26. / 27. April 2018

 

Alexander Sinowjew

 

 

Gähnende

 

Höhen

 

DIOGENES VERLAG  - 1981

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Erinnerung und Mahnung

 

"Die bisher erbarmungsloseste

Vivisektion eines

politischen Sytems."

 

Dies ist kein Essay, keine philosophische

oder logische Abhandlung, ist weder

Parodie noch Satire oder Groteske,

auch nicht Science-Fiction und schon

gar nicht ein Roman -- und ist vielleicht

doch alles zugleich. In jedem Fall ist es

ein Un-Buch und vielleicht das

merkwürdigste, beachtenswerteste,

das seit Orwells "1984" auf uns

zugekommen ist. Wir haben weder

formal noch thematisch etwas Ähnliches

in unserer Literatur. Wer sich noch an des Romanisten Werner Krauss ebenso

genialisches wie sprödes Buch über das faschistische Reich erinnert, "PLN" hieß es,

wie Postleitnummer, und meinte damit die menschliche Abbreviatur, der wird dort

dazu Parallelen finden...

 

Eigentlich ist es nichts anderes als

die genaue, nur hier und da überspitzte

und gelegentlich leicht verschlüsselte

Beschreibung des real existierenden

Kommunismus. Und so mag es den

Leser auch nicht mehr verwundern,

wenn er, ziemlich erschöpft, am

Schlusse der fast 1100 engbedruckten

Seiten angekommen, ein weiteres Buch

mit eben diesem Titel angekündigt findet:

"Der Kommunismus als Realität"...

 

In allen Büchern von Alexander Sinowjew,

die wir schon kennen (wie etwa

"Lichte Zukunft"), oder in eben diesem

und in jenen, die noch übersetzt werden

(wie die "Notizen eines Nachtwächters"),

geht es um nichts anderes, und so stehen

sie da als Teile eines einzigen, in sich geschlossenen, um immer das gleiche

Thema kreisenden Werkes. "Alle meine

Bücher sind Kapitel ein und desselben

Buches", sagt Sinowjew. Und der Vorwurf,

der Stoff, das Thema sind ja wohl danach,

daß sich damit noch einige weitere tausend

Seiten füllen ließen...

 

"Das, was wir heute mit bloßem

Auge sehen, braucht nicht unbedingt

die Wahrheit zu sein. Wahrheit ist

das, was sein müßte, was morgen

sein wird": Mit dieser Definition des sozialistischen Realismus kam einer

ganzen Literatur die Wahrheit abhanden. Heute gibt es wohl keinen ernsthaften Schriftsteller mehr, der noch von sich behaupten möchte, sozialistischer

Realist zu sein...

 

Danach scheint sich ein Sinowjew zurückzusehnen. Da waren noch die

Fronten klar abgesteckt. Da wußte man

noch, wem man vertrauen konnte und

wer die Feinde waren. Seine Bücher sind Beschreibungen des Moskauer Alltags

in den siebziger Jahren. Der Periode der Verwirrungen (der Chruschtschow-Ära)

ist die Ära des "Chefs" oder "Oberiban" gefolgt ("ein Stalinismus ohne Stalin"),

in der die Menschen nicht mehr hoffen,

es könnte besser, sondern nur noch

fürchten, es werde schlechter werden:

der gewöhnliche Kommunismus...

 

Horst Bieneck

DER SPIEGEL 14/1981
 

 

Alexander Sinowjew

 

 

*29. Oktober 1922

 

10. Mai 2006

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Wegen Kritik am Stalinismus Einweisung

in die Psychiatrie, dann ins Gefängnis des KGB. Flucht nach Sibirien, Eintritt in die

Rote Armee. 1951 Abschluss des Studiums der Philosophie. 22 Jahre am Institut

für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. 1974 systematische Verdrängung aus allen Ämtern. 1978 genehmigte Ausreise mit Aberkennung der Staatsbürgerschaft.

Bis zu seiner Rückkehr nach Russland

im Jahr 1999 lebte er in München.

2006 starb Sinowjew in Moskau.

 

„Wenn sie mich 1939 zum Tode

verurteilt hätten, wäre das die richtige Entscheidung gewesen. Ich hatte geplant, Stalin zu töten und das war ein Verbrechen, oder? Als Stalin noch lebte, sah ich das anders, aber jetzt, wo ich das ganze Jahrhundert überblicken kann, sage ich: Stalin ist die größte Persönlichkeit

dieses Jahrhunderts gewesen, das größte politische Genie. Ein wissenschaftlicher Standpunkt jemanden gegenüber, muss

nicht dem persönlichen Verhalten

entsprechen.“ (Interview Humo,

25. Februar 1993, S. 48–49)

 

Über sein Werk:

"Schriftsteller wollte ich übrigens

niemals werden. Das war für mich

völlig sekundär. Ich bin Logiker und weiß,

daß ich in der Logik hundertmal mehr geleistet habe als in der Literatur.

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"Und überhaupt, halten uns heute

jene vor, die selber nicht gelitten,

die selber gemordet, oder ihre

Hände in Unschuld gewaschen,

oder Lämmermienen aufgesetzt

hatten, überhaupt, sagen sie -

wozu sich daran erinnern?

Wozu in alten Wunden rühren?

(In ihren Wunden!)."

 

Alexander Solschenizyn

 

Hallo Interessierte,

 

die aktuellen Berichte

 

über Politik, Bücher,

 

Theater, Film u.v.a.

 

habe ich hier beendet.

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Seit mehr als zwei Jahren forsche

 

ich Dienstags bis Freitags in

 

Archiven und Bibliotheken

 

für ein schwieriges Buchprojekt.

 

Die Textarbeit ist ein

 

kompliziertes Puzzle aus

 

Dokumenten, Erinnerungen

 

und Interviews nach 48 Jahren

 

Theater - Film - und Medien - Arbeit.

 

Das fordert meine ungeteilte

 

Konzentration.

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Vom Fortgang werden Sie hier

 

mehr erfahren.

 

Peter Krüger

 

Biografisches

 

 

THEATERARBEIT IM NORDKAUKASUS

 

 

10. bis 17 September2012

 

Deutsche Tage

 

in Inguschetien

 

TAGE MIT BERTOLT BRECHT

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1. Brechtabend

 

AN DIE NACHGEBORENEN

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2. Ausstellung mit Postern

 

Büchern, Fotos u.v.a.

 

des Berliner Ensemble

 

Grafikers Karl-Heinz Drescher

 

im Museum Karabulak

 

 

Probe zu meinem Brechtabend

AN DIE NACHGEBORENEN

Musikalische Leitung: Zarema Malsagova

Übersetzt von: Lolita Gagieva

 

 

2012 - Tage mit Bertolt Brecht

 

in Inguschetien

 

Ausstellungseröffnung in Karabulak

 

mit dem Brechtabend

 

AN DIE NACHGEBORENEN

 

und Akteuren des

 

Dramatischen Theaters

 

in Inguschetien

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Gruppenfoto nach der Premiere

 

mit Akteuren und Förderern.

 

 

KARL - HEINZ DRESCHER

 

(1936 - 2011)

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37 Jahre als Grafiker im

BERLINER ENSEMBLE

 

Wir zeigten eine umfangreiche

Ausstellung mit Postern, Fotos,

Programmheften und Büchern

 

 

Aischylos / Goethe

 

Prometheus im Kaukasus

 

2014 in Nazran / Inguschetien

 

2014 - Prometheus im Kaukasus

Murat Sampiev in der Titelrolle

Spielfassung und Regie: Peter Krüger

 

Mein Buch hat unter

 

vielem anderen auch

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meine Theater-und Filmarbeiten

 

in Inguschetien und

 

Tschetschenien zum Inhalt

 

2012 - Während der "Tage mit Bertolt Brecht

in Inguschetien": Im Gespräch

mit dem inguschetischen

Präsidenten Junus-bek Evkurov

 

PROMETHEUS IM KAUKASUS

 

Auftritt der Vögel, mit denen

 

der Gott Okeanos zu

 

Prometheus flog.

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Mehr erfahren Sie auf:

 

KAUKASUSARCHIVE 1 bis 3

 

links oben

 

Meine

 

Theaterfahrten

 

2004 - 2017

 

nach Nazran, Grozny,

 

Wladikawkas

 

Belarus und Moskau

 

werden auch zum Buchinhalt.

 

 

Von oben:

 

Peter Krüger

 

UNTERWEGS

 

2004 - Ostern - Erste Proben

 

meiner Inszenierung von Brechts

 

"Mutter Courage" in Nazran.

 

Zura Radueva - Courage

Achmet Evloev - Koch

 

2014 - Dramatisches Theater

 

in Grozny - Treffen mit meinem

 

Freund, dem langjährigen

 

Chefregisseur RUSLAN KHAKISHEV

 

2014 - Mit Madina Chadzieva

 

vor dem Bulgakow-Haus in

 

Wladikawkas / Nordossetien.

 

2015 - Festung in Brest / Belarus

 

2016 - Fomenko -Theater in Moskau

 

Szene aus Bertolt Brechts

 

MUTTER COURAGE

 

UND IHRE KINDER

 

Wera Strokova - Kathrin

Polina Kutepova - Mutter Courage

Nikolai Orlovskij - Schweizerkas

 

2017 - Probenarbeit für Michail Bulgakows

 

HUNDEHERZ

 

in Nazran / Inguschetien

 

Mit Akteuren des inguschetischen

 

Dramatischen Theaters

 

Wir erarbeiteten eine TV-Fassung

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2017 - November, Jacqueline Jacob

 

und ich lasen in Berlin-Moabit

 

aus meiner Theaterfassung

 

nach Michail Bulgakows Roman

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

2018 - 23. Februar erneut in Moabit mit

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

(Letztes Foto)

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2018 - 9. April  BUCHBASAR EINS

 

in Berlin - Moabit.

 

AUS DER WELT BERTOLT BRECHTS

 

Mutter Courage und ihre Kinder

 

Lesung und Film

 

Jacqueline Jacob und ich waren

 

wieder unterwegs.

 

(Unteres Foto)

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Mehr erfahren Sie auf den Seiten

 

KAUKASUSARCHIV 1 bis 3

 

links oben

 

MEMORIAL IN NAZRAN

 

Über die Deportation

 

des inguschetischen Volkes

 

im Februar 1944

 

unter der Herrschaft  Stalins.

 

Am 23. Februar 2014, 70 Jahre nach der Deportation,

 

stellten wir in Nazran eine Lesung von Dokumenten

 

und Interviews mit inguschetischen Überlebenden

 

vor. Die Textauswahl und Darstellung war von mir.

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Seit 1997 arbeite ich in dem kleinen

 

nordkaukasischen Land u.v.a.für das

 

Dramatische Theater

 

Foto: Februar 2018

 

 

Solidarität für zwei Kollegen

 

 

Internationale Solidarität

 

für den russischen Regisseur

 

KIRILL SEREBRENNIKOW

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Sein Hausarrest wurde

 

erneut bis zum

 

19. Juli 2018

 

verlängert

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Februar 2018

 

SEREBRENNIKOW

 

stellte im Hausarrest

 

seinen Film LETO / SOMMER

 

fertig. Vorgestellt wurde

 

der Film während der

 

BERLINALE 2018

 

und ist für das

 

FILMFESTIVAL IN CANNES

 

im Mai 2018 nominiert

 

 

Solidarität

 

für den ukrainischen Filmregisseur

 

OLEG SENTSOV

 

FREE OLEG SENTSOV!

 

Der Gefangene Russlands

Meine Solidarität mit den

befreundeten Kollegen

des  Akademischen

Dramatischen Theater

im bedrängten

ukrainischen

Mariupol!

In der Nacht vom

 

01.zum 02.November 1975 wurde

 

Pier Paolo Pasolini

 

in Ostia bei Rom ermordet

Auf einem Fussballplatz in Ostia bei Rom

An dieser Stelle  wurde am 2. November 1975

der ermordete Pier Paolo Pasolini gefunden.

Nanni Moretti fuhr 1993 auf einer Vespa mit

langen Einstellungen in seinem Film

CARO DIARIO  von Rom nach Ostia.

Musik: Keith Jarrett

In CASARSA

Andrzej Wajdas Tätigkeit als Film- und

Theaterregisseur erstreckte sich über

fast sechs Jahrzehnte. Hier erfahren

Sie mehr über seine wichtigsten Filme

DANTON (F/Polen/BRD 1982) Als nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 Wajdas Arbeitsbedingungen eingeschränkt wurden, verlagerte er seinen Wirkungsort zeitweise nach Frankreich, um hier ein polnisches Theaterstück über die Endphase der Französischen Revolution zu verfilmen. Mit Parallelen zum polnischen Kriegsrecht entwirft Wajda das Bild einer brutalen Terrorherrschaft durch das Revolutionstribunal von Robespierre (Wojciech Pszoniak), dem Danton (Gérard Depardieu) und die Ideale der Revolution zum Opfer fallen.

POKOLENIE (Eine Generation, 1954) Wajdas neorealistisch anmutendes Debüt und erster Teil der Warschauer Trilogie kreist um den jungen Stach, der sich einer polnischen Widerstandsgruppe anschließt. Während des Warschauer Aufstands 1944 versuchen Stach und die Gruppe, Aufständische aus den unterirdischen Kanälen zu retten. Ohne jegliches Pathos formuliert der Film die Frage nach politischer und persönlicher Verantwortung – ein früher Tauwetterfilm.

KANAL (1956) Fernab der offiziellen, stalinistischen Geschichtsinterpretation und -darstellung zeichnet Wajda die Niederlage einer polnischen Widerstandgruppe in den letzten Tagen des Warschauer Aufstandes. Als ihre Position in der Vorstadt nicht mehr zu halten ist, steigen auch sie in die weitverzweigte Warschauer Kanalisation ab. Ein Irrweg durch expressionistisch ausgeleuchtete Kanalgänge beginnt, die Ausmaße des Danteschen Infernos annehmen.

POPIÓŁ I DIAMENT (Asche und Diamant, 1958) Wajda und der polnische Film finden mit ASCHE UND DIAMANT endgültig internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Die Geschichte eines Bruderkriegs spielt sich innerhalb weniger Stunden am 8. Mai 1945 ab. Maciek, ein national gesinnter ehemaliger Untergrundkämpfer (Zbigniew Cybulski) bereitet ein Attentat auf einen führenden Kommunisten vor. Zur gleichen Zeit wird die Siegesfeier vorbereitet. Kriegsprofiteure und Karrieristen beschließen das Fest mit einer Polonaise, während Maciek den Bezirks-Sekretär erschießt und dann selbst erschossen wird. Vorfilm: PAPARAZZI (Piotr Bernaś, 2011, 5.12., zu Gast: Piotr Bernaś).

POPIOŁY (Legionäre, 1965) Der Verlust der staatlichen Souveränität und die Aufteilung Polens zwischen Preußen, Russland und Österreich Ende des 18. Jahrhunderts ist eines der kollektiven polnischen Traumata. Vor diesem Hintergrund und basierend auf einem Roman von Stefan Zeromski, der den Glauben an ein zukünftiges Polen formuliert, entwirft Wajda ein monumentales Fresko um eine Gruppe von polnischen Adligen, die in Napoleon den Befreier Polens sehen, deren Hoffnungen jedoch enttäuscht werden.

KRAJOBRAZ PO BITWIE (Landschaft nach der Schlacht, 1970) Der Krieg ist vorüber, ein KZ wird befreit, die ehemaligen Häftlinge werden in ein DP-Camp umquartiert. Doch das Erlebte legt sich wie ein Schatten über ihre Gegenwart und Zukunft, Kampf, Gewalt und Rache bestimmen auch im neuen Lager ihr Leben. Dennoch entwickelt sich eine vorsichtige Beziehung zwischen einer Jüdin und dem Intellektuellen Tadeusz (Daniel Olbrychski). Als sie unabsichtlich erschossen wird, flüchtet er sich in Zynismus und verlässt das Camp. Eine stark ästhetisierte, ausgewaschen anmutende Anfangssequenz verbildlicht das Grundmotiv des Films: den Verlust der menschlichen Identität in der Unmenschlichkeit der Lebensbedingungen im KZ.

SAMSON (1961) Die alttestamentarische Legende von Samson, der sich gegen seine Unterdrücker auflehnt und mit ihnen stirbt, dient als titelgebender Referenzpunkt für die Geschichte des jüdischen Studenten Jacub Gold in Polen vor und während des Zweiten Weltkriegs. Aus dem Gefängnis entlassen, folgt er seiner Mutter ins Ghetto, kann von dort fliehen, findet Unterschlupf und Anschluss an eine Widerstandgruppe in einer illegalen Druckerei, bis diese von deutschen Soldaten gestürmt wird. Ausgehend von Jacubs allmählicher Wandlung mündet der Film in ein Nachdenken über das Verhältnis von Individuum und Geschichte.

BEZ ZNIECZULENIA (Ohne Betäubung, 1978) Im Mittelpunkt dieser Zustandsbeschreibung Polens Ende der 70er Jahre steht der erfolgreiche Journalist Jerzy, der über die Anforderungen seines Berufs die politischen wie auch die privaten Zeichen der Zeit aus den Augen verliert. Seine Unfähigkeit sich anzupassen führt mit beklemmender Zwangsläufigkeit zur persönlichen und beruflichen Niederlage. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Diktat falscher Ideale, dem Konformismus und der Mittelmäßigkeit.

POLOWANIE NA MUCHY (Fliegenjagd, 1969) Diese groteske Karikatur des polnischen Kulturbetriebs ist eine von Wajdas zwei Satiren. Ein gescheiterter Student wird zum Opfer des übersteigerten Ehrgeizes seiner Geliebten, seiner Schwiegereltern und seiner Ehefrau, die einen anerkannten Übersetzer aus ihm machen und ihn in die "Kultur-Schickeria" einführen wollen. Eine Erkundung der Condition Humaine im Mantel der Gesellschaftskomödie. Vorfilm: PRZEKŁADANIEC (Rollkuchen, Polen 1968, 10.12.) Die kurze Science-Fiction-Komödie von überraschender Aktualität basiert auf einer Erzählung von Stanislaw Lem: Einem Rennfahrer werden nach Unfällen diverse Organe transplantiert, was bei ihm zu einer umfassenden Identitätsverwirrung führt. Ein Bild der Welt Warschauer Intellektueller – voller Gags, Cartoons und Karikaturen.

CZŁOWIEK Z ŻELAZA (Der Mann aus Eisen, 1981) In der Fortsetzung von MANN AUS MARMOR schildert Wajda den politischen Umschwung Anfang der 80er Jahre aus dem Blickwinkel eines opportunistischen Reporters, der die Biografie eines der Streikführer recherchiert. "Unsere Idee war es, die Ereignisse des August 1980 aus dem Blickwinkel des August 1980 zu erzählen." (A.W.) Die Unmittelbarkeit in der Darstellung der Streikwelle des "Polnischen Augusts" findet in der nervösen Intensität der Bilder, der fragmentarischen Narration, dem Zusammenfügen unterschiedlicher Bildebenen ihren überzeugenden formalen Ausdruck.

WESELE (Die Hochzeit, 1973) Werkgetreue Adaption des berühmten Dramas von Stanisław Wyspiański über die verlorene Identität und den Mythos Polens. Auf zwei Ebenen entfaltet sich das um die Jahrhundertwende angesiedelte Geschehen: Der schwelgerischen Hochzeit eines Dichters und einer Bauerntochter wird eine surreale Phantasmagorie in Form einer Zwiesprache der Hochzeitsgäste mit Gestalten der polnischen Geschichte zur Seite gestellt. Es entfaltet sich ein mythischer Reigen, ein entfesselter Rausch.

PANNY Z WILKA (Die Mädchen von Wilko, 1979) Als Wiktor Ruben (Daniel Olbrychski) nach 15 Jahren wieder in das ländliche Wilko zurückkehrt, beginnt für ihn und die Schwestern eines benachbarten Gutes eine Reise in die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit: einen gemeinsam verbrachten unbeschwerten Sommer. Im Blick zurück verschmelzen die Zeitläufe, spitzen sich Träume und Hoffnungen noch einmal zu. Eine elegisch-melancholische Reflexion über eine verlorene Generation.

BRZEZINA (Birkenhain, 1970) Ein so stilles wie stimmungsvolles Kammerspiel um zwei ungleiche Brüder: den zurückgezogenen Witwer Bolesław, der mit seiner Tochter auf dem Land lebt, und den lebenslustigen, aber todkranken Stanislaw, der aus der Schweiz in die Heimat zurückkehrt, um hier zu sterben.

ZIEMIA OBIECANA (Gelobtes Land) Monumentales Gesellschaftspanorama der Textilmetropole łodz Ende des 19. Jahrhunderts, eines Brennpunkts der sich rasant entwickelnden Industriellen Revolution. Drei Glücksritter wollen am ökonomischen Aufbruch teilhaben und gründen eine Fabrik. Zunehmend skrupellos verfolgen sie ihr Ziel: Geld, Macht und Besitz. Basierend auf dem Roman des Nobelpreisträgers W. S. Reymont führt Wajda eine Vielzahl von unterschiedlichen Figuren in einem brodelnden, erbarmungslosen Hexenkessel zusammen und zeigt eine Gesellschaft am moralischen Abgrund.

CZŁOWIEK Z MARMURU (Der Mann aus Marmor, 1977) Eine Meditation über Entdecken und Verdrängen und das Potential des Films zur ideologischen Manipulation. Wajda setzt die unmittelbare Gegenwart der 70er Jahre mit den Jahren des sozialistischen Aufbaus in Verbindung, verschachtelt die Zeitebenen mittels Rückblenden und Archivmaterial. Wie ein Mosaik setzt die junge Regisseurin Agnieszka (Krystyna Janda) unterschiedliches Material zusammen, um das Leben eines einstigen "Helden der Arbeit" zu rekonstruieren, der nach einem Unfall abgeschoben wird. Die Verdrängung des einst gefeierten Helden in den 50er Jahren findet in der Abwehrhaltung des Fernsehredakteurs, den Agnieszka mit ihren Entdeckungen konfrontiert, 20 Jahre später ihre Entsprechung.

WSZYSTKO NA SPRZEDAŻ (Alles zu verkaufen, 1969) "Ein Film über das Unvermögen, einen Menschen ohne seine Anwesenheit zu fassen." (A.W.) Wajdas sehr persönliche Hommage an den emblematischen Schauspieler Zbigniew Cybulski, den polnischen James Dean, wird zum Dokument seiner Trauerarbeit aber auch einer Selbstbefragung und persönlichen Bestandsaufnahme. In diesem Film-im-Film werden die Dreharbeiten von der Nachricht des Todes des Hauptdarstellers jäh unterbrochen. Unsicher, wie er mit dem Verlust umgehen soll, gerät der Regisseur in eine tiefe persönliche und kreative Krise.

TATARAK (Der Kalmus, 2009) Eine andere filmische Form der Auseinandersetzung mit dem Verlust eines Menschen, in diesem Fall des Kameramanns Edward Kłosiński, finden Krystyna Janda, Kameramann Pawel Edelman  und Wajda in DER KALMUS. Fließend gehen die drei Ebenen des Films ineinander über: reduzierte Sequenzen, in denen Janda sich an die letzten Tage mit ihrem Mann erinnert, Set-Aufnahmen der Dreharbeiten und die eigentliche Spielfilmhandlung über die brüchige Idylle des letzten Sommers einer sterbenskranken Frau. Variationen des Umgangs mit Vergänglichkeit, Tod und Trauer. Vorfilm: TRÓJKA DO WZIĘCIA (Three for the Taking, Bartosz Konopka, 2007, 18.12.)

KORCZAK (Andrzej Wajda, Polen/BRD 1990) Eine Verschränkung von zeitgenössischen Wochenschauen und zurückgenommenen Schwarzweißaufnahmen bildet den Hintergrund der Geschichte des polnisch-jüdischen Kinderarztes und Pädagogen Korczak, der im Warschauer Ghetto ein Waisenhaus leitet und trotz aller Widrigkeiten den Geist von Menschlichkeit und Toleranz aufrechtzuhalten versucht. 1942 soll das Heim aufgelöst, die 200 Kinder sollen deportiert werden. Korczak begleitet sie in den Tod. Offene Waggons und Kinder, die sich im Herbstnebel verlieren, sind die letzten Bilder des Films. "Der Absprung vom Zug der Geschichte evoziert das Schlimmste, das in Nacht und Nebel sich verbarg." (Karsten Witte)

LAS KATYŃSKI (Der Wald von Katyn, Marcel Łoziński, Andrzej Wajda, Polen 1990) Früher Fernsehdokumentarfilm über das Massaker von Katyn, das sich auf Archivbilder, Zeugenaussagen und die Erinnerung der Beteiligten stützt.

KATYŃ (Das Massaker von Katyn, 2007) Die von Stalin verordnete Ermordung von 22.000 polnischen Offizieren, Polizisten und Intellektuellen – darunter Andrzej Wajdas Vater – im Wald von Katyn im Frühjahr 1940 gehört zu den großen Traumata der jüngeren polnischen Geschichte. Die Sowjets lasteten das Massaker jahrzehntelang der deutschen Wehrmacht an, bis Jelzin 1992 die Archive öffnete. In seinem Spielfilm nähert sich Wajda dem lange tabuisierten Geschehen mit Bedacht: Während und nach dem Krieg machen sich verschiedene Hinterbliebene auf die Suche nach Vätern, Söhnen, Brüdern und der Wahrheit, die zwischen vermeintlich übergeordneten Interessen zerrieben wird.

NASTASJA (Polen/Japan 1994) Wajdas filmische Bearbeitung des letzten Kapitels von Dostojewskis Der Idiot geht auf das Zusammentreffen mit dem japanischen Kabuki-Theaterstar Tamasaburo Bando zurück, der für seine Darstellung weiblicher Rollen berühmt ist. In NASTASJA verkörpert er zunächst Fürst Myschkin, der gemeinsam mit Rogoshin Wache am Totenbett der geliebten Nastassja hält. Im Verlauf der Totenwache verliert sich Myschkin in der Erinnerung an die Verstorbene und nimmt die Gestalt der titelgebenden Protagonistin an.

ZEMSTA (Rache, 2002) Zwei verfeindete Nachbarn müssen erkennen, dass ihre Kinder heiraten wollen. Als unbeabsichtigtes Gegenstück zu Mickiewicz' PAN TADEUSZ gibt die Gesellschaftskomödie des polnischen Bühnenautors und Dichters Fredro aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wesentlich weniger heroischen, aber umso humorvolleren Eindruck des polnischen Landadels, dargestellt von Roman Polański, Janusz Gajos und Daniel Olbrychski.

PAN TADEUSZ (1998, 23.12.) "Unverfilmbar!" hieß es lange Zeit in Bezug auf das identitätsstiftende polnische Nationalepos in Versform von Adam Mickiewicz. Wajda behält den polnischen Alexandriner des nationalen Heiligtums bei, findet schwelgerisch opulente Bilder und große Schauspieler (Bogusław Linda, Daniel Olbrychski, Grażyna Szapołowska). Die Handlung – eine Familienfehde wird angesichts der Bedrohung durch russische Truppen beigelegt – spielt an wenigen Tagen Anfang des 19. Jahrhunderts und kulminiert wie so oft bei Wajda in der Polonaise, im symbolhaften Reigen, in dem Zeitläufe, Mythen und Legenden zu verschmelzen scheinen.

P.S. - Russische Finsternis -

Erinnern wir uns!

Alexander Litvinenko
"The Litvinenko Inquiry - Report info the death of Alexander Litvinenk."
Litvinenko-Inquiry-Report-web-version.pd[...]
PDF-Dokument [2.5 MB]

Nowaja Gazeta: Wie Boris Nemzow

ermordet wurde

"Die Welt muss innehalten -

 

und damit beginnen,

 

sich nicht über Ausrottungskoalitionen

 

zu verständigen,sondern über

 

den eigenen Fortbestand.

 

Früher oder später wird  der Wettlauf

 

des Wahnsinns,dessen Augenzeugen

 

wir heute sind, natürlich dazu führen.

 

Fragt sich nur,um den Preis welcher Opfer"

 

Anna Politkowskaja -18.März 2004