19. /20. März 2019

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Edgar Rice Burroughs

 

69. Todestag

 

Edgar Rice Burroughs wurde am 1. September 1875 in Chicago,

Illinois geboren und starb am 19. März 1950 in Encino, Kalifornien.

Er war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Burroughs wurde bekannt als Erzähler diverser fiktionaler Abenteuergeschichten der Trivial-literatur, die sich vor allem dem frühen Fantasy- und Science-Fiction-Genre zuordnen  lassen.

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Werke u.a.

 

1924 Tarzan bei den Affen

1924 Tarzans Rückkehr in den Urwald

1924 Tarzans Tiere

1924 Tarzans Sohn

1925 Tarzan und der Schatz von Opar

1925 Tarzans Dschungelgeschichten

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Tarzan

 

Tarzan of the Apes (dt. Tarzan bei den Affen), Burroughs zweite Geschichte, ist nicht der Science Fiction zuzurechnen, Tarzan ist ein reiner Abenteuerroman. Tarzan, eigentlich Lord Greystoke, ist der Herrscher des Dschungels, von Affen großgezogen und deren Spra-

che sprechend. Tarzan ist Vorbild für zahlreiche Nachahmer gewor-

den und wurde unzählige Male verfilmt, zuerst im Jahr 1918 als Tarzan bei den Affen. Darsteller des Tarzan waren unter anderem Buster Crabbe, Johnny Weissmüller und Lex Barker. Burroughs schrieb im-

mer weitere Fortsetzungen, insgesamt mehr als zwanzig Romane,

über den Helden des Dschungels, die zum Teil postum erschienen.

(WIKIPEDIA)

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In meiner Kinderzeit wohnten wir in der Berliner Tilsiter Strasse. Aus einer kleinen Ladenbibliothek des Herrn Lisowski las mein Vater viele Romane. Man musste drei Bücher hinterlegen und bekam drei Bücher ausgeliehen. Mein Vater nahm meinen Bruder und mich oft mit. Man konnte hinter Herrn Lisowskis Rücken, auf einer Leiter stehend ,in

den Büchern herumschnüffeln. Alexandre Dumas DREI MUSKETIERE waren meine ersten Favoriten. Dann entdeckte ich TARZAN in drei-

zehn Bänden. Selbstverständlich schmökerte ich sie alle durch. Phantasiebilder von Herrn Lisowskis Bibliothek und TARZAN verfol-

gen mich bis heute in meinen Träumen. Die US-Filme mit Weissmül-

ler und Lex Barker mochte ich nicht. Zu platt, zu schmalzig.

Neues vom Meister des Widerspruchs

 

Alexander Kisslers klare Kante

 

Scharfzüngig und debattenfreudig

 

Tacheles statt Täuschung

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Phrasen regieren uns. Sie täuschen etwas vor, was nicht da ist: einen klugen Gedanken, eine tiefe Einsicht, eine hohe Moral. Sie sind Behauptungen, denen nicht auf den Grund gegangen werden soll, rhetorisches Lametta fast ohne Substanz.


Alexander Kissler, bekannt scharfzüngiger Autor im politischen Berlin, greift zum Rasiermesser der Logik und seziert die Begriffe hinter

den Worten, die Mechanik hinter der Rhetorik, den Sinn jenseits

des Unsinns. Humorvoll, pointiert und elegant stößt er das allgegenwärtige große Blabla vom Thron. Fünfzehn exemplarisch ausgewählten Sätzen von „Wir schaffen das“ bis zu „Das ist alternativlos“ verweigert er die Gefolgschaft.

 

»Wen beim freihändigen Gebrauch politischer Phrasen eine leichte Übelkeit erfasst, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Nach der

Lektüre ist einem, wie bei einem guten Tonikum, bedeutend wohler.«
Jan Fleischhauer

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LESERSTIMMEN

 

»[...]ein lesenswertes Buch über die leere Sprache vieler Politiker«

Alexander Kissler, Kulturchef des Magazins „Cicero“ beginnt das

Buch mit einer klaren Ansage: „Wer über die Worte bestimmt,

der beherrscht das Denken: Wer ein neues Denken etablieren

will, muss den Worten einen neuen Sinn geben.“ Er nimmt in dem

Buch 15 politische Phrasen auf etwa 200 Seiten auseinander, mit

denen gezielt versucht wird, das Denken in eine gewünschte Bahn

zu lenken. Es hat sich dabei Phrasen der letzten vier Jahre vorge-nommen. Mir gefielen dabei vor allem die Auseinandersetzungen

mit den Unsinn-Aussagen von Kanzlerin Merkel – „Wir schaffen das“ und „Das ist alternativlos“. Dabei merkt man so richtig, wie oft Frau Merkel absurdes und unlogisches formuliert und dies auch immer wiederholt. Die meisten der Phrasen sind alltäglich im medialen All-

tag und der politischen Argumentation; sie werden von den Bürgern nicht hinterfragt und akzeptiert. Mir fehlen am Ende Vorschläge, wie man es besser machen könnte und vielleicht würde ein Quellenver-zeichnis der vielen Zitate das Buch abrunden. Das Buch hat sich zu Beginn kurzweilig gelesen, phasenweise auch ironisch, zum Ende hin wurde es langatmig; vielleicht lag dies an den vielen Zitaten. Ich fand das Buch trotz allem lehrreich und interessant. Das Cover des

Buches finde ich gelungen.

 

Hallo Interessierte!

 

Mehr als zweieinhalb Jahre

 

forschte ich  in Archiven und

 

Bibliotheken für ein

 

schwieriges Buchprojekt.

 

Die Textarbeit ist ein

 

kompliziertes Puzzle aus

 

Dokumenten, Erinnerungen

 

und Interviews nach 52 Jahren

 

Theater - Film - und Medienarbeit.

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Vom Fortgang  werden

 

Sie hier mehr erfahren.

 

 

Peter Krüger

 

Biografisches

 

THEATERARBEIT AUS DER

 

ERINNERUNG

 

 

BERLIN

 

Invalidenfriedhof 1990

 

im Bereich der Mauer

 

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Zum zweiten Male, nach 1979

 

auf der Wilhelmsburg im

 

thüringischen Schmalkalden,

 

mit einer Verbots - Aktion

 

der Staatssicherheit,

 

näherten wir uns im Sommer

 

1990  auf dem geschundenen

 

Berliner  Invalidenfriedhof

 

in der Scharnhorststrasse

 

den Hyperion - Texten

 

von Friedrich Hölderlin.

 

Über die Gräberfelder

 

war das barbarische

 

DDR - Grenzregime

 

gebaut worden.

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"Barbaren von Alters her, durch Fleiss

und Wissenschaft und selbst durch

Religion barbarischer geworden,

…das  waren meine Tröster."

 

"Es ist ein hartes Wort und dennoch sag’

ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein

Volk mir denken, das zerrissner wäre, wie

die Deutschen. Handwerker siehst du,

aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinander liegen, indessen das vergossne Lebensblut im Sande zerrinnt?…"

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"...Es ist auf Erden alles unvollkommen,

ist das alte Lied der Deutschen. Wenn

doch einmal diesen Gottverlaßnen einer

sagte, daß bei ihnen nur so unvollkom -

men alles ist, weil sie nichts Reines unverdorben, nichts Heiliges unbetastet

lassen mit den plumpen Händen, daß bei

ihnen nichts gedeiht, weil sie die Wurzel

des Gedeihns, die göttliche Natur nicht

achten, daß bei ihnen eigentlich das

Leben schal und sorgenschwer und

übervoll von kalter stummer Zwietracht

ist, weil sie den Genius verschmähn, der

Kraft und Adel in ein menschlich Tun,

und Heiterkeit ins Leiden und Lieb und Brüderschaft den Städten und den

Häusern bringt..."

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"Und darum fürchten sie auch den Tod so

sehr, und leiden, um des Austernlebens

willen, alle Schmach, weil Höheres sie

nicht kennen, als ihr Machwerk, das

sie sich gestoppelt..."

 

Friedrich Hölderlin

 

HYPERION

 

Cornelia Heyse - DIOTIMA

Mathis Schrader - HYPERION
Axel Poike  - HYPERION II

Peter Krüger - REGIE

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Wir spielten im August 1990

acht Vorstellungen auf dem

Invalidenfriedhof und

drehten einen Film:

 

HYPERION - FRAGMENTE

 

 

 

Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei Dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.

Wie von Göttern gesandt, fesselt’ ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber gieng,
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien

Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebene zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn, es sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehen,
In die Fluten der Zeit sich wirft.

 

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Hölderlin-Schock

 

"Im Salon des Münchner Verlegers Bruckmann lernte Rainer Maria Rilke

1910 den jungen Philologen Norbert von Hellingrath (1888 bis 1916) kennen. Hellingrath hatte gerade in Georges Zeitschrift "Blätter für die Kunst" Hölder-

lins Pindar-Übertragungen veröffentlicht und begonnen, Hölderlin, den im neunzehnten Jahrhundert vergessenen Dichter, in die deutsche Literatur einzuführen. Eine historisch-kritische Ausgabe in sechs Bänden, die erste

für Hölderlin, sollte folgen: Ende 1912 wurde der fünfte Band mit den Über-tragungen ausgeliefert, im September 1913 erschienen im ersten Band die Jugendgedichte und Briefe, und im Juni 1914 lag schon der vierte Band mit

den Gedichten aus den Jahren zwischen 1800 und 1806 vor, "Herz, Kern

und Gipfel des Hölderlinischen Werks", wie Hellingrath in der Vorrede

schrieb.Rilkes intensive Lektüre Hölderlins hatte, vermittelt durch den

neuen Freund, 1913 eingesetzt: "sein Einfluß auf mich ist groß und groß-

müthig wie nur der des Reichsten und innerlich Mächtigsten es sein kann", schreibt er Hellingrath. Kaum einem Dichter hat er diese Stellung über sich eingeräumt. Und als Rilke in den letzten Julitagen des Jahres 1914 die

späten Gedichte liest, erlebt er als "Hölderlin-Schock" (Bernhard Böschen-

stein) den Kriegsausbruch. Die "Fünf Gesänge", in den ersten Augusttagen 1914 notiert, sowie das Gedicht "An Hölderlin", das er im September 1914 abschloss, sind Euphorie und Kritik in einem und gerade nicht Kritik einer vorgängigen Kriegsbegeisterung, in der sich Hellingrath sofort freiwillig gemel-det hatte. (Nach Hellingraths Tod - er fiel 1916 vor Verdun - führten Ludwig

von Pigenot und Friedrich Seebaß die Ausgabe nach dem Ersten

Weltkrieg zu Ende.)

 

Die Freundschaft, die sich zwischen Hellingrath und Rilke entfaltete, hatte

zum Gegengewicht Rilkes Radikalität in seinen Texten, die Hellingrath selbst spürte; seiner Vertrauten Marie von Sladovich schrieb er: "dabei weiß ich so

gut wie immer dass eine welt mich trennt von ihm, und dass in solcher tren-

nung fast feindschaft ist, aber solche feindschaft bleibt im werk und legt sich

gar nicht zwischen die menschen." Rilkes Lektüre Hölderlins, in den Gedich-

ten reflektiert, bleibt der Demut des Herausgebers und seiner Leser strikt entgegengesetzt. Hellingrath behauptet, wie sein Meister Stefan George,

seine Haltung als ästhetisches Programm gegen Rilkes riskante, intellektu-

elle Form. Vor diesem Horizont ist Klaus Bohnenkamps wichtige Edition der sechzehn Briefe zwischen Rilke und Hellingrath zu beurteilen, denn in seiner dichten Dokumentation gehen die Briefe und ihr Sinn - als Kern einer Freund-schaft, die sich im Schriftlichen in ihr Gegenteil verkehrt - unter.Auf dem

Spiel stand zuletzt Rilkes eigene Begründung aus der französischen Literatur. Mochte George Novalis und später eben Hölderlin an die Stelle Mallarmés setzen, im Sinn seiner nationalen Literaturpolitik gegen das "reine" Intellektu-elle, führt Rilke Hölderlin in eine französische Tradition ein, die er von Maurice de Guérin über Flaubert und Proust zu Paul Valéry zieht. Ihr Kennzeichen ist eine Prosa, die zugleich realistisch und geschlossen ist und für die die Maxime gilt: je geschlossener der Raum, umso realistischer die "dargestellte" Welt.“

 

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

17.Dezember 2008

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Friedrich Hölderlin, einst der Liebling national bewegter -- und dann links "progressiver" -- Jugend, ist am Exil

der Klassiker-Regale angekommen.

 

So wird der Blick frei auf die

Schönheit seiner Sprache.

 

Eine Hölderlin-Zeit ist unser frühes einundzwanzigstes Jahrhundert gewiss

nicht. Das mit hoher affektiver Intensität geladene Pathos der Oden und Hymnen

von Friedrich Hölderlin kann leicht Re-aktionen von Peinlichkeit in einer Gegen-

wart auslösen, deren eigene Lyrik gerne

auf Gesten der Ironie und des grotesken Zitats, der Untertreibung und des Mini-malismus setzt. Seine idealistischen Träu-

me von nationaler Einheit und bürger-

licher Freiheit haben lange schon Verwirk-lichungen in einem politischen Alltag ge-funden, den wir keinesfalls mehr als erfüll-

te Utopie erleben, sondern eher als eine selbstzufriedene und bestenfalls ganz nor-male Welt. Hölderlins enthusiastischen Glauben an den Fortschritt als zuverlässige und zugleich euphorisierende Energie der Geschichte schließlich haben die ver-gangenen Jahrzehnte ersetzt mit der Pragmatik eines zur beständigen Lebensbedingung gewordenen

Krisen-Managements.

 

Hans-Ulrich Gumprecht

Frankfurter Allgemeine Zeitung

25. Oktober 2014

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Hans Ulrich Gumbrecht , der Literaturwissenschaftler, der an der Universität Stanford Komparatistik lehrt, sprach an der Hochschule der Künste

über „Hölderlin nach dem Zeitalter der Ide-ologien“ und betonte dabei „die heraus-fordernde Fremdheit seiner Sprache“. Also beschloß der Journalist Reto Klar, der im Lehrer-Staatsexamen eine Arbeit über Hölderlin schrieb und nach dem Studium

eine Fahrradtour auf den Spuren des Dich-ters unternahm, den Professor nur zu Hölderlin zu befragen.“

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„…Die Welt : Als ich studierte, war Hölderlin ein tragischer Revolutionär. Ein Jakobiner, der vor den reaktionären Verhältnissen in

den Wahn flüchtete. Mit diesem Hölderlin können oder wollen Sie nichts anfangen.

 

Hans Ulrich Gumbrecht: Natürlich war Höl-derlin, wie Hegel und auch Kant, beein-

druckt von der Französischen Revolution. Das war für sie die Zukunft. Und als Hölder-lin Hauslehrer in Frankfurt war und seine Liebesaffäre mit Susette Gontard hatte, da gab es nebenan die Mainzer Republik. Höl-derlin hatte Kontakt zu deutschen Jako-binern, sein bester Freund Sinclair stand

als Radikaler unter polizeilicher Beob-achtung. Aber ich halte es für einen Irrtum, die hölderlinsche Lyrik allein oder vor al-

lem durch diese politische Haltung er-schließen zu wollen. Denn diese Lyrik geht aus einer Reihe von zentralen Spannungen hervor, die Hölderlin in einem geradezu kosmischen Diskurs miteinander zu vermitteln versucht. Das gelingt ihm nicht. Aber gerade dieses Scheitern ist Bedin-

gung seiner Größe. Hölderlins Gedichte

sind eben nicht nur politisch, sonst wären

sie so langweilig wie die jakobinischen Gesangsbücher, die es ja tatsächlich gibt.

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…Ich will also nicht sagen, dass ein Revolutionär kein großer Lyriker sein kann. Aber die Spannungen, in denen Hölderlin stand, berührten ihn in seiner individuellen Existenz und zerstörten ihn am Ende. Selbst wenn Hölderlin ein Jakobiner war: Ihn als Jakobiner lesen reduziert die Lyrik auf eine Dimension. Sie ist komplexer.

 

Die Welt: Man kann das Revolutionäre

aber auch nicht ausblenden. Im „Ersten Systemprogramm des deutschen Idealis-mus“ heißt es: „Jeder Staat muss freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht: also soll

er aufhören.“ Das ist ja mehr als jakobi-

nisch. Das ist …

 

Gumbrecht: Das ist tendenziell anarchis-tisch. Das ist auch tendenziell „libertarian“

im Sinne von Silicon Valley

 

Die Welt: Sie nehmen mir meine Schlusspointe vorweg.

 

Gumbrecht: Ich wohne ja da. Stanford,

meine Universität, geht geografisch und mental bruchlos in die elektronische Szene von Palo Alto über. Die Parallele zur wahr gewordenen kalifornischen Utopie hat mich bei der Lektüre des „Systemprogramms“ überrascht, ja schockiert. Aber so hat Höl-derlin wohl gedacht: Alle institutionellen Formen sollen nur Vorläufer eines utopisch Besseren, einer vollkommeneren

Form von Freiheit sein…“

 

Reto Klar

Im Interview mit

Hans Ulrich Gumbrecht

DIE WELT - ONLINE

welt.de

 

ZEITSPRUNG 2012

 

Deutsche Tage

 

in Inguschetien

 

Tage mit Bertolt Brecht

 

10. bis 17.  September 2012

 

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Die Ausstellungseröffnung war in

 

Karabulak mit dem Brechtabend

 

AN DIE NACHGEBORENEN

 

unter meiner Leitung

 

gespielt von Akteuren des

 

Dramatischen Theaters

 

in Inguschetien.

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Bertolt Brecht

 

Lob der Dialektik

 

Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:
Jetzt beginne ich erst.

Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
Was wir wollen, geht niemals.
Wer noch lebt, sage nicht - niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben
Werden die Beherrschten sprechen.
Wer wagt zu sagen: niemals?

An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird? Ebenfalls an uns.
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen
Und aus Niemals wird: Heute noch!

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Bertolt Brecht

Das Lied von der Suppe

 

Wenn du keine Suppe hast
Willst du dich da wehren?
Da musst du den ganzen Staat
Von unten nach oben umkehren

Bis du deine Suppe hast.
Dann bist du dein eigener Gast.

 

Wenn für dich keine Arbeit zu finden ist
Da musst du dich doch wehren!
Da musst du den ganzen Staat
Von unten nach oben umkehren
Bis du dein eigener Arbeitgeber bist.
Worauf für dich die Arbeit vorhanden ist.

 

Wenn man über eure Schwäche lacht
Dürft ihr keine Zeit verlieren
Da müsst ihr euch kümmern drum
Dass alle, die schwach sind marschieren
Dann seid ihr eine große Macht.
Worauf keiner mehr lacht.

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ZEITSPRUNG  2018

 

19. September 2018

 

Bibliothek der Universität in Magas,

Hauptstadt der Republik Inguschetien.

Eröffnung der Ausstellung

 

Bertolt Brecht

 

An die Nachgeborenen

 

Poster, Programmhefte, Bücher, Fotos

über die Arbeit des Berliner Ensembles

1949 – 1990.

 

Die Schau basiert auf Karl-Heinz Dreschers Tätigkeit.Er war 37 Jahre Grafiker und

Chef der Werbung für das

Berliner Ensemble.

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AN DIE NACHGEBORENEN

 

„…In die Städte kam ich zu der Zeit der Unordnung
Als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs
Und ich empörte mich mit ihnen.

So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legt ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit
Die Sprache verriet mich dem Schlächter
Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.


       Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

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Auf den zwei Fotos unten im Foyer

 

der Universität von Magas.

 

Eröffnungstag der Ausstellung.

 

Poster, Programmhefte,

 

Bücher, Fotos u.v.a.

 

über die Biografie des

 

deutschen Dichters

 

BERTOLT BRECHT.

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Lolita Gagieva

 

fotografierte die Ausstellung.

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Während der Ausstellungs -

 

Eröffnung meldete ich mich

 

über SKYPE aus Bertolt Brechts

 

letzter Wohnung in der Berliner

 

Chausseestraße 125.

 

Ich zeigte den Besuchern

 

in Magas die Wohnräume,

 

das Haus von aussen und

 

auf dem benachbarten

 

Friedhof die Gräber der

 

Brecht-Familie, von seinen

 

Geliebten und Mitarbeitern.

 

Madina Chadzieva übersetzte

 

unsere Brecht - Exkursion.

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Auf den zwei Foto sehen Sie

 

Lolita Gagieva,

 

sowie Sudenten bei der

 

Ausstellungs - Eröffnung

 

Aischylos / Goethe

 

Prometheus

 

im Kaukasus

 

2014 in Nazran / Inguschetien

 

 

Prometheus im Kaukasus

 

Murat Sampiev in der Titelrolle

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Prometheus erster Monolog im Vorspiel:

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

Prometheus

 

(Späte Fassung)

 

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Gluth
Du mich beneidest.

 

Ich kenne nichts Aermeres
Unter der Sonn', als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Thoren.

 

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte wo aus noch ein,
Kehrt' ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär'
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz, wie mein's,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

 

Wer half mir
Wider der Titanen Uebermuth?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverey?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?

 

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Thränen gestillet
Je des Geängsteten?


Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,


Weil nicht alle
Blüthenträume reiften?

Hier sitz' ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sey,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

 

Textfassung und Regie: Peter Krüger

 

Mein Buch hat unter

 

vielem anderen auch

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die Theater - und Filmarbeiten

 

in Inguschetien und

 

Tschetschenien zum Inhalt.

 

 

2012 - Im Gespräch

 

mit dem inguschetischen

 

Präsidenten Junus-Bek Evkurov

 

 

PROMETHEUS IM KAUKASUS

 

Im neu renovierten

 

Kulturhaus von Nazran

 

war am 27. März 2014,

 

dem Welttag des Theaters,

 

unsere Premiere.

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Der Tanz der Skythen

 

bevor Prometheus

 

im Kaukasus eintrifft.

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In der Choreografie

 

RUSLAN GADABORCHEVS war

 

das Nationale Tanzensemble 

 

Inguschetiens unser

 

Arbeitspartner für die

 

schwierigen Tänze nach

 

der Musik von Carl Orff.

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Mehr erfahren Sie auf den Seiten:

 

KAUKASUSARCHIVE 1 bis 3

 

links oben

 

Über meine

 

Theaterfahrten

 

2004 - 2017

 

unter anderem

 

nach Nazran, Grozny,

 

Wladikawkas

 

Belarus und Moskau

 

berichte ich ausführlich.

 

 

Peter Krüger

 

UNTERWEGS

 

(Fotoreihe von oben)

 

2004 -  April/Mai in Nazran/Inguschetien

 

Proben und Premiere  meiner Inszenierung

 

von Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder"

 

im   National -Theater "I.Basorkin".

 

Es spielten tschetschenische und

 

inguschetische Akteure.

 

 

2014 - Grozny / Tschetschenien

 

Im wiederaufgebauten

 

Dramatischen Theater

 

traf ich u.v.a. die Schauspielerin

 

Aset Murtasalieva.

 

Sie spielte Hauptrollen

 

(1998, 2000 und 2002)

 

in den von mir organisierten

 

Gastspielen des Dramatischen

 

Theaters aus Grozny in

 

Deutschland.

 

 

2014 - Vor dem Bulgakow-Haus

 

mit Madina Chadzieva

 

im nordossetischen Wladikawkas.

 

 

2015 - Theaterfestival in Brest / Belarus

 

Vor dem Monument der Märtyrer

 

auf der Festung in Brest

 

 

2016 - Fomenko -Theater in Moskau

 

Szene aus Bertolt Brechts

 

MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER

 

Polina Kutepova - Mutter Courage

Ambarzum Kabanjan - Feldkoch

 

 

2017 - BART - THEATERSTUDIO

 

Probenarbeit für Michail Bulgakows

 

HUNDEHERZ

 

in Nazran / Inguschetien.

 

Mit Akteuren des inguschetischen

 

Dramatischen Theaters

 

Wir erarbeiteten eine TV-Fassung

 

Auf dem Foto von links:

 

Wacha Chadziev,

Rimma Kurskieva,

Zareta Gandaloeva,

Zulfija Kukurchoeva,

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2017 - November: Jacqueline Jacob

 

und ich lasen in Berlin-Moabit

 

aus meiner Theaterfassung

 

nach Michail Bulgakows Roman

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

 

2018 - 23. Februar erneut in Moabit mit

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

(Letztes Foto)

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2018 - 9. April  BUCHBASAR EINS

 

in Berlin - Moabit.

 

AUS DER WELT BERTOLT BRECHTS

 

Mutter Courage und ihre Kinder

 

Lesung und Film

 

Jacqueline Jacob und ich waren

 

wieder unterwegs.

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Mehr erfahren Sie auf den Seiten

 

KAUKASUSARCHIV 1 bis 3

 

links oben

 

MEMORIAL IN NAZRAN

 

Über die Deportation

 

des inguschetischen und

 

tschetschenischen Volkes

 

im Februar 1944

 

unter der Herrschaft  Stalins.

 

Am 23. Februar 2014, 70 Jahre nach der Deportation,

 

stellten wir in Nazran eine Lesung von Dokumenten

 

und Interviews mit inguschetischen Überlebenden

 

vor. Die Textauswahl und Darstellung war von mir.

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Jewgeni Jewtuschenko

 

STALINS ERBEN

 

(Erschienen 1962 in der PRAWDA)

 

„… Und Stalin/ erteilt wieder irgend jemandem seine Befehle./ wohin führt

die Leitung/ aus jenem Grab noch?/ Nein, Stalin ist nicht gestorben./ Den Tod hält er

für korrigierbar./ Wir haben ihn aus dem Mausoleum entfernt,/ Manche seiner Erben beschneiden nach ihrem Rücktritt Rosen,/ aber insgeheim glauben sie,/ daß der Abschied nur vorübergehend ist./ Manche beschimpfen Stalin sogar von der Tribüne herab,/ aber sie selbst trauern nachts den alten Zeiten nach./ Kein Zufall, daß die Er-

ben Stalins heute Herzinfarkte erleiden./ Ihnen, den Stützen von damals,/ gefallen

die Zeiten nicht,/ in denen die Lager leer sind,/ und statt dessen die Säle, wo man Gedichte hört,/ überfüllt sind./ Meine Hei-

mat hat mir befohlen, mich nicht ruhig-zustellen./ Möge man mir auch sagen,/ „Beruhige Dich!“,/ruhig kann ich nicht

sein./ Solange Stalins Erben/ noch auf

der Erde sind,/ scheint es mir,/ als sei

Stalin noch im Mausoleum geblieben.

 

Jewgeni Jewtuschenko

STICHOTVORENIJA, Moskau 2006.

Deutch von Jörg Baberowski

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Seit 1997 arbeite ich in den kleinen

 

nordkaukasischen Ländern u.v.a.für das

 

Dramatische Theater in Inguschetien

 

Solidarität für zwei Kollegen

 

 

Internationale Solidarität

 

für den russischen Regisseur

 

KIRILL SEREBRENNIKOW

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Sonntag 10. März 2019, 18.00 - 20.50 Uhr

 

 Staatsoper Hamburg

 

Großes Haus Premiere

 

Giuseppe Verdi

 

NABUCCO

 

Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme:

 

Kirill Serebrennikov
 

Mitarbeit Regie: Evgeny Kulagin
Mitarbeit Bühne: Olga Pavluk
Mitarbeit Kostüme: Tatyana Dolmatovskaya
Video: Ilya Shagalov
Fotografie: Sergey Ponomarev
Licht: Bernd Gallasch
Dramaturgie: Sergio Morabito
Chor: Eberhard Friedrich

 

Jerusalem ist besetzt, der jüdische Tempel zerstört, das hebräische

Volk ins verfeindete Babylon verschleppt. Im babylonischen Exil geht

der Kampf weiter, um Land, Glauben und die Freiheit des jüdischen Vol-kes. Machtgier lässt den Babylonierkönig Nabucco nach gottgleicher Herrschaft streben. Mit Wahnsinn gestraft, lässt ihn die Liebe zur eige-

nen Tochter Erlösung finden: Ein demütiger Ruf nach dem Gott der Hebräer bricht aus Nabucco heraus. Die Gedanken, auf goldenen Flü-

geln, erreichen den Himmel. Auf Erden geht die Suche nach gesell-schaftlicher Zugehörigkeit und religiöser Identität weiter. Eine im-merwährende Suche, die auch Jahrtausende nach dem gescheiterten Turmbau zu Babel, in Zeiten von internationaler Weltsprache und Menschenrechtsabkommen zu Gewalt und Unterdrückung führt.

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11. März 2019

Neue Zürcher Zeitung

 

Kirill Serebrennikow:

 

Wie viel Tagespolitik

verträgt die Oper?

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„Nach Mozarts «Così fan tutte» in Zürich legt der inhaftierte Regisseur Kirill Serebrennikow nun in Hamburg eine radikal gegenwartsbezo-

gene Sicht auf Giuseppe Verdis Freiheitsoper «Nabucco» vor. Das Ergebnis tut weh – und not.

 

Der Hype um ihn ist gross, und der Medienrummel noch grösser. In

den vergangenen anderthalb Jahren ist Kirill Serebrennikow zu einer Galionsfigur der Kunstfreiheit avanciert. Denn seit Sommer 2017 ist

der russische Regisseur in seiner Heimat unter Hausarrest gestellt.

Ihm wird vorgeworfen, Subventionen veruntreut zu haben. Viele Beobachter sehen darin jedoch einen Vorwand, um einen Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin mundtot zu machen. «Free Kirill», lautet deshalb das Motto – jetzt auch in Hamburg.

 

Schon Ende Januar hatte das hiesige Thalia Theater das Projekt

«Who is Happy in Russia?» gezeigt, ein Gastspiel von Serebrennikows Gogol Center in Moskau; jetzt folgte die Neuinszenierung von Giu-seppe Verdis «Nabucco» an der Hamburgischen Staatsoper. Weil Se-rebrennikow nicht persönlich zum Inszenieren an die Elbe kommen konnte und auch in seiner Kommunikation stark eingeschränkt wird, mussten – wie zuletzt bei Mozarts «Così fan tutte» am Opernhaus

Zürich – über Serebrennikows Anwalt Videobotschaften via USB-

Stick ausgetauscht werden. In Hamburg haben der Co-Regisseur Jewgeni Kulagin, der schon die Zürcher «Così» auf die Bühne

brachte, sowie Sergio Morabito, der frühere Chefdramaturg der

Oper Stuttgart, die Arbeit betreut.

 

Natürlich verkauft sich diese Geschichte exzellent. Schnell entsteht

der Eindruck, dass die Theater auf einen PR-trächtigen Zug aufsprin-gen, um von der medialen Aufmerksamkeit der «Causa Serebrenni-

kow» zu profitieren. Tatsächlich waren in Hamburg bereits vor der Premiere alle Vorstellungen ausverkauft, und der Vorverkauf für die Serie im Herbst wurde vorzeitig gestartet. Dieser Erfolg kann Miss-trauen wecken, aber: Wie schon bei der Zürcher «Così»-Produktion wurde Serebrennikow auch von der Hamburger Staatsoper bereits

2016 eingeladen, also lange vor der Verhaftung. Diese erfolgte 2017, inmitten der Endphase zur Inszenierung von Humperdinks «Hänsel

und Gretel» in Stuttgart.

 

Wichtiger ist freilich: Serebrennikow macht kein Agitationstheater:

Er provoziert nicht einfach, um propagandistisch auf seinen Fall aufmerksam zu machen. Dafür nimmt Serebrennikow die Werke

und die Welt viel zu ernst, so auch jetzt in Hamburg. Sein «Nabu-

cco» spielt bei den Vereinten Nationen, konkret im Sitzungssaal

des Sicherheitsrats und einigen angrenzenden Büros. Hier wird

um eine «neue» (also leider altbekannte) Weltordnung gestritten,

wobei sich die Kontrahenten unversöhnlich gegenüberstehen.

Aus Nabucco, dargestellt von Dmitri Platanias, wird ein assy-

rischer Autokrat, der an den syrischen Machthaber Baschar

Hafiz al-Assad erinnert.

 

Mit seiner Losung «Assyria first» und der Partei «Einiges Assyrien»

ist Serebrennikows Nabucco faktisch ein Doppelporträt von Donald Trump und Putin. Sein Gegenpart ist der Zaccaria von Alexander Vino-gradov – ein strikter Gegner von Nationalismus und Befürworter von Multilateralismus. Seine engsten Mitarbeiter sind der Ismaele von Dovlet Nurgeldiyev und die Anna von Na’ama Schulman. Fenena, die Lieblingstochter Nabuccos, gesungen von Géraldine Chauvet, be-

müht sich um einen Ausgleich – ganz anders die Abigaille von Ok-

sana Dyka. Sie trägt die aggressive Politik ihres Vaters Nabucco

mit, um selbst an die Macht zu kommen.

 

In diesem abgründigen Herrschafts- und Weltspiel dreht sich alles

um die Flüchtlingsthematik. Während Zaccaria eine Integration an-strebt, setzt Nabucco auf Abschottung und gewaltvolle Internierung. Passend zum Flüchtlingsthema werden Ausschnitte von Fernseh-nachrichten eingeblendet samt griffigen Schlagzeilen. Zwischen den Akten gibt es überdies Fotografien des russischen Journalisten

Sergey Ponomarev zu sehen, die das kriegszerstörte Syrien und

die Massenflucht nach Europa dokumentieren…“

 

Marco Frei

Neue Zürcher Zeitung

11. März 2019

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DIE ZEIT

 

Montag, 19. November 2018

 

Kirill Serebrennikow:

 

Einen schlagen, alle treffen

 

von Alice Bota

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„…Gerade hatte seine Inszenierung in Zürich Premiere, dabei steht

er unter Hausarrest. Er darf kein Internet benutzen, keine E-Mails schreiben und darf nur mit wenigen ausgewählten Personen spre-

chen, auf keinen Fall aber mit Journalisten. Wie in einem Gefängnis

sitzt Kirill Serebrennikow fest, in einer Wohnung in Moskau 33 Qua-

dratmeter, immerhin, gelegentlich darf er durch die Nachbarschaft spazieren. Über ein Jahr ist es jetzt her, dass sie ihn eingesperrt

haben. Seine Mutter ist während dieser Zeit gestorben. Sein Vater

weint heiser, als russische Journalisten ihn aufsuchen, und hofft, er möge den Tag noch erleben, an dem sein 49-jähriger Sohn freikommt. Dem drohen bis zu zehn Jahre Haft.

 

Vor Kurzem begann der wohl spektakulärste Künstlerprozess, den

es im postsowjetischen Russland je gab. Kirill Serebrennikow und

drei Mitangeklagten wird schwerer, gemeinsam organisierter Betrug vorgeworfen. Zwischen 2011 und 2014 sollen sie etwa 1,8 Millionen

Euro entwendet haben, so lautet die Anklage. Staatliches Geld wan-derte in die privaten Taschen der Künstler, behaupten die Ankläger.

An einem kalten Herbsttag sitzen im vierten Stock des Meschanski-Gerichts, Saal 233, die vier Kulturschaffenden vor der Richterin: Juri Itin, Alexej Malobrodski, Sofia Apfelbaum und Kirill Serebrennikow im Kapuzenpulli. Der Prozess wird sich über viele Monate hinziehen.

 

Die Vorwürfe wirken einigermaßen bemüht: Erst hieß es, eine Inszenierung von Shakespeares Mittsommernachtstraum sei nie-

mals produziert worden. Nachweislich gab es sie; bestens besucht übrigens. Ähnlich unsinnig klingt die Unterstellung, Serebrennikow habe mit dem angeblich unterschlagenen Geld seine Wohnung in

Berlin bezahlt. Dabei kaufte er sie, bevor er die staatliche Förderung erhielt. Die Ermittler suchten weiter – und wer sucht, der findet. Serebrennikows Produktionsfirma bezahlte Dienstleistungen in bar.

An das Bargeld gelangte sie über Scheinfirmen, die Anschaffungen abrechnen, faktisch aber das Geld an das Theater zurückzahlen. Das

ist zwar nicht sauber, an vielen Theatern aber üblich, andernfalls müsste jedem Botengang, jedem Requisitenkauf eine Ausschreibung oder Kostenaufstellung vorangehen. Selbst Wladimir Putin kritisier-

te das entsprechende Gesetz. Die Theater wurschtelten sich durch.

Bis jetzt. Kirill Serebrennikow hat offenbar eine Grenze überschrit-

ten. Nur weiß niemand, welche…“

zeit.de

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"Lasst euch nicht einschüchtern"

 

Serebrennikow bestreitet seine Schuld.

Er sagte, die andauernden Ermittlungen hätten nichts ergeben, was seine einjährige Isolation von der Gesellschaft rechtfertige.

In der Erklärung,die er verlas, hieß es zu-dem: "Mir wird ständig gesagt: 'Halte

durch!' Ich bin unendlich dankbar dafür,

dass man von meiner Anständigkeit und Unschuld überzeugt ist. Aber ich

möchte sagen:

 

'Liebe Freunde, haltet auch ihr durch.' Ich

bin bereits in der Mühle, aber ich bin ein freier Mann, und ich werde alles tun, um

zu verhindern, dass diese Mühlsteine

mich zermahlen. Es ist auch wichtig,

dass ihr euch nicht einschüchtern lasst,

dass ihr nicht in der Kunst und im Leben

den Mut verliert."

 

Die Anklage argumentiert, es sei notwen-

dig, den Hausarrest für Serebrennikow zu verlängern, weil er sich den Ermittlungen entziehen und Zeugen unter Druck setzen könnte. Das kommentierte der Regis-

seur mit den Worten: 

 

"Die Ermittler haben keine Beweise dafür, dass ich mich verstecken wollte. Aber den Ermittlern sind die Gesetze egal. Ich habe bereits viele Mal vor Gericht ausgesagt und erklärt, womit ich mich befasst habe und welcheVeranstaltungen wir durchgeführt haben. Es ist immer einfach, die Wahrheit

zu sagen."

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Argumentation mit

gefälschten Dokumenten?

 

Serebrennikows Rechtsanwälte verwiesen darauf, dass das Vernehmungsprotokoll

der Zeugin Larissa Wojkina gefälscht sei. Wojkina war bei der Produktionsfirma "Siebtes Studio" für Personal - und Buch-haltung zuständig. Das Protokoll ver-

wenden die Ermittler immer wieder, um Serebrennikows Hausarrest

zu verlängern.

 

Die Forderung nach Freilassung des bekannten Regisseurs gegen Kaution

lehnte das Gericht ebenfalls ab.

bb/suc (dpa, INA)

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Der Film "LETO" als Ausdruck der

Sehnsucht nach Freiheit

 

„Regisseur Kirill Serebrennikow steht in seiner Heimat Russland unter Hausarrest.

Am Mittwoch beginnt der umstrittene Pro-zess gegen ihn. Sein fulminanter Musikfilm "Leto" kam am 8.November in die westdeutschen Kinos.

 

Für viele Westeuropäer dürfte es einer der Kinohöhepunkte des Jahres sein: Kirill Serebrennikows Film "Leto", der bei den Filmfestspielen im Mai in Cannes Welt-uraufführung feierte und dort auch aus-gezeichnet wurde. Seither ist er auf einigen internationalen Festivals sowie in Ungarn, Polen und Estland in den Kinos zu sehen gewesen. Nun startet er in Deutschland

(8. November), später dann in Italien

und Frankreich.

 

Auch in Russland schaffte "Leto" im Som-mer (7. Juni) den Sprung in die Arthaus-Kinos. Dort wurde er von vielen begeister-

ten Kritikern besprochen. Auf den Tag fünf Monate später (7. November) müssen sich Serebrennikow und drei seiner Mitarbeiter

in Moskau vor Gericht verantworten. Dem Regisseur wird die Unterschlagung staat-licher Gelder vorgeworfen. Angeblich soll

er Fördergelder, die für Theateraufführun-

gen vorgesehen waren, miss-

braucht haben…“

 

DEUTSCHE WELLE

06. November 2018

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Opernhaus in Zürich:

 

Serebrennikow-Inszenierung

 

COSI FAN TUTTE

 

aus dem Hausarrest

 

Die Premiere war am

 

Sonntag, 04. November 2018

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„…Der Intendant des Opernhauses in Zü-

rich, Andreas Homoki,setzte mit viel persönlichem Engagement durch, dass

der Regisseur Kirill Serebrennikow eine

seit 2016 geplante Neuinszenierung von Mozarts «Così fan tutte» in Zürich realisie-

ren konnte, obschon Serebrennikow im August 2017 in Russland inhaftiert wurde

und seither im Hausarrest sitzt. Diese Machtdemonstration des Kremls, wohl als Abschreckung für die aufbegehrende Kulturszene gedacht, führt international

seit gut einem Jahr zu Solidaritäts-bekundungen, meist unter dem

Hashtag #FreeKirill.

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Die Zürcher Premiere sendet freilich ein

noch stärkeres Signal.Dass sich die Kunst nicht so leicht unter die Knute von Will-kürherrschern jeglicher Couleur zwingen lassen will, ist das eine. Dass sie im Kampf um die Freiheit gleichwohl Kunst bleibt

und nicht herabsinkt auf das Niveau von Agitation und Gegenpropaganda, bedeutet eine kaum geringere Herausforderung.

Doch genau diese Balance gelingt jetzt am Opernhaus, allen Widrigkeiten zum Trotz. Dieser Mozart-Abend ist ein eindrucksvoller Akt des Widerstands, keine Frage; zugleich aber ist er leicht, manchmal komödiantisch überzeichnet, aber nie oberflächlich; er hat Witz, ein fast bruchlos durchgehaltenes Tempo und wird bei allen – mitunter auch plakativ-zeitgeistigen – Zuspitzungen doch grundiert durch eine tiefere Melancholie…“

 

Christian Wildhagen

Neue Zürcher Zeitung

05. November 2018

 

 

Solidarität

 

für den ukrainischen Filmregisseur

 

OLEG SENZOW

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Sonntag, 17. März 2019

 

 

Oleg Senzow

 

Leben

 

Erscheint am 15. April

im Verlag Voland & Quist

 

In »Leben« erzählt Oleg Senzow von seiner Kindheit und Jugend.

Die acht autobiografischen Geschichten zeigen, »wie er zu dem furchtlosen Menschen wurde, der er heute ist«. (Andrej Kurkow). Übersetzt wurden sie von Irina Bondas, Kati Brunner, Claudia Dathe, Christiane Körner, Alexander Kratochvil, Lydia Nagel, Olga Radetz-

kaja, Jennie Seitz, Andreas Tretner und Thomas Weiler.

Mit einem Vorwort von Andrej Kurkow.

#FreeSentsov #SaveOlegSentsov

 

Präsentationen auf der Leipziger Buchmesse:

21. März 2019, 16:45 Uhr, Gespräch mit den Übersetzern Andreas

Tretner und Olga Radetzkaja
Halle 5, Stand G408 (Neues Deutschland)

 

22. März 2019, 16:00, Gespräch mit den Übersetzerinnen Claudia

Dathe und Christiane Körner, Moderation: Sebastian Wolter
Leipzig liest weltoffen, Halle 2, Stand A304

https://www.voland-quist.de/buch/?291/Leben--Oleg+Senzow#leseproben

 

Siehe: SPIEGEL - LITERATUR Seiten 10/11

DER SPIEGEL Nr. 12 / 16.März 2019

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ukraine-initiativen.de

 

Ukraine in Deutschland:

Lesung von Erzählungen des in

russischer Haft sitzenden ukrainischen

Regisseurs Oleg Senzow

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Freitag, 22.3. Leipziger Buchmesse 16 Uhr, Halle 2, A304
Christiane Körner (Ü), Claudia Dathe (Ü), Oleg Sentzow (Autor)
Leben (Voland & Quist 2019 ) - Lesung und Gespräch / Belletristik

Erzählungen des in russischer Haft sitzenden ukrainischen

Regisseurs Oleg Senzow.


Mit den Übersetzerinnen Christiane Körner und Claudia Dathe,

Moderation: Sebastian Wolter

 

Leipzig liest weltoffen #lbm19
Stand der Leipziger Zivilgesellschaft auf der Leipziger Buchmesse

vom 21. bis 24.3.2019. Dazu haben demokratisch engagierte Akteur*innen aus Leipzig das Bündnis "Leipzig liest weltoffen" gegründet.

 

Angesichts der bevorstehenden Wahlen in diesem Jahr und der

Gefahr, dass sich menschenfeindliche Positionen auch parlamenta-

risch weiter ausbreiten, wollen wir als Leipziger Zivilgesellschaft ein starkes Zeichen für Weltoffenheit in unserer Stadt setzen.

 

Das Bündnis "Leipzig liest weltoffen" setzt sich zusammen aus

Leipzig. Courage zeigen e.V. als Trägerverein, Leipzig nimmt Platz

(darin wiederum Vertreter*innen von Kirche, Gewerkschaften, Par-

teien, Vereinen und Initiativen), Verlage gegen rechts, Zeigner-

haus e.V., Studierende des DLL, Say it loud e.V. und Literatur statt Brandsätze / Lauter Leise e.V. .

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Deutsche Welle

 

12. Dezember 2018

 

Der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher

Oleg Senzow erhielt am 12. Dezember den Sarcharow-

Preis für Menschenrechte und Meinungsfreiheit des EU-Parlaments. Aus einem Gespräch mit seiner Cousine

Natalia Kaplan über den Preisträger.

 

Oleg Senzow bekommt den Sacharow-Preis für Menschen-

rechte und Meinungsfreiheit, eine der höchsten Auszeich-nungen, die Europa zu vergeben hat. Der ukrainische Filmemacher kämpft seit der völkerrechtswidrigen Anne-

xion der Krim durch Russland im Jahr 2014 um die Wahrheit. 2014 wurde er verhaftet und sitzt seitdem in einem sibirischen Straflager. Der 41-Jährige wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem er sich im Mai in einen Hungerstreik

begab, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide.

Der Preis erinnert aber auch daran, dass neben Senzow

fast 70 weitere Ukrainer aus politischen Gründen in rus-

sischen Gefängnissen verschwunden sind.

 

DW: Am Sonntag hat Oleg Senzows Anwalt erklärt, Oleg

leide unter organischen Veränderungen in Herz, Leber und Nieren. Frau Kaplan, können Sie uns etwas über den Gesundheitszustand Ihres Cousins sagen?

 

Natalia Kaplan: Das Problem ist, dass keine unabhängigen

Ärzte zu Oleg gelassen werden. Alles, was wir wissen, berich-

tet Oleg selbst. Und er weiß das dementsprechend nur von

den Gefängnis-Ärzten. Man muss sagen, dass ein 145-tägiger Hungerstreik nicht ohne Folgen bleibt. Als man Oleg zwangs-ernähren wollte, war klar, dass es um ihn sehr schlecht steht. 

Er beendete den Hungerstreik mit großen gesundheitlichen Schäden. Niemand weiß, ob er sich davon erholen kann. Er

hat unter anderem Herzrhythmusstörungen  bekommen - 

und das sind nur die Folgen, die das Herz betreffen…“

(www.dw.com)

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DEUTSCHE WELLE

 

25. Oktober 2018

 

Oleg Sentsov

 

wird vom Europaparlament

mit dem Sacharow - Preis,

dem europäischen Preis für

geistige Freiheit, ausgezeichnet.

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Die feierliche Verleihung des Preises fin-

det am 12. Dezember in Straßburg statt.

Der mit 50.000 Euro dotierte Sacharow-

Preis für geistige Freiheit wird an heraus-ragende Kämpfer für die Menschenrechte vergeben. Er erinnert an den sowjetischen

 

Physiker und Dissidenten Andrej Sacharow (1921-1989).

 

Erster Preisträger war 1988 Nelson Mandela. Im vergangenen Jahr gewann ihn die demokratische Opposition in Venezuela.

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06. Oktober 2018

 

„Mit seiner Entscheidung, den Hunger-

streik nach 145 Tagen zu beenden, hat der ukrainische Regisseur Oleg Senzow sein-

en Tod abgewendet. Hätte Senzow weiter gehungert, wäre er zwangsernährt worden.

 

Auch wenn Senzow seine Entscheidung

als Niederlage wertet: Mit seinem am Frei-

tag beendeten Hungerstreik hat er seine

Ziele teilweise erreicht. Der Regisseur von der Krim hat deutlich gemacht, dass eben nicht die gesamte Bevölkerung der Halbin-

sel mit der Annexion einverstanden ist. Und er hat das Schicksal der Ukrainer, die in russischer Geiselhaft sind, in das Licht der Weltöffentlichkeit gerückt.

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Senzow hat aber auch gezeigt, dass sich

die russische Führung nicht vom drohen-

den Tod eines hungerstreikenden politi-schen Gefangenen beeindrucken lässt. Vielleicht ist Russland jetzt bereit, den scheinbar besiegten Gegner in seine ukrainische Heimat ziehen zu lassen.

 

Möglicherweise besteht nun die Chance, dass Russland und die Ukraine in der Frage der Geiseln weiterkommen.Der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher und Kreml-Kritiker Oleg Senzow hat seinen Hungerstreik nach mehr als 140 Tagen beendet. Er habe sich zu dem Schritt entschlossen, um nicht zwangsernährt

zu werden, teilte er am Freitag in einer handschriftlichen Erklärung mit. Senzow wollte mit dem Hungerstreik die Freilas-

sung aller ukrainischen politischen Gefangenen in Russland erzwingen.

Was ihm nicht gelang. (afp)

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Dabei geht es nicht nur um Dutzende Ukrainer, die in russischer Geiselhaft

sind. Auch in der Ukraine sitzen russi-

sche Staatsbürger in Haft, solange, bis

sie irgendwann, was für ein hässliches

Wort, ausgetauscht werden. Ende 2017

hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kurzerhand russische Staatsbürger, die auf einer Liste von auszutauschenden Gefangenen gestan-

den hatten, von der Tauschliste gestri-

chen. Auch die Ukraine will „Tausch-material“ vorrätig haben.

 

Die Bemühungen um eine Freilassung

der Geiseln des Krieges in der Ostukraine müssen gerade jetzt, nach dem Ende von Senzows Hungerstreik, weitergehen. Und es müssen Lösungen gefunden werden, die es allen Beteiligten erlauben, ihr Gesicht zu wahren. Mit Rechtsstaatlichkeit hat

dieser ganze Tauschhandel aller-

dings wenig zu tun.“

 

Bernhard Clasen

DIE TAGESZEITUNG

06. Oktober 2018

 

Oleg Sentsovs Haftort:

 

Strafkolonie Nr. 8 (OG 98/8)

des strengen Regimes der UFSIN Russlands

LABYTNANGI, North Street 33

Telefon: 008 34 992 5-14-44

 

ФКУ «Исправительная колония № 8»

Адрес г.Лабытнанги, улица Северная 33.

 

Foto: NOWAJA GAZETA

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FREE OLEG SENTSOV!

 

Der Gefangene Russlands

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02. Oktober 2018

 

Oleg Sentsov wurde vom

Pariser Stadtrat einstimmig

zum Ehrenbürger gewählt.

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"Aktionen in 78 Städten weltweit. Weit über tausend Künstler und Kulturinstitutionen,

die sich für seine Freilassung einsetzen, darunter die Nobelpreisträgerinnen Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch. Die Familie, die sich an Putin persönlich

wendet. Auf einer Pressekonferenz mit Frankreichs Staatspräsident Macron im

Mai werden dringliche Fragen gestellt,

zuletzt formulierte EU-Ratspräsident

Donald Tusk auf dem G7-Gipfel in Kanada einen kämpferischen Appell. Wer hat

nicht inzwischen von Oleg Senzow gehört. Seit 2015 verbüßt der Filmemacher und Maidan-Aktivist eine 20-jährige Lagerhaft, inzwischen in einer Strafkolonie für Schwerkriminelle in Labytnangi, Sibirien.

Seit 14. Mai protestiert Senzow dort in der Arktis mit einem Hungerstreik für die Freilassung aller 64 politischen ukrainischen Gefangenen in Russland.

Christiane Peitz

DER TAGESSPIEGEL

13. Juni 2018

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ARD - TAGESSCHAU

24. August 2018

 

"Die USA haben sich erneut für den in Russland inhaftierten Regisseur Senzow eingesetzt. Der Ukrainer müsse sofort freigelassen werden, forderte Außenmini-

ster Pompeo. Senzow befindet sich

im Hungerstreik."

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"Washington erhöht im Fall des inhaftierten ukrainischen Filmemachers Oleg Senzow

den Druck auf Moskau: US-Außenminister Mike Pompeo forderte seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow dazu auf,

den Regisseur "sofort freizulassen".

 

Pompeo habe während eines Telefongesprächs seine "Sorgen über Senzows Gesundheit" zum Ausdruck gebracht und die Freilassung "aller ukrainischen politischen Gefangenen gefordert", erklärte eine Ministeriumssprecherin..."

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DEUTSCHE WELLE

 

21. August 2018

 

Agnieszka Holland über Oleg Senzow:

″Er wird nicht schweigend sterben″

 

Die renommierte Regisseurin und Dreh-buchautorin Agnieszka Holland (*1948) ist seit 2014 Vorsitzende der Europäischen Filmakademie (EFA). Der Verein versammelt mehr als 3000 europäische Filmschaffende mit dem Ziel, den europäischen Film besser zu vertreten und verleiht jährlich den Europäischen Filmpreis.

 

Hollands Eltern kämpften während des Zweiten Weltkriegs gegen die Nazis; ihr

Vater starb 1961 in Polen bei einem Verhör der kommunistischen Besatzer nach ei-

nem Sturz aus dem Fenster. Hollands politisches Engagement führte dazu, dass

sie 1981 von Polen nach Frankreich ins

Exil übersiedelte.

 

Unter anderem für ihre Filme "Hitlerjunge Salomon" (1990), "Bittere Ernte" (1985), "In Darkness" (2011) und "Pokot" (2018) erhielt sie internationale Auszeichnungen, darunter den Golden Globe für den besten frem-dsprachigen Film, den Silbernen Bären der Berlinale und mehrere Oscar-

Nominierungen

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"Deutsche Welle: Oleg Senzow befindet

sich nun schon seit dem 14. Mai im Hungerstreik. Haben Sie aktuelle Informationen über seine Lage?

 

Agnieszka Holland: Nein, habe ich nicht.

Wir hatten gehofft, dass auf das Treffen

von Angela Merkel und Wladimir Putin am Samstag eine Reaktion folgt. Aber wir wis-sen nichts Neues über den Zustand von

Oleg Senzow. Alle versuchen, etwas zu er-reichen: die Europäische Union, die Bun-desregierung, Emmanuel Macron. Aber es sieht so aus, als hätte Wladimir Putin be-schlossen, dass es nicht nötig ist, ein freundliches Gesicht aufzusetzen. Er will, dass Oleg sich beugt, dass er gedemütigt wird. Und wenn Oleg nicht mitmacht, nicht gedemütigt werden will, nicht um Ent-schuldigung für Taten bittet, die er gar

nicht begangen hat, wird Putin ihn

sterben lassen.

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Vergangene Woche hat der Kreml das Gnadengesuch von Oleg Senzows Mutter abgewiesen...

 

Genau, der Kreml hat gesagt, Oleg solle selbst um Gnade bitten. Das sei die Regel, aber das stimmt nicht. Bei Pussy Riot

oder Chodorkowski gab es Fälle, in denen

die betreffenden Personen nicht selbst um eine Begnadigung gebeten hatten. Denn um eine Begnadigung zu bitten, heißt auch, dass man seine Schuld eingesteht und Oleg hat immer beteuert, dass er unschuldig ist. Und durch Amnesty International und andere Organisationen wissen wir, dass er die Ta-ten, die ihm vorgeworfen wurden, nie be-gangen hat. Es ist ein Teufelskreis.

 

Oleg wird sicher nicht um Gnade bitten

und seine Freilassung nicht akzeptieren, wenn nicht seine Mitgefangenen eben-

falls freigelassen werden. Putin denkt

aber nicht, dass es einer symbolischen

Geste bedarf, um der Welt zu zeigen, dass

er kein brutaler und grausamer Herrscher

ist. Und wenn er glaubt, dass er das nicht braucht, passiert auch nichts: All seine Handlungen basieren auf politischen In-teressen und Putin glaubt nicht, dass der Westen stark genug ist, um ihn für seine Taten zu bestrafen. Also bin ich, was Oleg Senzow betrifft, ziemlich pessimistisch. Andererseits liegt jetzt alles in den Händen eines Mannes, der unberechenbar ist. Wir müssen darauf hoffen, dass sich seine Unberechenbarkeit diesmal

positiv auswirkt.

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Sie sprachen gerade an, dass Senzow die Freilassung aller politischen Gefangenen

aus der Ukraine fordert...

 

Ja, bei Olegs Hungerstreik geht es nicht

nur um seine Haft, sondern um die Internierung von allen ukrainischen politischen Gefangenen. Die meisten

von ihnen sind nur Geiseln der aktuellen politischen Lage. Sie haben die Taten

nicht begangen, die ihnen zur Last gelegt werden. Oleg will sich solidarisch mit ihnen zeigen, in dem Wissen, dass er kein ano-nymer Gefangener ist. Er ist Regisseur,

hat Freunde in mehreren Ländern, ist Mit-glied der Europäischen Filmakademie.

Er wird zumindest nicht schweigend ster-

ben. Auf diese Weise bringt er ein Opfer

für diejenigen, die nicht bekannt sind.

Und so hofft er, ein Licht auf die Lage politischer Gefangener aus der Ukraine werfen zu können, die nach Russland entführt oder in Russland festgenom-

men worden sind.

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Die Europäische Filmakademie hat sich mehrere Male und auf verschiedenen

Wegen öffentlich für seine sofortige Freilassung eingesetzt und sammelt

Spenden zur Deckung der Rechtskos-

ten und die Unterstützung seiner Kinder,

die zurzeit von der Großmutter betreut werden. Sind weitere Aktionen geplant?

 

Wir warten nun ab, unser Hand-lungsspielraum ist begrenzt. Wir können offene Briefe schreiben und Protest-Aktio-nen planen - das haben wir auch bereits

auf vielen Filmfestivals und bei unseren Veranstaltungen gemacht. Wir sind die Europäische Filmakademie und haben Kontakte - auch zu Regierungen in un-terschiedlichen Ländern. Wir versuchen unseren Einfluss auf die lokale Politik zu nutzen. Wir sammeln Geld, wir benutzen Social Media, um so weit wie möglich zu verbreiten, wie es Oleg geht, und um Un-

terstützung zu bitten. Das ist alles, was

wir tun können. Wir können die Meinung

des Tyrannen nicht ändern. Danach müs-

sen wir beten, dass all das einen Effekt

hat und dass es nicht schon zu spät ist.

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Und Sie sind immer noch der festen Überzeugung, dass öffentlicher Druck im

Fall von Oleg Senzow hilft?

 

Ich weiß keinen anderen Weg. Am besten

ist die Kombination von öffentlichem und diplomatischem Druck. Diese Mischung

hat sich auch in der Vergangenheit als die wirkungsvollste erwiesen. Außerdem ist es für Oleg selbst wichtig, zu wissen, dass wir ihn nicht vergessen haben, dass Menschen

in unterschiedlichen Ländern an ihn denken und versuchen, ihm zu helfen. Und darüber hinaus steckt dahinter eine Art moralisches Statement. Wir werden unseren Kollegen,

der in Not und zu Unrecht verhaftet ist,

nicht vergessen. Wir tun das alles auch

für uns selbst. So fühlen wir uns nicht

vollkommen machtlos."

 

Das Interview führte Laura Döing.

 

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10. August 2018

 

"Oleg Senzow will bis

 

zum Ende gehen"

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„Der in Russland inhaftierte ukrainische Regisseur Oleg Senzow ist entschlossen, seinen fast dreimonatigen Hungerstreik

trotz schlechten Gesundheitszustands fortzusetzen, sagt sein Anwalt Dmitri

Dinse im DW-Interview:

 

Deutsche Welle: Seit dem 14. Mai befindet sich Oleg Senzow im Hungerstreik. Er for-dert die Freilassung von allen ukrainischen politischen Gefangenen in Russland. Herr Dinse, wann haben Sie Oleg Senzow zuletzt gesehen? Wie hat sich sein körperlicher

und geistiger Zustand seit ihrem letzten Treffen verändert?

 

Dmitri Dinse: Zuletzt haben wir uns am 7. August gesehen. Seine Stimmung ist nor-mal, aufgeweckt, aber seine körperliche Verfassung hat sich erheblich verschlech-tert. In Labitnangi war es zwei Wochen lang 40 Grad heiß. Eine solche Hitze verträgt

er sehr schlecht, was sich auf sein Wohl-befinden ausgewirkt hat. Nicht nur Sen-

zows chronische Herzerkrankung hat sich verschlimmert, sondern es sind auch noch Probleme mit den Nieren und der Leber hinzugekommen. Er hat zu wenig Hämo-globin. Es werden keine Blut-körperchen produziert. Er hat Anämie. Zeitweise

sind seine Gliedmaßen taub. Er nimmt weiterhin Mixturen ein, um bei Bewusst-

sein zu bleiben.

 

Am 8. August hat seine Cousine Natalia Kaplan einen Brief veröffentlicht, in dem Senzow schreibt, das Ende sei nahe,

und er meine damit nicht seine Freilas-

sung. Will er den Hungerstreik immer

noch fortsetzen?

 

Ja, er beabsichtigt nicht, seinen Hunger-streik zu beenden. Senzow will bis zum

Ende gehen. Wenn er sterben muss, werde

er eben sterben, sagt Oleg.

 

Oleg Senzow wurde schon zur Untersu-chung und möglichen Behandlung in ein ziviles Krankenhaus gebracht. Doch er

wollte von dort weg. Was war vorgefallen?

 

Oleg sagte, er sei in dem Krankenhaus

wie Vieh behandelt worden. Man habe ihm gesagt, man werde ihn ans Bett fesseln

und so füttern, wie man es für richtig

hält. Seine Meinung zähle nicht. Darauf-

hin wollte Oleg sofort weg von dort. Er

wollte sich nicht einem solch unmensch-lichen Umgang aussetzen. Den Mitarbei-

tern des Krankenhauses war klar, wer bei ihnen war. Deshalb haben sie eine solche Haltung an den Tag gelegt. Oleg möchte unter keinen Umständen in dieses Kran-kenhaus, weil er weiß, dass man ihn dort

nur verspotten wird. Im Gefängniskran-kenhaus wird er ziemlich gut behan-

delt. Er hat mit dem Chefarzt eine gemeinsame Sprache gefunden.

 

Vor fast einem Monat hat Senzows Mutter

den russischen Präsidenten Wladimir

Putin um eine Begnadigung gebeten.

Warum gibt es immer noch keine Reak-

tion? Gab es Fälle, wo solche Ersuchen unbeachtet blieben?

 

Entsprechende Bitten, die unbeachtet bleiben, gibt es in Russland sehr viele.

Die Begnadigungskommission kann nur formale Gründe für eine Ablehnung finden. Sie ist bewusst als Filter geschaffen wor-

den, damit die Administration des Präsiden-ten mit solchen Briefen nicht überladen

wird. Für die Prüfung eines Begnadi-gungsgesuchs braucht die Kommission zwischen zwei Wochen und einem Monat,

um dann dem Präsidenten Empfehlungen

zu geben. Der Fall Senzow liegt jetzt

faktisch dem ersten Filter vor…“

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7. August 2018

„Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)

hat Russland dazu aufgefordert, dem inhaftierten ukrainischen Filmemacher

Oleg Senzow Hilfe in einer medizinischen Einrichtung zukommen zu lassen. Das Straßburger Gericht verhängte dazu ein-

ne einstweilige Maßnahme. Russland

ist als Mitgliedsstaat des Europa-

rats verpflichtet, sie umzusetzen...

_____________________________________

Das Straßburger Gericht bat Senzow, sei-

nen Hungerstreik zu beenden und lebens-rettende Maßnahmen anzunehmen. Der Fil-memacher hatte 2014 bereits eine Be-schwerde gegen Russland vor dem Ge-richtshof eingereicht - unter anderem

beklagt er Misshandlungen.

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Einstweilige Maßnahmen verhängen die Straßburger Richter nur in Ausnahmefäl-

len, wenn Beschwerdeführern unwider-ruflicher Schaden droht. Der Anwalt Sen-zows hatte nach Gerichtsangaben diesen Schritt beantragt..."

Österreichischer Rundfunk

7. August 2018

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...Hilft der öffentliche Druck?...  Darauf hofft

die European Film Academy,die sich seit

der Verhaftung als „Krim-Terrorist“ 2014, oder besser: seit der Verschleppung durch den russischen Geheimdienst aus seiner Wohnung in Simferopol auf der Krim nach Moskau für Oleg Senzow einsetzt. Bisher

war alles vergeblich: dass EFA-Präsidentin Agnieszka Holland, Ken Loach, Mike Leigh, Aki Kaurismäki, Hanna Schygulla, Vol-

ker Schlöndorff, Wim Wenders und viele

andere offene Briefe schreiben und sich

um Senzows Leben sorgen. Dass die Ber-linale 2017 die 75-Minuten-Doku„The Trial: The State of Russia vs Oleg Sentsov“

zeigte. Oder dass Amnesty International

an die besondere Verant - wortung der Behörden gemahnt, wegendes „unfairen Gerichtsverfahrens“.Human Rights

Watch spricht von einem politischen Schauprozess.Senzows "Verbrechen":

Er demons trierte gegen die

Krim-Annexion

 

Christiane Peitz

DER TAGESSPIEGEL

13. Juni 2018

Meine Solidarität mit den

befreundeten Kollegen des

Akademischen Dramatischen

Theaters im bedrängten

ukrainischen Mariupol

am Asowschen Meer.

In der Nacht vom

 

01.zum 02.November 1975 wurde

 

Pier Paolo Pasolini

 

in Ostia bei Rom ermordet

Auf einem Fussballplatz in Ostia bei Rom

An dieser Stelle  wurde am 2. November 1975

der ermordete Pier Paolo Pasolini gefunden.

Nanni Moretti fuhr 1993 auf einer Vespa mit

langen Einstellungen in seinem Film

CARO DIARIO  von Rom nach Ostia.

Musik: Keith Jarrett

In CASARSA

Andrzej Wajdas Tätigkeit als Film- und

Theaterregisseur erstreckte sich über

fast sechs Jahrzehnte. Hier erfahren

Sie mehr über seine wichtigsten Filme

DANTON (F/Polen/BRD 1982) Als nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 Wajdas Arbeitsbedingungen eingeschränkt wurden, verlagerte er seinen Wirkungsort zeitweise nach Frankreich, um hier ein polnisches Theaterstück über die Endphase der Französischen Revolution zu verfilmen. Mit Parallelen zum polnischen Kriegsrecht entwirft Wajda das Bild einer brutalen Terrorherrschaft durch das Revolutionstribunal von Robespierre (Wojciech Pszoniak), dem Danton (Gérard Depardieu) und die Ideale der Revolution zum Opfer fallen.

POKOLENIE (Eine Generation, 1954) Wajdas neorealistisch anmutendes Debüt und erster Teil der Warschauer Trilogie kreist um den jungen Stach, der sich einer polnischen Widerstandsgruppe anschließt. Während des Warschauer Aufstands 1944 versuchen Stach und die Gruppe, Aufständische aus den unterirdischen Kanälen zu retten. Ohne jegliches Pathos formuliert der Film die Frage nach politischer und persönlicher Verantwortung – ein früher Tauwetterfilm.

KANAL (1956) Fernab der offiziellen, stalinistischen Geschichtsinterpretation und -darstellung zeichnet Wajda die Niederlage einer polnischen Widerstandgruppe in den letzten Tagen des Warschauer Aufstandes. Als ihre Position in der Vorstadt nicht mehr zu halten ist, steigen auch sie in die weitverzweigte Warschauer Kanalisation ab. Ein Irrweg durch expressionistisch ausgeleuchtete Kanalgänge beginnt, die Ausmaße des Danteschen Infernos annehmen.

POPIÓŁ I DIAMENT (Asche und Diamant, 1958) Wajda und der polnische Film finden mit ASCHE UND DIAMANT endgültig internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Die Geschichte eines Bruderkriegs spielt sich innerhalb weniger Stunden am 8. Mai 1945 ab. Maciek, ein national gesinnter ehemaliger Untergrundkämpfer (Zbigniew Cybulski) bereitet ein Attentat auf einen führenden Kommunisten vor. Zur gleichen Zeit wird die Siegesfeier vorbereitet. Kriegsprofiteure und Karrieristen beschließen das Fest mit einer Polonaise, während Maciek den Bezirks-Sekretär erschießt und dann selbst erschossen wird. Vorfilm: PAPARAZZI (Piotr Bernaś, 2011, 5.12., zu Gast: Piotr Bernaś).

POPIOŁY (Legionäre, 1965) Der Verlust der staatlichen Souveränität und die Aufteilung Polens zwischen Preußen, Russland und Österreich Ende des 18. Jahrhunderts ist eines der kollektiven polnischen Traumata. Vor diesem Hintergrund und basierend auf einem Roman von Stefan Zeromski, der den Glauben an ein zukünftiges Polen formuliert, entwirft Wajda ein monumentales Fresko um eine Gruppe von polnischen Adligen, die in Napoleon den Befreier Polens sehen, deren Hoffnungen jedoch enttäuscht werden.

KRAJOBRAZ PO BITWIE (Landschaft nach der Schlacht, 1970) Der Krieg ist vorüber, ein KZ wird befreit, die ehemaligen Häftlinge werden in ein DP-Camp umquartiert. Doch das Erlebte legt sich wie ein Schatten über ihre Gegenwart und Zukunft, Kampf, Gewalt und Rache bestimmen auch im neuen Lager ihr Leben. Dennoch entwickelt sich eine vorsichtige Beziehung zwischen einer Jüdin und dem Intellektuellen Tadeusz (Daniel Olbrychski). Als sie unabsichtlich erschossen wird, flüchtet er sich in Zynismus und verlässt das Camp. Eine stark ästhetisierte, ausgewaschen anmutende Anfangssequenz verbildlicht das Grundmotiv des Films: den Verlust der menschlichen Identität in der Unmenschlichkeit der Lebensbedingungen im KZ.

SAMSON (1961) Die alttestamentarische Legende von Samson, der sich gegen seine Unterdrücker auflehnt und mit ihnen stirbt, dient als titelgebender Referenzpunkt für die Geschichte des jüdischen Studenten Jacub Gold in Polen vor und während des Zweiten Weltkriegs. Aus dem Gefängnis entlassen, folgt er seiner Mutter ins Ghetto, kann von dort fliehen, findet Unterschlupf und Anschluss an eine Widerstandgruppe in einer illegalen Druckerei, bis diese von deutschen Soldaten gestürmt wird. Ausgehend von Jacubs allmählicher Wandlung mündet der Film in ein Nachdenken über das Verhältnis von Individuum und Geschichte.

BEZ ZNIECZULENIA (Ohne Betäubung, 1978) Im Mittelpunkt dieser Zustandsbeschreibung Polens Ende der 70er Jahre steht der erfolgreiche Journalist Jerzy, der über die Anforderungen seines Berufs die politischen wie auch die privaten Zeichen der Zeit aus den Augen verliert. Seine Unfähigkeit sich anzupassen führt mit beklemmender Zwangsläufigkeit zur persönlichen und beruflichen Niederlage. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Diktat falscher Ideale, dem Konformismus und der Mittelmäßigkeit.

POLOWANIE NA MUCHY (Fliegenjagd, 1969) Diese groteske Karikatur des polnischen Kulturbetriebs ist eine von Wajdas zwei Satiren. Ein gescheiterter Student wird zum Opfer des übersteigerten Ehrgeizes seiner Geliebten, seiner Schwiegereltern und seiner Ehefrau, die einen anerkannten Übersetzer aus ihm machen und ihn in die "Kultur-Schickeria" einführen wollen. Eine Erkundung der Condition Humaine im Mantel der Gesellschaftskomödie. Vorfilm: PRZEKŁADANIEC (Rollkuchen, Polen 1968, 10.12.) Die kurze Science-Fiction-Komödie von überraschender Aktualität basiert auf einer Erzählung von Stanislaw Lem: Einem Rennfahrer werden nach Unfällen diverse Organe transplantiert, was bei ihm zu einer umfassenden Identitätsverwirrung führt. Ein Bild der Welt Warschauer Intellektueller – voller Gags, Cartoons und Karikaturen.

CZŁOWIEK Z ŻELAZA (Der Mann aus Eisen, 1981) In der Fortsetzung von MANN AUS MARMOR schildert Wajda den politischen Umschwung Anfang der 80er Jahre aus dem Blickwinkel eines opportunistischen Reporters, der die Biografie eines der Streikführer recherchiert. "Unsere Idee war es, die Ereignisse des August 1980 aus dem Blickwinkel des August 1980 zu erzählen." (A.W.) Die Unmittelbarkeit in der Darstellung der Streikwelle des "Polnischen Augusts" findet in der nervösen Intensität der Bilder, der fragmentarischen Narration, dem Zusammenfügen unterschiedlicher Bildebenen ihren überzeugenden formalen Ausdruck.

WESELE (Die Hochzeit, 1973) Werkgetreue Adaption des berühmten Dramas von Stanisław Wyspiański über die verlorene Identität und den Mythos Polens. Auf zwei Ebenen entfaltet sich das um die Jahrhundertwende angesiedelte Geschehen: Der schwelgerischen Hochzeit eines Dichters und einer Bauerntochter wird eine surreale Phantasmagorie in Form einer Zwiesprache der Hochzeitsgäste mit Gestalten der polnischen Geschichte zur Seite gestellt. Es entfaltet sich ein mythischer Reigen, ein entfesselter Rausch.

PANNY Z WILKA (Die Mädchen von Wilko, 1979) Als Wiktor Ruben (Daniel Olbrychski) nach 15 Jahren wieder in das ländliche Wilko zurückkehrt, beginnt für ihn und die Schwestern eines benachbarten Gutes eine Reise in die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit: einen gemeinsam verbrachten unbeschwerten Sommer. Im Blick zurück verschmelzen die Zeitläufe, spitzen sich Träume und Hoffnungen noch einmal zu. Eine elegisch-melancholische Reflexion über eine verlorene Generation.

BRZEZINA (Birkenhain, 1970) Ein so stilles wie stimmungsvolles Kammerspiel um zwei ungleiche Brüder: den zurückgezogenen Witwer Bolesław, der mit seiner Tochter auf dem Land lebt, und den lebenslustigen, aber todkranken Stanislaw, der aus der Schweiz in die Heimat zurückkehrt, um hier zu sterben.

ZIEMIA OBIECANA (Gelobtes Land) Monumentales Gesellschaftspanorama der Textilmetropole łodz Ende des 19. Jahrhunderts, eines Brennpunkts der sich rasant entwickelnden Industriellen Revolution. Drei Glücksritter wollen am ökonomischen Aufbruch teilhaben und gründen eine Fabrik. Zunehmend skrupellos verfolgen sie ihr Ziel: Geld, Macht und Besitz. Basierend auf dem Roman des Nobelpreisträgers W. S. Reymont führt Wajda eine Vielzahl von unterschiedlichen Figuren in einem brodelnden, erbarmungslosen Hexenkessel zusammen und zeigt eine Gesellschaft am moralischen Abgrund.

CZŁOWIEK Z MARMURU (Der Mann aus Marmor, 1977) Eine Meditation über Entdecken und Verdrängen und das Potential des Films zur ideologischen Manipulation. Wajda setzt die unmittelbare Gegenwart der 70er Jahre mit den Jahren des sozialistischen Aufbaus in Verbindung, verschachtelt die Zeitebenen mittels Rückblenden und Archivmaterial. Wie ein Mosaik setzt die junge Regisseurin Agnieszka (Krystyna Janda) unterschiedliches Material zusammen, um das Leben eines einstigen "Helden der Arbeit" zu rekonstruieren, der nach einem Unfall abgeschoben wird. Die Verdrängung des einst gefeierten Helden in den 50er Jahren findet in der Abwehrhaltung des Fernsehredakteurs, den Agnieszka mit ihren Entdeckungen konfrontiert, 20 Jahre später ihre Entsprechung.

WSZYSTKO NA SPRZEDAŻ (Alles zu verkaufen, 1969) "Ein Film über das Unvermögen, einen Menschen ohne seine Anwesenheit zu fassen." (A.W.) Wajdas sehr persönliche Hommage an den emblematischen Schauspieler Zbigniew Cybulski, den polnischen James Dean, wird zum Dokument seiner Trauerarbeit aber auch einer Selbstbefragung und persönlichen Bestandsaufnahme. In diesem Film-im-Film werden die Dreharbeiten von der Nachricht des Todes des Hauptdarstellers jäh unterbrochen. Unsicher, wie er mit dem Verlust umgehen soll, gerät der Regisseur in eine tiefe persönliche und kreative Krise.

TATARAK (Der Kalmus, 2009) Eine andere filmische Form der Auseinandersetzung mit dem Verlust eines Menschen, in diesem Fall des Kameramanns Edward Kłosiński, finden Krystyna Janda, Kameramann Pawel Edelman  und Wajda in DER KALMUS. Fließend gehen die drei Ebenen des Films ineinander über: reduzierte Sequenzen, in denen Janda sich an die letzten Tage mit ihrem Mann erinnert, Set-Aufnahmen der Dreharbeiten und die eigentliche Spielfilmhandlung über die brüchige Idylle des letzten Sommers einer sterbenskranken Frau. Variationen des Umgangs mit Vergänglichkeit, Tod und Trauer. Vorfilm: TRÓJKA DO WZIĘCIA (Three for the Taking, Bartosz Konopka, 2007, 18.12.)

KORCZAK (Andrzej Wajda, Polen/BRD 1990) Eine Verschränkung von zeitgenössischen Wochenschauen und zurückgenommenen Schwarzweißaufnahmen bildet den Hintergrund der Geschichte des polnisch-jüdischen Kinderarztes und Pädagogen Korczak, der im Warschauer Ghetto ein Waisenhaus leitet und trotz aller Widrigkeiten den Geist von Menschlichkeit und Toleranz aufrechtzuhalten versucht. 1942 soll das Heim aufgelöst, die 200 Kinder sollen deportiert werden. Korczak begleitet sie in den Tod. Offene Waggons und Kinder, die sich im Herbstnebel verlieren, sind die letzten Bilder des Films. "Der Absprung vom Zug der Geschichte evoziert das Schlimmste, das in Nacht und Nebel sich verbarg." (Karsten Witte)

LAS KATYŃSKI (Der Wald von Katyn, Marcel Łoziński, Andrzej Wajda, Polen 1990) Früher Fernsehdokumentarfilm über das Massaker von Katyn, das sich auf Archivbilder, Zeugenaussagen und die Erinnerung der Beteiligten stützt.

KATYŃ (Das Massaker von Katyn, 2007) Die von Stalin verordnete Ermordung von 22.000 polnischen Offizieren, Polizisten und Intellektuellen – darunter Andrzej Wajdas Vater – im Wald von Katyn im Frühjahr 1940 gehört zu den großen Traumata der jüngeren polnischen Geschichte. Die Sowjets lasteten das Massaker jahrzehntelang der deutschen Wehrmacht an, bis Jelzin 1992 die Archive öffnete. In seinem Spielfilm nähert sich Wajda dem lange tabuisierten Geschehen mit Bedacht: Während und nach dem Krieg machen sich verschiedene Hinterbliebene auf die Suche nach Vätern, Söhnen, Brüdern und der Wahrheit, die zwischen vermeintlich übergeordneten Interessen zerrieben wird.

NASTASJA (Polen/Japan 1994) Wajdas filmische Bearbeitung des letzten Kapitels von Dostojewskis Der Idiot geht auf das Zusammentreffen mit dem japanischen Kabuki-Theaterstar Tamasaburo Bando zurück, der für seine Darstellung weiblicher Rollen berühmt ist. In NASTASJA verkörpert er zunächst Fürst Myschkin, der gemeinsam mit Rogoshin Wache am Totenbett der geliebten Nastassja hält. Im Verlauf der Totenwache verliert sich Myschkin in der Erinnerung an die Verstorbene und nimmt die Gestalt der titelgebenden Protagonistin an.

ZEMSTA (Rache, 2002) Zwei verfeindete Nachbarn müssen erkennen, dass ihre Kinder heiraten wollen. Als unbeabsichtigtes Gegenstück zu Mickiewicz' PAN TADEUSZ gibt die Gesellschaftskomödie des polnischen Bühnenautors und Dichters Fredro aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wesentlich weniger heroischen, aber umso humorvolleren Eindruck des polnischen Landadels, dargestellt von Roman Polański, Janusz Gajos und Daniel Olbrychski.

PAN TADEUSZ (1998, 23.12.) "Unverfilmbar!" hieß es lange Zeit in Bezug auf das identitätsstiftende polnische Nationalepos in Versform von Adam Mickiewicz. Wajda behält den polnischen Alexandriner des nationalen Heiligtums bei, findet schwelgerisch opulente Bilder und große Schauspieler (Bogusław Linda, Daniel Olbrychski, Grażyna Szapołowska). Die Handlung – eine Familienfehde wird angesichts der Bedrohung durch russische Truppen beigelegt – spielt an wenigen Tagen Anfang des 19. Jahrhunderts und kulminiert wie so oft bei Wajda in der Polonaise, im symbolhaften Reigen, in dem Zeitläufe, Mythen und Legenden zu verschmelzen scheinen.

P.S. - Russische Finsternis -

Erinnern wir uns!

Alexander Litvinenko
"The Litvinenko Inquiry - Report info the death of Alexander Litvinenk."
Litvinenko-Inquiry-Report-web-version.pd[...]
PDF-Dokument [2.5 MB]

Nowaja Gazeta: Wie Boris Nemzow

ermordet wurde

"Die Welt muss innehalten -

 

und damit beginnen,

 

sich nicht über Ausrottungskoalitionen

 

zu verständigen,sondern über

 

den eigenen Fortbestand.

 

Früher oder später wird  der Wettlauf

 

des Wahnsinns,dessen Augenzeugen

 

wir heute sind, natürlich dazu führen.

 

Fragt sich nur,um den Preis welcher Opfer"

 

Anna Politkowskaja -18.März 2004