auf drei Gruppen zu beziehen: die Toten der Bombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki, die Strahlungsopfer des Bikiniatolls – wobei der eben erwähnte Fischer einer der wenigen Überlebenden ist – und, drittens, die Opfer der gegenwärtigen Explosionen in unseren Atomkraftwerken.

Wenn man die Geschichte Japans im Hinblick auf diese drei katastrophalen Ereignisse betrachtet, wird der Zusammenhang klar. Heute müssen wir feststellen, dass die potenzielle Gefahr der Atomkraftwerke zur traurigen, tatsächlichen Realität geworden ist. Wie auch immer dieses Unglück ausgehen wird, und mit allem Respekt vor all dem menschlichen Leid, hieran gibt es keinen Zweifel: Die Geschichte Japans ist in eine neue Ära eingetreten, und die Blicke unserer Opfer sind auf uns gerichtet. Aus dieser Situation können wir nur die Konsequenzen ziehen, dass sich eine solche Situation nie mehr wiederholen darf…

 
Die Japaner, die ja das atomare Feuer am eigenen Leib erlebt haben, dürfen Atomenergie nicht als eine Quelle industrieller Produktivität verstehen. Wie große Erdbeben oder Tsunamis und andere Naturkatastrophen sollte Hiroshima tief im Gedächtnis der Menschheit verankert bleiben. Unbesonnenheit im Umgang mit Atomkraft ist für mich größter Verrat an den Opfern Hiroshimas…


Die Zwiespältigkeit Japans wird durch die Aktualität bestätigt. Dieses Japan, so zwiespältig in den Werten, die es vertritt, ist im Augenblick völlig blockiert, in einer Sackgasse. Das Gegenteil von Zwiespältigkeit ist Klarheit. Als ich 1994 [in seiner Nobelpreisrede] von einem zwiespältigen Japan gesprochen habe, war mein Land noch in einer Zeit der Gnade, einer Zeit, die stillstand, was ihm dazu verhalf, frei zu seinen Wahlen und Orientierungen stehen zu können. Anders ausgedrückt, es konnte es sich leisten, vage zu bleiben…

Wie meinen Sie das?

Japan stand weder zu seiner Geschichte noch zu seiner Verantwortung in der modernen Welt. Die Japaner glaubten, sich diesen Mangel an politischer Klarheit leisten zu können und zeigten die gleiche Verhaltensweise in der Wirtschaft, indem sie sich für ein Entwicklungsmodell entschieden, von dem sie nicht so genau wussten, wohin es sie führen würde. Die Konsequenz war die Finanzblase am Anfang der 90er Jahre...

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Juri  Trifonow

 

DAS HAUS AN DER MOSKWA

Theaterfassung

 

DAS VERSCHWINDEN

Theaterfassung

 

 

UNGEDULD/NETSCHAJEW

Theaterfassung / Regie

2015 in Nazran Inguschetien

 

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„In diesem Haus habe ich einmal gewohnt. Nein, dieses Haus ist längst gestorben und verschwunden, ich habe in einem anderen gewohnt, aber in diesen gewaltigen dunkelgrauen Betonmauern, die wie eine Festung sind. Das Haus überragte die zweigeschossigen Häuser, kleinen Villen, Kirchen, Glockentürme, alten Fabriken, Uferstraßen mit Granitbrüstung, und an beiden Seiten floss die Moskwa vorbei. Es stand auf einer Insel, war wie ein schwerfälliges, aberwitziges Schiff ohne Masten, Schornsteine und Steuerrad, ein riesiger Kasten, eine mit Menschen vollgestopfte Arche, bereit, davonzuschwimmen. Wohin? Niemand wusste das, niemand hatte eine Ahnung. Den Leuten, die auf der Straße an den Mauern vorbeigingen, in denen Hunderte von winzigen Zitadellenfenstern leuchteten, erschien das Haus unerschütterlich und ewig wie ein Feld: nach dreißig Jahren hat sich das Dunkelgrau der Mauern nicht verändert.“

[Juri Trifonow „Das Haus an der Moskwa"]

 

Siehe auch meine Website über Juri Trifonow, links oben

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Jonathan  Littell

 

 

TSCHETSCHENIEN
JAHR III
Fassung / Regie

 

 

 

 

 

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Jonathan Littell, ein amerikanisch-französischer Schriftsteller,

wurde durch den Roman "Die Wohlgesinnten" in Deutschland

bekannt  Littell war 1996 und 1999 als Mitarbeiter einer Menschenrechtsorganisation in Tschetschnien und

kam im Frühjahr 2009 erneut nach Grosny. 

 

Er schrieb die Reisereportage  "Tschetschnien, Jahr III".

Genauer gesagt,handelt der  schmale Band von Ramsan

Kadyrow, der im Mai 2007 von Wladimir Putin zum

tschetschenischen Präsidenten erhoben  wurde.

Noch genauer: von der Hölle, die Kadyrow aus

Tschetschenien machte. Littell schrieb:„Ich war auf

der Suche nach den positiven Aspekten des

tschetschenischen Regimes. Die russische

Regierung predigt  sie immer wieder“. Während

seiner Arbeit für„Tschetschenien, Jahr III“ wurden

die  tschetschenischen Menschenrechtlerinnen

Natalja Estemirova und SaremaSajdullajewa

sowie ihr Mann ermordet…

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Sofija  prokofjewa

 

 

GESPRÄCHE OHNE ZEUGEN

Fassung / Regie

 

 

 

 

 

 

 

 

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Er - das ist der Wissenschaftler. Sie - das ist

seine geschiedene Frau. Er dringt nach vielen

Jahren immer wieder in ihre Wohnung ein,

er will die Aussprache. Sie ist selbstbewusst

geworden, sie hat eine neue Beziehung.

Er weint, hat allen Sinn im Leben verloren.

Nach ihrem Theaterstück Ein Gespräch

ohne Zeugen schrieb Sofia Prokofjewa

zusammen mit Nikita Michalkow und Ramis

Fatalijew auch das Drehbuch zu diesem

psychologisch differenzierten und sehr gut

besetzten Kammerspiel mit Irina Kupchenko

und Michail Uljanow,das über das Private hinaus

den unheimlichen gesellschaftlichen Rahmen

der Sowjetära skizziert und scharf kritisiert.

Meine Inszenierung entstand 2012/13.

Die Texte Sofija Prokofjewas sind aktuell

wie zu Breschnews Zeiten.

 

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Anatoli  Pristawkin

 

 

Ich bitte um Hinrichtung

Fassung

 

 

 

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Anatoli Pristawkin, der sich seit 1992 für die Begnadigung von Strafgefangenen und die Abschaffung der Todesstrafe eingesetzt hatte, wurde 1931 geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Er hatte eine glückliche Kindheit, aber eine unruhige Jugend. Seine Eltern verlor er im Krieg. 1944 evakuierte man ihn in ein Kinderheim nach Tschetschenien wo er mit Kindern verschiedener Nationalitäten zusammen kam. Er erlebte, wie Tschetschenen auf Befehl Stalins in Waggons nach Sibirien deportiert wurden. Vor dem Bergvolk hatte er seitdem große Achtung. 1945 türmte der kleine Anatoli aus dem Heim und lebte von nun an auf der Straße. „Wir waren Kinder des Krieges“, erinnerte er sich, „wir haben alles verstanden und hatten vor nichts Angst.“ Später schlug er sich als Arbeiter in einer Konservenfabrik und Hilfsarbeiter auf einem Flughafen durch. Seine Erinnerungen an die Zeit im Kaukasus beschrieb er in seinem 1987 erschienen Buch „Schlief ein goldenes Wölkchen.“ Das Buch wurde in 30 Sprachen übersetzt und erreichte eine Gesamtauflage von 4,5 Millionen Exemplaren. Das Buch enthielt Wahrheiten über die Sowjetzeit, über die man früher nicht öffentlich sprach. Waleri Borschjow, der mit Pristawkin in der 1992 gebildeten Begnadigungskommission für Strafgefangene tätig war, erinnerte sich heute, die Erzählung sei wie eine „Explosion“ gewesen: „Es war ein Umdenken des Geschehenen.“ Es sei das Verdienst von Pristawkin gewesen, dass der russische Präsident Boris Jelzin1996 ein Moratorium über die Todesstrafe verhängte. „Man muss Mitleid haben“, erklärte Pristawkin in einem Interview, „weil dir selbst Menschen aus der Patsche geholfen haben.“

Diese Haltung erklärte der Schriftsteller mit der Schlüssel-Szene seines Lebens, die sich in Kriegszeiten vor einem Speisesaal in Tscheljabinsk ereignet hatte. Dort stand eine riesige Ansammlung von hungrigen Flüchtlingen, die auf Bitten des Erziehers die ebenso hungrigen Kinder beim Essen vorließen.

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Jurij  Dombrowskij

 

Der Hüter der Altertümer

Die Fakultät der unnützen Dinge

 

Drehbuch / Regie

 

Der Filmtitel: SYBINS ARCHIV

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Im Mai 1978 überfielen auf Moskaus Straßen

gedungene Schläger den Schriftsteller

Jurij Dombrowskij und prügelten ihn so

unbarmherzig, daß er an den erlittenen

Verletzungen starb. Der Grund: Dombrowskij

hatte den stalinistischen Terror zum literarischen

Gegenstand gemacht, und obendrein hatte er

gerade den einschlägigen Roman "Die Fakultät

der unnützen Dinge" im Pariser Emigrantenverlag

YMCA-Press erscheinen lassen. Für ähnliche

Provokationen war vier Jahre zuvor Solschenizyn

aus dem Land getrieben worden, doch hatte

der Sowjetstaat lernen müssen, daß ihm solche

Aktionen wenig Gewinn brachten.

Der Rausschmiß erregte weltweites Aufsehen,

das dem schreibenden Staatsfeind zugute kam,

dem sowjetischen Image aber nur häßliche

Flecken verschaffte. Also wurde der Fall

Dombrowskij intern erledigt, sozusagen

innerhalb der "Sowjetfamilie".

 

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Irena brezna

 

 

Die undankbare Fremde

 

Textfassung / Regie

 

 

 

 

 

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Meine Geschichte [aus Tschetschenien] spielt in einer Landschaft, in der riesige Geier und Ratten mit ihren metallenen Zähnen die hohen Häuser bis auf die Knochen abgenagt haben. Übriggeblieben sind Gerippe, von denen Steinfetzen, gespickt mit Drähten, herabhängen. Sie ragen auf einer Ebene empor, die einmal das Zentrum von Grosny war. Als ich hinkam, sang dort der letzte Vogel, schlich die letzte Katze mit abgehacktem Schwanz umher. schmiegte sich an ein neunjähriges Mädchen. Das Mädchen hatte inmitten des Schuttes ein paar Quadratmeter leergefegt und mit rostigem Metall einen niedrigen Zaun wie einen Garten oder eine Kinderstube um sich herum gebaut und sass darin unbeweglich mit überkreuzten Beinen, das Kinn mit der Hand gestützt wie der Denker von Rodin. Sie trug zu den Hosen eine taillierte und zerknitterte Bluse mit kurzen Puffärmeln und im Haar eine rote Schleife. Vor einem kleinen Feuer hockte ihre versteinerte Mutter, ihr Gesicht war ein abgebrochenes Stück Beton, und sie kochte ein sich verdickendes Gebräu. Das Mädchen aus Grosny war noch nicht ganz versteinert, sie stand auf, machte einen ausgelassenen Schritt und stockte. Das Brett, das sich als Tür ins Verlies der Höhlenmenschen erwies, schob sich zur Seite, der Vater des Mädchens trat heraus. Möglicherweise war das nicht der Krieg, der die Schritte des Mädchens zurückhielt. Möglicherweise war es nicht eine Soldatenmachete gewesen, die der Katze den Schwanz abgeschnitten hatte, sondern eine Ratte. Aber möglicherweise hatte sich diese Ratte mit dem Menschenfleisch des Krieges gestärkt.

Und möglicherweise ist der Vater dieses Mädchens

auch der Krieg…

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NikolaIj  Gogol

 

 

Die Hochzeit

 

Leitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gogol war hässlich. Zeichnungen und Gemälde,

die wir noch heute kennen, sind wohlmeinende Interpretationen seines Äußeren, wie die,

die ihn kannten, wussten. Zeugnisse von

Zeitgenossen sind nicht selten Dokumente

des Hohns, der Bestürzung über sein Äußeres.

Ein Schulkamerad erinnerte sich an einen

»schwächlichen, äußerst hässlichen Jungen«,

der ständig rotzte und dem häufig die Augen

tränten. Als Gogol Jahre später in einem

Petersburger Theater vorsprach, wurde notiert:

»Ein junger Mann von sehr wenig anziehendem

Äußeren […]. Bestenfalls als Statist zu brauchen.

« Gogol sollte zeitweilig als Hauslehrer arbeiten,

da haben pubertierende Jungs ihr Lachen

unterdrücken müssen, als sie ihn sahen. Gogol,

erinnerte sich einer seiner Schüler, »hatte einen

kleinen Wuchs, eine dünne, verkrümmte Nase,

krumme Beine, ein putziges Haarbüschel auf

dem auch sonst nicht gerade elegant

frisierten Kopf, eine stoßweise Art zu

sprechen, ständig unterbrochen von einem

näselnden Laut und einem Zucken des Gesichts«.

Andere Zeugnisse erwähnen einen irgendwie

schiefen, hüpfenden Gang. Und immer ist es

die Nase, diese übergroße Nase, die Aufsehen

erregte und die in späteren, schriftstellerisch

erfolgreichen Jahren leichte Beute

für Karikaturisten war.

 

Schon sein Name reizte zum Spott. Gogol,

auf der ersten Silbe zu betonen, ukrainischer

Herkunft, heißt ein Wasservogel:die Schellente.

»Wie eine Schellente daherkommen« meint

im Russischen so viel wie sich geckenhaft

kleiden und benehmen. Von einer Frau, die

Gogol ernsthaft begehrt hätte, ist nichts

bekannt. Die, mit denen er befreundet war,

begriffen seine entrückte Bigotterie, seine Selbstgeißelungsfantasien, zu denen er

zeitweise heftig neigte, als Krankheit,

als Vorarbeit zum Selbstmord, den er

schließlich 42-jährig durch Nahrungs-

verweigerung vollzog, sich dabei gern und

heftig bekreuzigend. Ärzte hatten ihm

zuvor allerlei Albernes verordnet und auch

handgreiflich durchgesetzt: heiße Bäder,

kaltes Abduschen, Blutegel, so wurde

behauptet, die man ihm, der sich nur noch

schwach wehrte, aus irgendeinem Grund

in die Nase setzte. Die Geschichte

der Heilkunst kennt ihre Irrtümer.

 

Gogols Briefe sind niederschmetternd.

Diese Grillen: dass seine Literatur moralisch

sein müsse und religiös, dass sie dem Ideal

des schönen Menschen entsprechen solle.

Sein schließlich zum Wahn gesteigertes

Schuldbewusstsein: »Streng wird der

Schriftsteller zur Rechenschaft gezogen

werden, wenn von seinen Werken nicht

irgendein Nutzen für die Seele ausgeht

und er den Menschen nichts zur Belehrung

hinterlässt.« Er müsse sich bestrafen für

sein monströses Werk, er spende sein Geld

von nun an armen Studenten, und in seiner

Literatur werde er nur noch »trostreiche

Erscheinungen« mit »tugendhaften Helden«

behandeln. Das schrieb er seinen Freunden,

die seine Gemütsverfassung für

bedenklich hielten.

 

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Jean-Paul  Sartre

 

Die Fliegen

 

Leitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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„Mit dem gewagten Résistance-Drama proklamierte

Sartre -unbegriffen von der deutschen Zensur - den

Widerstand gegen die Besatzungsmacht und das

Vichy-Regime. In einem späteren Vorwort betont

der Autor, daß er der nach der militärischen

Niederlage verbreiteten nationalen »Selbstverleugnung« 

entgegenwirken und den Franzosen ihre Erniedrigung

bewußt machen wollte.

 

Der in Les mouches entwickelte Freiheitsbegriff

steht in engem Zusammenhang mit der

Existenzphilosophie Sartres, wie sie etwa

gleichzeitig in dem philosophischen Hauptwerk

L´être et le néant entworfen wird.

 

[Des Königs und Jupiters] […] Macht basiert darauf,

daß die Menschen nicht wissen, daß sie

eigentlich frei sind.“ [Richard Mellein]

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Der Club der toten Dichter

Pallas Athena

Die Fotos von Perikles, Edgar Allan Poe,

Andrej Donatowitsch Sinjawski,

Jacques de Kerouac, Joe Orton, Friedrich Hölderlin,

Jorge Semprun, Juri Valentinowitsch Trifonow,

Michail Afanasjewitsch Bulgakow,

Lew Nikolajewitsch Tolstoi,

Marek Hlasko, Rainer Werner Fassbinder

und Juri Ossipowitsch Dombrowski,

sowie die Fotos der Slawistin und berühmten Übersetzerin

der Werke Fjodor Dostojewskis,

Swetlana Geier

und ...Marilyn Monroes,

sowie Pier Paolo Pasolinis Foto

hängen als

CLUB DER TOTEN DICHTER

in meiner Wohnung.

 

In unseren Club

wurden auch

 

SAUL BELLOW,

FRIEDRICH NIETZSCHE,

JOHANNES R. BECHER

HALLDOR LAXNESS

VICTOR SERGE

CHRISTOPHER MARLOWE

STEFAN ZWEIG

ANTON WALBROOK

WENEDIKT JEROFEJEW

GAITO GASDANOW

KLAUS SCHLESINGER

HANS PAASCHE

 

eingeladen.

 

Lassen Sie sich von ihnen anregen!