22. / 23. September 2018

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August Wilhelm Iffland

 

204. Todestag

 

 

 

Gaito Gasdanow

 

 

NÄCHTLICHE

 

WEGE

 

Roman

 

Hanser Verlag - 2018

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Paris bei Nacht – das schönste Buch

von Gaito Gasdanow, dem Autor von

"Das Phantom des Alexander Wolf"

Tagsüber studiert er, nachts arbeitet der Erzähler als Taxichauffeur. Er verkehrt mit Dieben und Zuhältern, Selbstmördern und Clochards, Verrückten und Alkoholikern.

Drei Halbweltdamen haben ihn zu ihrem Vertrauten gemacht: Raldy, die ehemalige Luxusprostituierte, Alice, ihre untreue Schülerin, und Suzanne mit dem Goldzahn. Sie hat den Sprung ins bürgerliche Leben geschafft und hätte mit Fedortschenko

fast ihr Glück gefunden. Gasdanow, der

im Exil sein Geld als Taxifahrer verdiente, erzählt vom Leben der Emigranten im Paris der dreißiger Jahre, zwischen brennender Nostalgie und einer heillosen Gegenwart. "Nächtliche Wege" ist ein Meisterwerk der literarischen Moderne.

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„Wer im Exil lebt, für den gibt es kein Happy

End. Gaito Gasdanows fabelhaft deprimieren-

der Roman über die Russen, die vor den Bolschewiki nach Paris flohen…“

 

„…Der russische Schriftsteller Gaito Gasda-

now lebte im Pariser Exil der Zwischenkriegs-

zeit vom Taxifahren, wie es Generationen von politischen Flüchtlingen nach ihm getan haben oder noch heute tun. Der intellektuelle Taxifah-rer mit Migrationshintergrund, seinen einge-borenen Fahrgästen meist geistig weit über-legen, ist nachgerade zu einem Klischeetypus geworden. Gasdanow war aber dabei, als der Typus entstand, er hat ihn unfreiwillig mitbe-gründet – er und all die anderen Russen, die

vor den Bolschewiki nach Westeuropa geflo-

hen waren und die historische Avantgarde des akademischen Proletariats bildeten, das heute aus Afrika, dem Iran und sonst woher stammt und in Deutschland auf genauso wenig Mitge-fühl stößt wie im Paris der 1920er-Jahre.

Gasdanow fuhr vorzusgweise nachts, wäh-

rend er tagsüber die Romane zu schreiben begann, die derzeit bei uns mit großem Erfolg wiederentdeckt werden. Sie sind in unter-schiedlichem Maße autobiografisch, zum Teil recht weitgehend (Ein Abend bei Claire, neu übersetzt 2014), aber wahrscheinlich niemals

so nah am wirklichen Schicksal des Autors

wie das Buch, das jetzt erschienen ist und den Titel Nächtliche Wege trägt. Es sind die Wege, die Gasdanow als Taxifahrer zurücklegt, vor Beginn der Schicht, während der Schicht und nach der Schicht. Da sein Leben darüber hinaus wenig enthielt, mit Ausnahme vielleicht der scheiternden Liebe zu besagter Claire, handelt es sich um eine nahezu erschöpfende Lebensbeichte."

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"Der Erzähler hat viel zu beichten und zu bereuen, obwohl er sich vordergründig aus-schließlich mit dem beschäftigt, was andere seiner Meinung nach zu beichten und zu be-reuen hätten – all die anderen in Paris gestran-deten Russen der weißen Emigration, all die anderen Gestrauchelten und Verlierer auch

der französischen Gesellschaft, die Nutten, Zuhälter, Trinker, Obdachlosen, in Sonderheit

die Spinner und Verrückten, von denen es ja heute noch in Paris wimmelt, als sei die Stadt eine soziale Zentrifuge, allein zu dem Zweck konstruiert, die geistig Umnachteten heraus-zusieben und an die sichtbare

Oberfläche zu treiben."

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"Gasdanow ist ein Dichter der Verrückten von Paris, ähnlich wie das vor ihm Huysmans gewesen ist und nach ihm Houellebecq. Vordergründig ist es ein Buch des Ekels, der Verachtung und des Abscheus für die Ge-scheiterten und ihre traurigen Illusionen, keine drei Wörter kommen öfter vor als Verachtung, Abscheu und Ekel. Sonderbarerweise haben aber diese Menschen, die er von sich stößt

und oft rücksichtslos beschimpft, das aller-

größte Vertrauen zu ihm. Sie laufen ihm nach, sie schütten ihm das Herz aus, sie erhoffen ausgerechnet von ihm Hilfe in allen Lebens-lagen. Überflüssig zu sagen, dass er ihnen

nicht hilft, noch helfen kann, es schaudert

ihn geradezu vor der Berührung der Schutz-flehenden, aber – eines tut er doch für sie:

Er hört ihnen zu…“

 

Jens Jessen

DIE ZEIT

25. Juli 2018

 

Gaito Gasdanow

 

*06. Dezember 1903

 

+05. Dezember 1971

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„Gaito Gasdanow, 1903 in St. Petersburg geboren und 1971 in München gestorben,

gilt als einer der wichtigsten russischen Exilautoren des frühen 20. Jahrhunderts.

Seit 1923 lebte er im Exil in Paris…“

 

„…Mit knapp 16 Jahren trat er 1919 im Russischen Bürgerkrieg einem Verband

der Weißen Armee bei. Als einfacher Soldat tat er Dienst auf einem Panzerzug. Nach der Niederlage der Weißen gehörte er zu den Truppenteilen, die von der Halbinsel Krim

in die Türkei übersetzten und zunächst unweit von Istanbul interniert wurden. Von dort konnte er nach Bulgarien übersiedeln.

In einem eigens für russische Flüchtlinge eingerichteten Gymnasium in der ostbul-garischen Stadt Schumen legte er die Reifeprüfung ab..."

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1923 gelangte er im Strom der russischen Emigranten nach Paris. Dort arbeitete er

zunächst als Lastenträger und Lokomo-tivenwäscher, dann als Mechaniker bei Citroën, schließlich viele Jahre als Fahrer eines Nachttaxis. Außerdem hörte er an

der Sorbonne Vorlesungen in Literaturge-schichte, Soziologie und Wirtschafts-wissenschaften.

 

Ab Ende der zwanziger Jahre publizierte er regelmäßig in Zeitungen und Zeitschriften

der russischen Emigration. Seine Prosa-

texte bekamen teilweise sehr positive Kriti-ken, u. a. lobte ihn der Nobelpreisträger

Iwan Bunin, doch waren die Honorare sehr gering. Angesichts seiner großen materiel-

len Not, aber auch wegen der Nachrichten von einer schweren Erkrankung seiner in

der Heimat zurückgebliebenen Mutter bemühte er sich Mitte der dreißiger Jahre

um die Rückkehr in die Sowjetunion. Er schrieb deshalb sogar einen Bittbrief an

den Vorsitzenden des sowjetischen Schriftstellerverbandes Maxim Gorki,

erhielt jedoch keine Antwort….“

WIKIPEDIA

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„…Erzähltechnisch gesehen, besteht das Buch aus drei Schichten: Die erste bildet die emp-findsame Schilderung seines Ekels – doch,

es gibt eine Empfindsamkeit des Ekels, eine hoch subtile Witterung für das Widerwärtige,

wie sie auch bei Huysmans und Houellebecq

zu beobachten ist. Die zweite Schicht bilden

die hässlichen Worte der Zurückweisung, die

der Erzähler für die Hilfesuchenden findet – wirklich brutale, schockierend herzlose Worte. Die dritte Schicht aber besteht in dem, was die Zurückgewiesenen gleichwohl bei ihm vermu-

ten – Weichherzigkeit und überströmendes, wenngleich hilfloses Mitleid. Der literarische

und höchst irritierende Reiz des Buches rührt daher, dass diese Schichten – sie sind als Sprachebenen ebenso voneinander getrennt

wie als Facetten des Charakters – an keiner Stelle miteinander vermittelt werden. Es bleibt dem Leser überlassen, sie zu verrechnen und durch Subtraktion und Addition eine Art Summe zu bilden, die am Ende wohl auf Selbsthass lautet, auf Ekel vor der eigenen Hilflosigkeit,

auf Abscheu für die Gesten der Überlegenheit, mit denen er seine Hilflosigkeit zu camouflieren sucht, auf Verachtung für die Ähnlichkeit sei-

nes Schicksals mit dem Schicksal

all der anderen."

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"Dieser neunmalkluge dichtende Taxifahrer, der nicht müde wird, sich über die kläglichen Illu-sionen seiner russischen Exilgenossen zu mo-kieren, hat sich am Ende die kläglichste aller Illusionen einzugestehen und zu beichten: die Illusion der eigenen Besonderheit und Über-legenheit. Denn dieses fabelhaft deprimieren-

de und gründlich niederziehende Buch entzieht noch einer anderen Illusion den Halt: dass sich dem Leben immer, über alle Schicksalsschläge hinweg, ein sinnvolles Muster aufprägen ließe. Weit gefehlt! Das Exil jedenfalls ist kein Schicksalsschlag, von dem sich das Leben langsam wieder erholt…“

 

Jens Jessen

DIE ZEIT
25. Juli 2018

 

Hallo Interessierte,

 

seit mehr als zweieinhalb

 

Jahren forsche ich  in Archiven

 

und Bibliotheken für ein

 

schwieriges Buchprojekt.

 

Die Textarbeit ist ein

 

kompliziertes Puzzle aus

 

Dokumenten, Erinnerungen

 

und Interviews nach 48 Jahren

 

Theater - Film - und Medienarbeit.

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Vom Fortgang  werden

 

Sie hier mehr erfahren.

 

 

Peter Krüger

 

Biografisches

 

THEATERARBEIT AUS DER

 

ERINNERUNG

 

 

BERLIN

 

Invalidenfriedhof 1990

 

im Bereich der Mauer

 

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Zum zweiten Male, nach 1985

 

auf der Wilhelmsburg im

 

thüringischen Schmalkalden,

 

näherten wir uns im Sommer

 

1990  auf dem geschundenen

 

Berliner  Invalidenfriedhof

 

in der Scharnhorststrasse

 

den Hyperion - Texten

 

von Friedrich Hölderlin.

 

Über die Gräberfelder

 

war das barbarische

 

DDR - Grenzregime

 

gebaut worden.

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"Barbaren von Alters her, durch Fleiss

und Wissenschaft und selbst durch

Religion barbarischer geworden,

…das  waren meine Tröster."

 

"Es ist ein hartes Wort und dennoch sag’

ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein

Volk mir denken, das zerrissner wäre, wie

die Deutschen. Handwerker siehst du,

aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinander liegen, indessen das vergossne Lebensblut im Sande zerrinnt?…"

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"...Es ist auf Erden alles unvollkommen,

ist das alte Lied der Deutschen. Wenn

doch einmal diesen Gottverlaßnen einer

sagte, daß bei ihnen nur so unvollkom -

men alles ist, weil sie nichts Reines unverdorben, nichts Heiliges unbetastet

lassen mit den plumpen Händen, daß bei

ihnen nichts gedeiht, weil sie die Wurzel

des Gedeihns, die göttliche Natur nicht

achten, daß bei ihnen eigentlich das

Leben schal und sorgenschwer und

übervoll von kalter stummer Zwietracht

ist, weil sie den Genius verschmähn, der

Kraft und Adel in ein menschlich Tun,

und Heiterkeit ins Leiden und Lieb und Brüderschaft den Städten und den

Häusern bringt..."

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"Und darum fürchten sie auch den Tod so

sehr, und leiden, um des Austernlebens

willen, alle Schmach, weil Höhers sie

nicht kennen, als ihr Machwerk, das

sie sich gestoppelt..."

 

Friedrich Hölderlin

 

HYPERION

 

Cornelia Heyse - DIOTIMA

Mathis Schrader - HYPERION
Axel Poike  - HYPERION II

Peter Krüger - REGIE

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Wir spielten im August 1990

acht Vorstellungen auf dem

Invalidenfriedhof und

drehten einen Film:

 

HYPERION - FRAGMENTE

 

„Wie ein heulender Nordwind, fährt

die Gegenwart über die Blüthen unsers Geistes und versengt sie im Entstehen ... Ach! und die Seele kann immer so voll Sehnens seyn, bei dem, dass sie so

muthlos ist! .. Ich hatte in meinem Her-

zen ein Grab, damit es ruhen möge; ich

spinne mich ein, weil es überall Winter

ist... ja! eine Sonne ist der Mensch,

allsehend, allverklärend, wenn er liebt,

und liebt er nicht, so ist er eine

dunkle Wohnung, wo ein rauchend

Lämpchen brennt...."

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Tröste mich nicht, denn hier ist

nichts zu trösten...

 

Ich bin einsam, einsam, und mein

Leben geht, wie eine Sanduhr, aus...

Aber deine Worte sind, wie Schneefloken, unnüz, und machen die Luft nur trüber...

Ach, wo ich stand, von deinen Augen umlauscht...“

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 „Es ist besser, sagt’ ich mir, zur Biene

zu werden und sein Haus zu bauen in Unschuld, als zu herrschen mit den Her -

ren der Welt, und wie mit Wölfen, zu

heulen mit ihnen, als Völker zu meistern,

und an dem unreinen Stoffe sich die

Hände zu beflecken ... Ich war bekehrt,

ich wollte niemanden mehr bekehren...“

 

Friedrich Hölderlin

HYPERION

 

 

ZEITSPRUNG 2012

 

Deutsche Tage

 

in Inguschetien

 

Tage mit Bertolt Brecht

 

10. bis 17.  September 2012

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Die Ausstellungseröffnung war in

 

Karabulak mit dem Brechtabend

 

AN DIE NACHGEBORENEN

 

unter meiner Leitung

 

gespielt von Akteuren des

 

Dramatischen Theaters

 

in Inguschetien.

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Bertolt Brecht

Lob der Dialektik

Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut /
Jetzt beginne ich erst.

Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:

Was wir wollen, geht niemals.
Wer noch lebt, sage nicht - niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben
Werden die Beherrschten sprechen.

Wer wagt zu sagen: niemals?

An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird? Ebenfalls an uns.
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen /

Und aus Niemals wird: Heute noch!

 

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ZEITSPRUNG  2018

 

19. September 2018

 

Bibliothek der Universität in Magas,

Hauptstadt der Republik Inguschetien.

Eröffnung der Ausstellung

 

Bertolt Brecht

 

An die Nachgeborenen

 

Poster, Programmhefte, Bücher, Fotos

über die Arbeit des Berliner Ensembles

1949 – 1990.

 

Die Schau basiert auf Karl-Heinz Dreschers Tätigkeit.Er war 37 Jahre Grafiker und

Chef der Werbung für das

Berliner Ensemble.

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AN DIE NACHGEBORENEN

 

„…In die Städte kam ich zu der Zeit der Unordnung
Als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs
Und ich empörte mich mit ihnen.

So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legt ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit
Die Sprache verriet mich dem Schlächter
Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.


       Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

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Auf dem Foto unten im Foyer

 

der Universität von Magas.

 

Eröffnungstag der Ausstellung.

 

Poster, Programmhefte,

 

Bücher, Fotos u.v.a.

 

über die Biografie des

 

deutschen Dichters

 

BERTOLT BRECHT.

 

Aischylos / Goethe

 

Prometheus

 

im Kaukasus

 

2014 in Nazran / Inguschetien

 

 

Prometheus im Kaukasus

 

Murat Sampiev in der Titelrolle

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Aus Prometheus erstem Monolog

nachdem er an einen Berg

im Kaukasus gefesselt wurde:

 

…Seht her auf mich, wie in Schmach, wie in Qual,

Wie erniedriget ich Jahrtausende hier

Abhärmen mich soll. Und das hat mir

Der Unsterblichen neuer Gebieter erdacht,

Mir Ketten und Schmach.

Weh! weh! Um das Jetzt, um der Zukunft Qual

Wehklag ich umsonst! Wann wird jemals

Mir der Mühsal Ende sich zeigen!...

 

…Weil den Menschen ich

Heil brachte, darum trag ich qualvoll dieses Joch.

Im Ferulstabe glimmend, stahl ich ja des Lichts

Verstohlnen Urquell, der ein Lehrer aller Kunst

Den Menschen wurde, alles Lebens großer Hort.

Und diese Strafen büß ich jetzt für meine Schuld,

In Ketten angeschmiedet hoch in freier Luft!...

 

Textfassung und Regie: Peter Krüger

 

Mein Buch hat unter

 

vielem anderen auch

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die Theater - und Filmarbeiten

 

in Inguschetien und

 

Tschetschenien zum Inhalt.

 

 

2012 - Im Gespräch

 

mit dem inguschetischen

 

Präsidenten Junus-bek Evkurov

 

 

PROMETHEUS IM KAUKASUS

 

Im neu renovierten

 

Kulturhaus von Nazran

 

war am 27. März 2014,

 

dem Welttag des Theaters,

 

unsere Premiere.

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Der Tanz der Vögel

 

vor dem Auftritt

 

des Gottes Okeanos

 

mit dem gefangenen

 

PROMETHEUS.

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In der Choreografie

 

RUSLAN GADABORCHEVS war

 

das Nationale Tanzensemble 

 

Inguschetiens unser

 

Arbeitspartner für die

 

schwierigen Tänze nach

 

der Musik von Carl Orff.

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Mehr erfahren Sie auf den Seiten:

 

KAUKASUSARCHIVE 1 bis 3

 

links oben

 

Über meine

 

Theaterfahrten

 

2004 - 2017

 

unter anderem

 

nach Nazran, Grozny,

 

Wladikawkas

 

Belarus und Moskau

 

berichte ich ausführlich.

 

 

Peter Krüger

 

UNTERWEGS

 

(Fotoreihe von oben)

 

2004 -  April/Mai in Nazran/Inguschetien

 

Proben und Premiere  meiner Inszenierung

 

von Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder"

 

im   National -Theater "I.Basorkin".

 

 

2014 - Grozny / Tschetschenien:

 

Während meines Besuches

 

im wiederaufgebauten

 

Dramatischen Theater traf ich u.v.a.

 

meinen alten Freund,

 

den Chefregisseur

 

Ruslan Chakichev.

 

1998, 2000 und 2002 leitete er

 

seine Inszenierungen in den

 

von mir organisierten Gastspielen

 

des tschetschenischen Dramatischen

 

Theaters in Deutschland.

 

 

2014 - Mit Lolita Gagieva

 

vor dem Bulgakow-Haus

 

im nordossetischen Wladikawkas.

 

 

2015 - Theaterfestival in Brest / Belarus

 

Auf der Festung in Brest.

 

Vor dem Monument der heldenhaften

 

Verteidigung Brests im Sommer 1941

 

 

2016 - Fomenko -Theater in Moskau

 

Szene aus Bertolt Brechts

 

MUTTER COURAGE

 

UND IHRE KINDER

 

Ambarzum Kabanjan - Feldkoch

Rosa Schmukler - Yvette

 

2017 - Probenarbeit für Michail Bulgakows

 

HUNDEHERZ

 

in Nazran / Inguschetien.

 

Mit Akteuren des inguschetischen

 

Dramatischen Theaters

 

Wir erarbeiteten eine TV-Fassung

 

Auf dem Foto von links:

 

Wacha Chadziev,

Rimma Kurskieva,

Zareta Gandaloeva,

Zulfija Kukurchoeva,

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2017 - November: Jacqueline Jacob

 

und ich lasen in Berlin-Moabit

 

aus meiner Theaterfassung

 

nach Michail Bulgakows Roman

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

 

2018 - 23. Februar erneut in Moabit mit

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

(Letztes Foto)

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2018 - 9. April  BUCHBASAR EINS

 

in Berlin - Moabit.

 

AUS DER WELT BERTOLT BRECHTS

 

Mutter Courage und ihre Kinder

 

Lesung und Film

 

Jacqueline Jacob und ich waren

 

wieder unterwegs.

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Mehr erfahren Sie auf den Seiten

 

KAUKASUSARCHIV 1 bis 3

 

links oben

 

MEMORIAL IN NAZRAN

 

Über die Deportation

 

des inguschetischen und

 

tschetschenischen Volkes

 

im Februar 1944

 

unter der Herrschaft  Stalins.

 

Am 23. Februar 2014, 70 Jahre nach der Deportation,

 

stellten wir in Nazran eine Lesung von Dokumenten

 

und Interviews mit inguschetischen Überlebenden

 

vor. Die Textauswahl und Darstellung war von mir.

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Jewgeni Jewtuschenko

 

STALINS ERBEN

 

(Erschienen 1962 in der PRAWDA)

 

„… Und Stalin/ erteilt wieder irgend jemandem seine Befehle./ wohin führt

die Leitung/ aus jenem Grab noch?/ Nein, Stalin ist nicht gestorben./ Den Tod hält er

für korrigierbar./ Wir haben ihn aus dem Mausoleum entfernt,/ Manche seiner Erben beschneiden nach ihrem Rücktritt Rosen,/ aber insgeheim glauben sie,/ daß der Abschied nur vorübergehend ist./ Manche beschimpfen Stalin sogar von der Tribüne herab,/ aber sie selbst trauern nachts den alten Zeiten nach./ Kein Zufall, daß die Er-

ben Stalins heute Herzinfarkte erleiden./ Ihnen, den Stützen von damals,/ gefallen

die Zeiten nicht,/ in denen die Lager leer sind,/ und statt dessen die Säle, wo man Gedichte hört,/ überfüllt sind./ Meine Hei-

mat hat mir befohlen, mich nicht ruhig-zustellen./ Möge man mir auch sagen,/ „Beruhige Dich!“,/ruhig kann ich nicht

sein./ Solange Stalins Erben/ noch auf

der Erde sind,/ scheint es mir,/ als sei

Stalin noch im Mausoleum geblieben.

 

Jewgeni Jewtuschenko

STICHOTVORENIJA, Moskau 2006.

Deutch von Jörg Baberowski

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Seit 1997 arbeite ich in den kleinen

 

nordkaukasischen Ländern u.v.a.für das

 

Dramatische Theater in Inguschetien

 

Solidarität für zwei Kollegen

 

 

Internationale Solidarität

 

für den russischen Regisseur

 

KIRILL SEREBRENNIKOW

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Sein Hausarrest wurde

 

erneut bis zum

 

19. Oktober 2018

 

verlängert.

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Deutsche Welle

 

16. August 2018

 

Knapp ein Jahr nach der Festnahme des russischen Starregisseurs hat ein Mos-

kauer Gericht seinen Hausarrest abermals verlängert. Kirill Serebrennikow erklärte,

den Ermittlern seien die Gesetze egal.

 

Der 48-Jährige dürfe seine Woh-nung im Stadtzentrum einen weiteren Monat nicht ohne Genehmigung verlas-

sen, urteilte das Moskauer Gericht.

Dem Leiter des renommierten Moskauer Gogol-Theaters wird vorgeworfen, staat-

liche Fördergelder in Höhe von 133 Millio-

nen Rubel (rund zwei Millionen Euro) veruntreut zu haben. Im August 2017 wur-

de er deshalb festgenommen und steht seither unter Hausarrest.

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"Lasst euch nicht einschüchtern"

 

Serebrennikow bestreitet seine Schuld.

Am Donnerstag sagte er, die andauernden Ermittlungen hätten nichts ergeben, was seine einjährige Isolation von der Ge-sellschaft rechtfertige. In der Erklärung,

die er verlas, hieß es zudem: "Mir wird ständig gesagt: 'Halte durch!' Ich bin unendlich dankbar dafür, dass man von meiner Anständigkeit und Unschuld überzeugt ist. Aber ich möchte sagen:

 

'Liebe Freunde, haltet auch ihr durch.' Ich

bin bereits in der Mühle, aber ich bin ein freier Mann, und ich werde alles tun, um

zu verhindern, dass diese Mühlsteine

mich zermahlen. Es ist auch wichtig,

dass ihr euch nicht einschüchtern lasst,

dass ihr nicht in der Kunst und im Leben

den Mut verliert."

 

Die Anklage argumentiert, es sei notwen-

dig, den Hausarrest für Serebrennikow zu verlängern, weil er sich den Ermittlungen entziehen und Zeugen unter Druck setzen könnte. Das kommentierte der Regis-

seur mit den Worten: 

 

"Die Ermittler haben keine Beweise dafür, dass ich mich verstecken wollte. Aber den Ermittlern sind die Gesetze egal. Ich habe bereits viele Mal vor Gericht ausgesagt und erklärt, womit ich mich befasst habe und welcheVeranstaltungen wir durchgeführt haben. Es ist immer einfach, die Wahrheit

zu sagen."

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Argumentation mit

gefälschten Dokumenten?

 

Serebrennikows Rechtsanwälte verwiesen darauf, dass das Vernehmungsprotokoll

der Zeugin Larissa Wojkina gefälscht sei. Wojkina war bei der Produktionsfirma "Siebtes Studio" für Personal - und Buch-haltung zuständig. Das Protokoll ver-

wenden die Ermittler immer wieder, um Serebrennikows Hausarrest

zu verlängern.

 

Die Forderung nach Freilassung des bekannten Regisseurs gegen Kaution

lehnte das Gericht ebenfalls ab.

bb/suc (dpa, INA)

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MUSIK HEUTE

Klassik – Nachrichten – Journal

11. September 2018

 

Oper Zürich:

Serebrennikow-Inszenierung

aus dem Hausarrest

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Zürich/Berlin (MH) – Die Oper Zürich bringt Mozarts "Così fan tutte" ohne den russi-schen Regisseur Kirill Serebrennikow auf

die Bühne. Der 49-Jährige könne die am 20. September beginnenden Proben nicht per-sönlich leiten, da sein Hausarrest in Moskau bis zum 19. Oktober verlängert worden sei, teilte die Oper am Dienstag mit. Für die Premiere am 4. November werde jedoch

ein Mitarbeiter des Regisseurs dessen Konzeption umsetzen.

 

Serebrennikow habe einen detaillierten Ablauf der Inszenierung erarbeitet. Über seinen Anwalt sollen ihm Aufzeichnungen von Proben übermittelt werden. Nach der Sichtung werde das Feedback des Regis-seurs an das Ensemble zurückgespielt.

Auch die Kostüme und das Bühnenbild wurden bereits nach den Ideen und An-weisungen Serebrennikovs in den Werk-stätten des Opernhauses hergestellt. Die Oper Zürich und das gesamte Ensemble

der Produktion seien fest entschlossen, "

am 4. November die Premiere einer Kirill Serebrennikow-Inszenierung zu feiern",

hieß es in der Mitteilung.

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Ein russisches Ermittlungskomitee wirft

dem international renommierten Regisseur vor, staatliche Fördergelder für seine Thea-terarbeit veruntreut zu haben. Serebrenni-kow bestreitet dies und sitzt seit August

2017 im Hausarrest, der mehrmals verlän-

gert wurde. Die Hamburgische Staatsoper

will im März 2019 seine Inszenierung von Giuseppe Verdis "Nabucco" auf die

Bühne bringen.

 

musik-heute.de

 

11. September 2018

 

 

"Künstler sind

 

keine Terroristen!"

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Solidarität

 

für den ukrainischen Filmregisseur

 

OLEG SENTSOV

 

Er wurde am 13. Juli

 

zweiundvierzig Jahre alt.

 

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Neue Zürcher Zeitung 9. Juli 2018

 

Der ukrainische Autor

 

SERHIJ ZHADAN:

 

Es geht um Oleg Senzow

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Wie ist die heutige Lage in der Ukraine? Diese Frage bekomme ich sehr oft zu

hören. Eine Frage, die auf Analysen und Prognosen von Dingen abzielt, die das

Leben in der Ukraine heute bestimmen,

auf einen kurzen Überblick über die aktu-ellen politischen Ereignisse, Vorkommnis-

se an der Front; die Veränderungen, die

in der Gesellschaft vor sich gehen, sind besonders hervorzuheben.

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Nur Geschichtslehrbücher werden kollek-

tiv vermittelt. Die wirkliche Geschichte

wird individuell wahrgenommen und verstanden.Für mich hat es sich in der Ukraine in den letzten Wochen nicht

um Politik gedreht. Und nicht einmal

um den Krieg.

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Es dreht sich um eine einzige Person.

 

Und das ist Oleg Senzow.

 

Der ukrainische Regisseur, der im Früh-

jahr 2014 auf der Krim festgenommen

und durch russische Gerichte zu

zwanzig Jahren Freiheitsentzug verur-

teilt wurde.

 

Vor etlichen Wochen ist Senzow in dem Lager, in dem er gefangen gehalten wird,

in den Hungerstreik getreten und hat

die Freilassung von mehr als sechzig ukrainischen Staatsbürgern gefordert,

die in russischen Gefängnissen inhaftiert sind Er macht, so scheint es, Ernst. Das heisst, er will hungern, bis alle ukrai-

nischen politischen Gefangenen frei sind. Oder bis er tot ist. Einige dieser Inhaftier-

ten haben sich dem Hungerstreik angeschlossen. Deswegen schwingt

in allen Morgennachrichten hierzulande, angefangen bei Staatsbesuchen west-

licher Politiker bis zum Wetterbericht,

die Zählung mit, die Senzow begonnen

hat: der 38., der 39., der 40. Tag.

Wie lange wird es noch dauern?

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Die Tragik der Situation wird noch dadurch verstärkt, dass es über Oleg so gut wie

keine Informationen gibt, ausser Vermutungen und Hoffnungen. Man hört, seine gesundheitlichen Probleme hätten

sich verschärft, es heisst, er werde inzwischen zwangsernährt. Die russische Aggression, die sich in der letzten Zeit

mehr und mehr auf die Ebene geopoli-

tischer Strategien und Begriffe verlagert

hat (die Erfüllung der Minsker Verträge,

die Entsendung von Friedenstruppen,

die Vertretbarkeit gelockerter Sanktionen gegen Russland), hat plötzlich wieder

einen menschlichen, persönlichen Klang:

Da gibt es diesen ukrainischen Staats-

bürger, diesen Bewohner der besetzten

Krim, der noch sechzehn Jahre Lager vor sich hat, weil er wegen angeblicher terroristischer Aktivitäten verurteilt wurde und unter Einsatz seines Lebens versucht, die Situation aufzubrechen und auf die ganzen Rechtsbrüche hinzuweisen...

 

 

(Hier können Sie den gesamten

Text Serhij Zhadans für die NZZ lesen.)

 

 

Oleg Sentsovs Haftort:

 

Strafkolonie Nr. 8 (OG 98/8)

des strengen Regimes der UFSIN Russlands

LABYTNANGI, North Street 33

Telefon: 008 34 992 5-14-44

 

ФКУ «Исправительная колония № 8»

Адрес г.Лабытнанги, улица Северная 33.

 

Foto: NOWAJA GAZETA

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FREE OLEG SENTSOV!

 

Der Gefangene Russlands

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"Aktionen in 78 Städten weltweit. Weit über tausend Künstler und Kulturinstitutionen,

die sich für seine Freilassung einsetzen, darunter die Nobelpreisträgerinnen Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch. Die Familie, die sich an Putin persönlich

wendet. Auf einer Pressekonferenz mit Frankreichs Staatspräsident Macron im

Mai werden dringliche Fragen gestellt,

zuletzt formulierte EU-Ratspräsident

Donald Tusk auf dem G7-Gipfel in Kanada einen kämpferischen Appell. Wer hat

nicht inzwischen von Oleg Senzow gehört. Seit 2015 verbüßt der Filmemacher und Maidan-Aktivist eine 20-jährige Lagerhaft, inzwischen in einer Strafkolonie für Schwerkriminelle in Labytnangi, Sibirien.

Seit 14. Mai protestiert Senzow dort in der Arktis mit einem Hungerstreik für die Freilassung aller 64 politischen ukrainischen Gefangenen in Russland.

Christiane Peitz

DER TAGESSPIEGEL

13. Juni 2018

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ARD - TAGESSCHAU

24. August 2018

 

"Die USA haben sich erneut für den in Russland inhaftierten Regisseur Senzow eingesetzt. Der Ukrainer müsse sofort freigelassen werden, forderte Außenmini-

ster Pompeo. Senzow befindet sich

im Hungerstreik."

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"Washington erhöht im Fall des inhaftierten ukrainischen Filmemachers Oleg Senzow

den Druck auf Moskau: US-Außenminister Mike Pompeo forderte seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow dazu auf,

den Regisseur "sofort freizulassen".

 

Pompeo habe während eines Telefongesprächs seine "Sorgen über Senzows Gesundheit" zum Ausdruck gebracht und die Freilassung "aller ukrainischen politischen Gefangenen gefordert", erklärte eine Ministeriumssprecherin..."

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DEUTSCHE WELLE

 

21. August 2018

 

Agnieszka Holland über Oleg Senzow:

″Er wird nicht schweigend sterben″

 

Die renommierte Regisseurin und Dreh-buchautorin Agnieszka Holland (*1948) ist seit 2014 Vorsitzende der Europäischen Filmakademie (EFA). Der Verein versammelt mehr als 3000 europäische Filmschaffende mit dem Ziel, den europäischen Film besser zu vertreten und verleiht jährlich den Europäischen Filmpreis.

 

Hollands Eltern kämpften während des Zweiten Weltkriegs gegen die Nazis; ihr

Vater starb 1961 in Polen bei einem Verhör der kommunistischen Besatzer nach ei-

nem Sturz aus dem Fenster. Hollands politisches Engagement führte dazu, dass

sie 1981 von Polen nach Frankreich ins

Exil übersiedelte.

 

Unter anderem für ihre Filme "Hitlerjunge Salomon" (1990), "Bittere Ernte" (1985), "In Darkness" (2011) und "Pokot" (2018) erhielt sie internationale Auszeichnungen, darunter den Golden Globe für den besten frem-dsprachigen Film, den Silbernen Bären der Berlinale und mehrere Oscar-

Nominierungen

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"Deutsche Welle: Oleg Senzow befindet

sich nun schon seit dem 14. Mai im Hungerstreik. Haben Sie aktuelle Informationen über seine Lage?

 

Agnieszka Holland: Nein, habe ich nicht.

Wir hatten gehofft, dass auf das Treffen

von Angela Merkel und Wladimir Putin am Samstag eine Reaktion folgt. Aber wir wis-sen nichts Neues über den Zustand von

Oleg Senzow. Alle versuchen, etwas zu er-reichen: die Europäische Union, die Bun-desregierung, Emmanuel Macron. Aber es sieht so aus, als hätte Wladimir Putin be-schlossen, dass es nicht nötig ist, ein freundliches Gesicht aufzusetzen. Er will, dass Oleg sich beugt, dass er gedemütigt wird. Und wenn Oleg nicht mitmacht, nicht gedemütigt werden will, nicht um Ent-schuldigung für Taten bittet, die er gar

nicht begangen hat, wird Putin ihn

sterben lassen.

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Vergangene Woche hat der Kreml das Gnadengesuch von Oleg Senzows Mutter abgewiesen...

 

Genau, der Kreml hat gesagt, Oleg solle selbst um Gnade bitten. Das sei die Regel, aber das stimmt nicht. Bei Pussy Riot

oder Chodorkowski gab es Fälle, in denen

die betreffenden Personen nicht selbst um eine Begnadigung gebeten hatten. Denn um eine Begnadigung zu bitten, heißt auch, dass man seine Schuld eingesteht und Oleg hat immer beteuert, dass er unschuldig ist. Und durch Amnesty International und andere Organisationen wissen wir, dass er die Ta-ten, die ihm vorgeworfen wurden, nie be-gangen hat. Es ist ein Teufelskreis.

 

Oleg wird sicher nicht um Gnade bitten

und seine Freilassung nicht akzeptieren, wenn nicht seine Mitgefangenen eben-

falls freigelassen werden. Putin denkt

aber nicht, dass es einer symbolischen

Geste bedarf, um der Welt zu zeigen, dass

er kein brutaler und grausamer Herrscher

ist. Und wenn er glaubt, dass er das nicht braucht, passiert auch nichts: All seine Handlungen basieren auf politischen In-teressen und Putin glaubt nicht, dass der Westen stark genug ist, um ihn für seine Taten zu bestrafen. Also bin ich, was Oleg Senzow betrifft, ziemlich pessimistisch. Andererseits liegt jetzt alles in den Händen eines Mannes, der unberechenbar ist. Wir müssen darauf hoffen, dass sich seine Unberechenbarkeit diesmal

positiv auswirkt.

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Sie sprachen gerade an, dass Senzow die Freilassung aller politischen Gefangenen

aus der Ukraine fordert...

 

Ja, bei Olegs Hungerstreik geht es nicht

nur um seine Haft, sondern um die Internierung von allen ukrainischen politischen Gefangenen. Die meisten

von ihnen sind nur Geiseln der aktuellen politischen Lage. Sie haben die Taten

nicht begangen, die ihnen zur Last gelegt werden. Oleg will sich solidarisch mit ihnen zeigen, in dem Wissen, dass er kein ano-nymer Gefangener ist. Er ist Regisseur,

hat Freunde in mehreren Ländern, ist Mit-glied der Europäischen Filmakademie.

Er wird zumindest nicht schweigend ster-

ben. Auf diese Weise bringt er ein Opfer

für diejenigen, die nicht bekannt sind.

Und so hofft er, ein Licht auf die Lage politischer Gefangener aus der Ukraine werfen zu können, die nach Russland entführt oder in Russland festgenom-

men worden sind.

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Die Europäische Filmakademie hat sich mehrere Male und auf verschiedenen

Wegen öffentlich für seine sofortige Freilassung eingesetzt und sammelt

Spenden zur Deckung der Rechtskos-

ten und die Unterstützung seiner Kinder,

die zurzeit von der Großmutter betreut werden. Sind weitere Aktionen geplant?

 

Wir warten nun ab, unser Hand-lungsspielraum ist begrenzt. Wir können offene Briefe schreiben und Protest-Aktio-nen planen - das haben wir auch bereits

auf vielen Filmfestivals und bei unseren Veranstaltungen gemacht. Wir sind die Europäische Filmakademie und haben Kontakte - auch zu Regierungen in un-terschiedlichen Ländern. Wir versuchen unseren Einfluss auf die lokale Politik zu nutzen. Wir sammeln Geld, wir benutzen Social Media, um so weit wie möglich zu verbreiten, wie es Oleg geht, und um Un-

terstützung zu bitten. Das ist alles, was

wir tun können. Wir können die Meinung

des Tyrannen nicht ändern. Danach müs-

sen wir beten, dass all das einen Effekt

hat und dass es nicht schon zu spät ist.

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Und Sie sind immer noch der festen Überzeugung, dass öffentlicher Druck im

Fall von Oleg Senzow hilft?

 

Ich weiß keinen anderen Weg. Am besten

ist die Kombination von öffentlichem und diplomatischem Druck. Diese Mischung

hat sich auch in der Vergangenheit als die wirkungsvollste erwiesen. Außerdem ist es für Oleg selbst wichtig, zu wissen, dass wir ihn nicht vergessen haben, dass Menschen

in unterschiedlichen Ländern an ihn denken und versuchen, ihm zu helfen. Und darüber hinaus steckt dahinter eine Art moralisches Statement. Wir werden unseren Kollegen,

der in Not und zu Unrecht verhaftet ist,

nicht vergessen. Wir tun das alles auch

für uns selbst. So fühlen wir uns nicht

vollkommen machtlos."

 

Das Interview führte Laura Döing.

 

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10. August 2018

 

"Oleg Senzow will bis

 

zum Ende gehen"

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„Der in Russland inhaftierte ukrainische Regisseur Oleg Senzow ist entschlossen, seinen fast dreimonatigen Hungerstreik

trotz schlechten Gesundheitszustands fortzusetzen, sagt sein Anwalt Dmitri

Dinse im DW-Interview:

 

Deutsche Welle: Seit dem 14. Mai befindet sich Oleg Senzow im Hungerstreik. Er for-dert die Freilassung von allen ukrainischen politischen Gefangenen in Russland. Herr Dinse, wann haben Sie Oleg Senzow zuletzt gesehen? Wie hat sich sein körperlicher

und geistiger Zustand seit ihrem letzten Treffen verändert?

 

Dmitri Dinse: Zuletzt haben wir uns am 7. August gesehen. Seine Stimmung ist nor-mal, aufgeweckt, aber seine körperliche Verfassung hat sich erheblich verschlech-tert. In Labitnangi war es zwei Wochen lang 40 Grad heiß. Eine solche Hitze verträgt

er sehr schlecht, was sich auf sein Wohl-befinden ausgewirkt hat. Nicht nur Sen-

zows chronische Herzerkrankung hat sich verschlimmert, sondern es sind auch noch Probleme mit den Nieren und der Leber hinzugekommen. Er hat zu wenig Hämo-globin. Es werden keine Blut-körperchen produziert. Er hat Anämie. Zeitweise

sind seine Gliedmaßen taub. Er nimmt weiterhin Mixturen ein, um bei Bewusst-

sein zu bleiben.

 

Am 8. August hat seine Cousine Natalia Kaplan einen Brief veröffentlicht, in dem Senzow schreibt, das Ende sei nahe,

und er meine damit nicht seine Freilas-

sung. Will er den Hungerstreik immer

noch fortsetzen?

 

Ja, er beabsichtigt nicht, seinen Hunger-streik zu beenden. Senzow will bis zum

Ende gehen. Wenn er sterben muss, werde

er eben sterben, sagt Oleg.

 

Oleg Senzow wurde schon zur Untersu-chung und möglichen Behandlung in ein ziviles Krankenhaus gebracht. Doch er

wollte von dort weg. Was war vorgefallen?

 

Oleg sagte, er sei in dem Krankenhaus

wie Vieh behandelt worden. Man habe ihm gesagt, man werde ihn ans Bett fesseln

und so füttern, wie man es für richtig

hält. Seine Meinung zähle nicht. Darauf-

hin wollte Oleg sofort weg von dort. Er

wollte sich nicht einem solch unmensch-lichen Umgang aussetzen. Den Mitarbei-

tern des Krankenhauses war klar, wer bei ihnen war. Deshalb haben sie eine solche Haltung an den Tag gelegt. Oleg möchte unter keinen Umständen in dieses Kran-kenhaus, weil er weiß, dass man ihn dort

nur verspotten wird. Im Gefängniskran-kenhaus wird er ziemlich gut behan-

delt. Er hat mit dem Chefarzt eine gemeinsame Sprache gefunden.

 

Vor fast einem Monat hat Senzows Mutter

den russischen Präsidenten Wladimir

Putin um eine Begnadigung gebeten.

Warum gibt es immer noch keine Reak-

tion? Gab es Fälle, wo solche Ersuchen unbeachtet blieben?

 

Entsprechende Bitten, die unbeachtet bleiben, gibt es in Russland sehr viele.

Die Begnadigungskommission kann nur formale Gründe für eine Ablehnung finden. Sie ist bewusst als Filter geschaffen wor-

den, damit die Administration des Präsiden-ten mit solchen Briefen nicht überladen

wird. Für die Prüfung eines Begnadi-gungsgesuchs braucht die Kommission zwischen zwei Wochen und einem Monat,

um dann dem Präsidenten Empfehlungen

zu geben. Der Fall Senzow liegt jetzt

faktisch dem ersten Filter vor…“

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7. August 2018

„Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)

hat Russland dazu aufgefordert, dem inhaftierten ukrainischen Filmemacher

Oleg Senzow Hilfe in einer medizinischen Einrichtung zukommen zu lassen. Das Straßburger Gericht verhängte dazu ein-

ne einstweilige Maßnahme. Russland

ist als Mitgliedsstaat des Europa-

rats verpflichtet, sie umzusetzen...

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Das Straßburger Gericht bat Senzow, sei-

nen Hungerstreik zu beenden und lebens-rettende Maßnahmen anzunehmen. Der Fil-memacher hatte 2014 bereits eine Be-schwerde gegen Russland vor dem Ge-richtshof eingereicht - unter anderem

beklagt er Misshandlungen.

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Einstweilige Maßnahmen verhängen die Straßburger Richter nur in Ausnahmefäl-

len, wenn Beschwerdeführern unwider-ruflicher Schaden droht. Der Anwalt Sen-zows hatte nach Gerichtsangaben diesen Schritt beantragt..."

Österreichischer Rundfunk

7. August 2018

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...Hilft der öffentliche Druck?...  Darauf hofft

die European Film Academy,die sich seit

der Verhaftung als „Krim-Terrorist“ 2014, oder besser: seit der Verschleppung durch den russischen Geheimdienst aus seiner Wohnung in Simferopol auf der Krim nach Moskau für Oleg Senzow einsetzt. Bisher

war alles vergeblich: dass EFA-Präsidentin Agnieszka Holland, Ken Loach, Mike Leigh, Aki Kaurismäki, Hanna Schygulla, Vol-

ker Schlöndorff, Wim Wenders und viele

andere offene Briefe schreiben und sich

um Senzows Leben sorgen. Dass die Ber-linale 2017 die 75-Minuten-Doku„The Trial: The State of Russia vs Oleg Sentsov“

zeigte. Oder dass Amnesty International

an die besondere Verant - wortung der Behörden gemahnt, wegendes „unfairen Gerichtsverfahrens“.Human Rights

Watch spricht von einem politischen Schauprozess.Senzows "Verbrechen":

Er demons trierte gegen die

Krim-Annexion

 

Christiane Peitz

DER TAGESSPIEGEL

13. Juni 2018

Meine Solidarität mit den

befreundeten Kollegen

des  Akademischen

Dramatischen Theater

im bedrängten

ukrainischen

Mariupol!

In der Nacht vom

 

01.zum 02.November 1975 wurde

 

Pier Paolo Pasolini

 

in Ostia bei Rom ermordet

Auf einem Fussballplatz in Ostia bei Rom

An dieser Stelle  wurde am 2. November 1975

der ermordete Pier Paolo Pasolini gefunden.

Nanni Moretti fuhr 1993 auf einer Vespa mit

langen Einstellungen in seinem Film

CARO DIARIO  von Rom nach Ostia.

Musik: Keith Jarrett

In CASARSA

Andrzej Wajdas Tätigkeit als Film- und

Theaterregisseur erstreckte sich über

fast sechs Jahrzehnte. Hier erfahren

Sie mehr über seine wichtigsten Filme

DANTON (F/Polen/BRD 1982) Als nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 Wajdas Arbeitsbedingungen eingeschränkt wurden, verlagerte er seinen Wirkungsort zeitweise nach Frankreich, um hier ein polnisches Theaterstück über die Endphase der Französischen Revolution zu verfilmen. Mit Parallelen zum polnischen Kriegsrecht entwirft Wajda das Bild einer brutalen Terrorherrschaft durch das Revolutionstribunal von Robespierre (Wojciech Pszoniak), dem Danton (Gérard Depardieu) und die Ideale der Revolution zum Opfer fallen.

POKOLENIE (Eine Generation, 1954) Wajdas neorealistisch anmutendes Debüt und erster Teil der Warschauer Trilogie kreist um den jungen Stach, der sich einer polnischen Widerstandsgruppe anschließt. Während des Warschauer Aufstands 1944 versuchen Stach und die Gruppe, Aufständische aus den unterirdischen Kanälen zu retten. Ohne jegliches Pathos formuliert der Film die Frage nach politischer und persönlicher Verantwortung – ein früher Tauwetterfilm.

KANAL (1956) Fernab der offiziellen, stalinistischen Geschichtsinterpretation und -darstellung zeichnet Wajda die Niederlage einer polnischen Widerstandgruppe in den letzten Tagen des Warschauer Aufstandes. Als ihre Position in der Vorstadt nicht mehr zu halten ist, steigen auch sie in die weitverzweigte Warschauer Kanalisation ab. Ein Irrweg durch expressionistisch ausgeleuchtete Kanalgänge beginnt, die Ausmaße des Danteschen Infernos annehmen.

POPIÓŁ I DIAMENT (Asche und Diamant, 1958) Wajda und der polnische Film finden mit ASCHE UND DIAMANT endgültig internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Die Geschichte eines Bruderkriegs spielt sich innerhalb weniger Stunden am 8. Mai 1945 ab. Maciek, ein national gesinnter ehemaliger Untergrundkämpfer (Zbigniew Cybulski) bereitet ein Attentat auf einen führenden Kommunisten vor. Zur gleichen Zeit wird die Siegesfeier vorbereitet. Kriegsprofiteure und Karrieristen beschließen das Fest mit einer Polonaise, während Maciek den Bezirks-Sekretär erschießt und dann selbst erschossen wird. Vorfilm: PAPARAZZI (Piotr Bernaś, 2011, 5.12., zu Gast: Piotr Bernaś).

POPIOŁY (Legionäre, 1965) Der Verlust der staatlichen Souveränität und die Aufteilung Polens zwischen Preußen, Russland und Österreich Ende des 18. Jahrhunderts ist eines der kollektiven polnischen Traumata. Vor diesem Hintergrund und basierend auf einem Roman von Stefan Zeromski, der den Glauben an ein zukünftiges Polen formuliert, entwirft Wajda ein monumentales Fresko um eine Gruppe von polnischen Adligen, die in Napoleon den Befreier Polens sehen, deren Hoffnungen jedoch enttäuscht werden.

KRAJOBRAZ PO BITWIE (Landschaft nach der Schlacht, 1970) Der Krieg ist vorüber, ein KZ wird befreit, die ehemaligen Häftlinge werden in ein DP-Camp umquartiert. Doch das Erlebte legt sich wie ein Schatten über ihre Gegenwart und Zukunft, Kampf, Gewalt und Rache bestimmen auch im neuen Lager ihr Leben. Dennoch entwickelt sich eine vorsichtige Beziehung zwischen einer Jüdin und dem Intellektuellen Tadeusz (Daniel Olbrychski). Als sie unabsichtlich erschossen wird, flüchtet er sich in Zynismus und verlässt das Camp. Eine stark ästhetisierte, ausgewaschen anmutende Anfangssequenz verbildlicht das Grundmotiv des Films: den Verlust der menschlichen Identität in der Unmenschlichkeit der Lebensbedingungen im KZ.

SAMSON (1961) Die alttestamentarische Legende von Samson, der sich gegen seine Unterdrücker auflehnt und mit ihnen stirbt, dient als titelgebender Referenzpunkt für die Geschichte des jüdischen Studenten Jacub Gold in Polen vor und während des Zweiten Weltkriegs. Aus dem Gefängnis entlassen, folgt er seiner Mutter ins Ghetto, kann von dort fliehen, findet Unterschlupf und Anschluss an eine Widerstandgruppe in einer illegalen Druckerei, bis diese von deutschen Soldaten gestürmt wird. Ausgehend von Jacubs allmählicher Wandlung mündet der Film in ein Nachdenken über das Verhältnis von Individuum und Geschichte.

BEZ ZNIECZULENIA (Ohne Betäubung, 1978) Im Mittelpunkt dieser Zustandsbeschreibung Polens Ende der 70er Jahre steht der erfolgreiche Journalist Jerzy, der über die Anforderungen seines Berufs die politischen wie auch die privaten Zeichen der Zeit aus den Augen verliert. Seine Unfähigkeit sich anzupassen führt mit beklemmender Zwangsläufigkeit zur persönlichen und beruflichen Niederlage. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Diktat falscher Ideale, dem Konformismus und der Mittelmäßigkeit.

POLOWANIE NA MUCHY (Fliegenjagd, 1969) Diese groteske Karikatur des polnischen Kulturbetriebs ist eine von Wajdas zwei Satiren. Ein gescheiterter Student wird zum Opfer des übersteigerten Ehrgeizes seiner Geliebten, seiner Schwiegereltern und seiner Ehefrau, die einen anerkannten Übersetzer aus ihm machen und ihn in die "Kultur-Schickeria" einführen wollen. Eine Erkundung der Condition Humaine im Mantel der Gesellschaftskomödie. Vorfilm: PRZEKŁADANIEC (Rollkuchen, Polen 1968, 10.12.) Die kurze Science-Fiction-Komödie von überraschender Aktualität basiert auf einer Erzählung von Stanislaw Lem: Einem Rennfahrer werden nach Unfällen diverse Organe transplantiert, was bei ihm zu einer umfassenden Identitätsverwirrung führt. Ein Bild der Welt Warschauer Intellektueller – voller Gags, Cartoons und Karikaturen.

CZŁOWIEK Z ŻELAZA (Der Mann aus Eisen, 1981) In der Fortsetzung von MANN AUS MARMOR schildert Wajda den politischen Umschwung Anfang der 80er Jahre aus dem Blickwinkel eines opportunistischen Reporters, der die Biografie eines der Streikführer recherchiert. "Unsere Idee war es, die Ereignisse des August 1980 aus dem Blickwinkel des August 1980 zu erzählen." (A.W.) Die Unmittelbarkeit in der Darstellung der Streikwelle des "Polnischen Augusts" findet in der nervösen Intensität der Bilder, der fragmentarischen Narration, dem Zusammenfügen unterschiedlicher Bildebenen ihren überzeugenden formalen Ausdruck.

WESELE (Die Hochzeit, 1973) Werkgetreue Adaption des berühmten Dramas von Stanisław Wyspiański über die verlorene Identität und den Mythos Polens. Auf zwei Ebenen entfaltet sich das um die Jahrhundertwende angesiedelte Geschehen: Der schwelgerischen Hochzeit eines Dichters und einer Bauerntochter wird eine surreale Phantasmagorie in Form einer Zwiesprache der Hochzeitsgäste mit Gestalten der polnischen Geschichte zur Seite gestellt. Es entfaltet sich ein mythischer Reigen, ein entfesselter Rausch.

PANNY Z WILKA (Die Mädchen von Wilko, 1979) Als Wiktor Ruben (Daniel Olbrychski) nach 15 Jahren wieder in das ländliche Wilko zurückkehrt, beginnt für ihn und die Schwestern eines benachbarten Gutes eine Reise in die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit: einen gemeinsam verbrachten unbeschwerten Sommer. Im Blick zurück verschmelzen die Zeitläufe, spitzen sich Träume und Hoffnungen noch einmal zu. Eine elegisch-melancholische Reflexion über eine verlorene Generation.

BRZEZINA (Birkenhain, 1970) Ein so stilles wie stimmungsvolles Kammerspiel um zwei ungleiche Brüder: den zurückgezogenen Witwer Bolesław, der mit seiner Tochter auf dem Land lebt, und den lebenslustigen, aber todkranken Stanislaw, der aus der Schweiz in die Heimat zurückkehrt, um hier zu sterben.

ZIEMIA OBIECANA (Gelobtes Land) Monumentales Gesellschaftspanorama der Textilmetropole łodz Ende des 19. Jahrhunderts, eines Brennpunkts der sich rasant entwickelnden Industriellen Revolution. Drei Glücksritter wollen am ökonomischen Aufbruch teilhaben und gründen eine Fabrik. Zunehmend skrupellos verfolgen sie ihr Ziel: Geld, Macht und Besitz. Basierend auf dem Roman des Nobelpreisträgers W. S. Reymont führt Wajda eine Vielzahl von unterschiedlichen Figuren in einem brodelnden, erbarmungslosen Hexenkessel zusammen und zeigt eine Gesellschaft am moralischen Abgrund.

CZŁOWIEK Z MARMURU (Der Mann aus Marmor, 1977) Eine Meditation über Entdecken und Verdrängen und das Potential des Films zur ideologischen Manipulation. Wajda setzt die unmittelbare Gegenwart der 70er Jahre mit den Jahren des sozialistischen Aufbaus in Verbindung, verschachtelt die Zeitebenen mittels Rückblenden und Archivmaterial. Wie ein Mosaik setzt die junge Regisseurin Agnieszka (Krystyna Janda) unterschiedliches Material zusammen, um das Leben eines einstigen "Helden der Arbeit" zu rekonstruieren, der nach einem Unfall abgeschoben wird. Die Verdrängung des einst gefeierten Helden in den 50er Jahren findet in der Abwehrhaltung des Fernsehredakteurs, den Agnieszka mit ihren Entdeckungen konfrontiert, 20 Jahre später ihre Entsprechung.

WSZYSTKO NA SPRZEDAŻ (Alles zu verkaufen, 1969) "Ein Film über das Unvermögen, einen Menschen ohne seine Anwesenheit zu fassen." (A.W.) Wajdas sehr persönliche Hommage an den emblematischen Schauspieler Zbigniew Cybulski, den polnischen James Dean, wird zum Dokument seiner Trauerarbeit aber auch einer Selbstbefragung und persönlichen Bestandsaufnahme. In diesem Film-im-Film werden die Dreharbeiten von der Nachricht des Todes des Hauptdarstellers jäh unterbrochen. Unsicher, wie er mit dem Verlust umgehen soll, gerät der Regisseur in eine tiefe persönliche und kreative Krise.

TATARAK (Der Kalmus, 2009) Eine andere filmische Form der Auseinandersetzung mit dem Verlust eines Menschen, in diesem Fall des Kameramanns Edward Kłosiński, finden Krystyna Janda, Kameramann Pawel Edelman  und Wajda in DER KALMUS. Fließend gehen die drei Ebenen des Films ineinander über: reduzierte Sequenzen, in denen Janda sich an die letzten Tage mit ihrem Mann erinnert, Set-Aufnahmen der Dreharbeiten und die eigentliche Spielfilmhandlung über die brüchige Idylle des letzten Sommers einer sterbenskranken Frau. Variationen des Umgangs mit Vergänglichkeit, Tod und Trauer. Vorfilm: TRÓJKA DO WZIĘCIA (Three for the Taking, Bartosz Konopka, 2007, 18.12.)

KORCZAK (Andrzej Wajda, Polen/BRD 1990) Eine Verschränkung von zeitgenössischen Wochenschauen und zurückgenommenen Schwarzweißaufnahmen bildet den Hintergrund der Geschichte des polnisch-jüdischen Kinderarztes und Pädagogen Korczak, der im Warschauer Ghetto ein Waisenhaus leitet und trotz aller Widrigkeiten den Geist von Menschlichkeit und Toleranz aufrechtzuhalten versucht. 1942 soll das Heim aufgelöst, die 200 Kinder sollen deportiert werden. Korczak begleitet sie in den Tod. Offene Waggons und Kinder, die sich im Herbstnebel verlieren, sind die letzten Bilder des Films. "Der Absprung vom Zug der Geschichte evoziert das Schlimmste, das in Nacht und Nebel sich verbarg." (Karsten Witte)

LAS KATYŃSKI (Der Wald von Katyn, Marcel Łoziński, Andrzej Wajda, Polen 1990) Früher Fernsehdokumentarfilm über das Massaker von Katyn, das sich auf Archivbilder, Zeugenaussagen und die Erinnerung der Beteiligten stützt.

KATYŃ (Das Massaker von Katyn, 2007) Die von Stalin verordnete Ermordung von 22.000 polnischen Offizieren, Polizisten und Intellektuellen – darunter Andrzej Wajdas Vater – im Wald von Katyn im Frühjahr 1940 gehört zu den großen Traumata der jüngeren polnischen Geschichte. Die Sowjets lasteten das Massaker jahrzehntelang der deutschen Wehrmacht an, bis Jelzin 1992 die Archive öffnete. In seinem Spielfilm nähert sich Wajda dem lange tabuisierten Geschehen mit Bedacht: Während und nach dem Krieg machen sich verschiedene Hinterbliebene auf die Suche nach Vätern, Söhnen, Brüdern und der Wahrheit, die zwischen vermeintlich übergeordneten Interessen zerrieben wird.

NASTASJA (Polen/Japan 1994) Wajdas filmische Bearbeitung des letzten Kapitels von Dostojewskis Der Idiot geht auf das Zusammentreffen mit dem japanischen Kabuki-Theaterstar Tamasaburo Bando zurück, der für seine Darstellung weiblicher Rollen berühmt ist. In NASTASJA verkörpert er zunächst Fürst Myschkin, der gemeinsam mit Rogoshin Wache am Totenbett der geliebten Nastassja hält. Im Verlauf der Totenwache verliert sich Myschkin in der Erinnerung an die Verstorbene und nimmt die Gestalt der titelgebenden Protagonistin an.

ZEMSTA (Rache, 2002) Zwei verfeindete Nachbarn müssen erkennen, dass ihre Kinder heiraten wollen. Als unbeabsichtigtes Gegenstück zu Mickiewicz' PAN TADEUSZ gibt die Gesellschaftskomödie des polnischen Bühnenautors und Dichters Fredro aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wesentlich weniger heroischen, aber umso humorvolleren Eindruck des polnischen Landadels, dargestellt von Roman Polański, Janusz Gajos und Daniel Olbrychski.

PAN TADEUSZ (1998, 23.12.) "Unverfilmbar!" hieß es lange Zeit in Bezug auf das identitätsstiftende polnische Nationalepos in Versform von Adam Mickiewicz. Wajda behält den polnischen Alexandriner des nationalen Heiligtums bei, findet schwelgerisch opulente Bilder und große Schauspieler (Bogusław Linda, Daniel Olbrychski, Grażyna Szapołowska). Die Handlung – eine Familienfehde wird angesichts der Bedrohung durch russische Truppen beigelegt – spielt an wenigen Tagen Anfang des 19. Jahrhunderts und kulminiert wie so oft bei Wajda in der Polonaise, im symbolhaften Reigen, in dem Zeitläufe, Mythen und Legenden zu verschmelzen scheinen.

P.S. - Russische Finsternis -

Erinnern wir uns!

Alexander Litvinenko
"The Litvinenko Inquiry - Report info the death of Alexander Litvinenk."
Litvinenko-Inquiry-Report-web-version.pd[...]
PDF-Dokument [2.5 MB]

Nowaja Gazeta: Wie Boris Nemzow

ermordet wurde

"Die Welt muss innehalten -

 

und damit beginnen,

 

sich nicht über Ausrottungskoalitionen

 

zu verständigen,sondern über

 

den eigenen Fortbestand.

 

Früher oder später wird  der Wettlauf

 

des Wahnsinns,dessen Augenzeugen

 

wir heute sind, natürlich dazu führen.

 

Fragt sich nur,um den Preis welcher Opfer"

 

Anna Politkowskaja -18.März 2004