16. / 17. August 2018

 

 

James Salter

 

VERBRANNTE TAGE

 

Erinnerung

 

Berlin  Verlag - 2001

 

___________________

 

 

"Memoiren sind immer auch Tummelplätze menschlicher Eitelkeiten, und sei's nur

der, das eigene Leben nicht spurlos verglühen lassen zu wollen. Sicher ist

das auch bei James Salters Autobiogra-

phie «Verbrannte Tage» nicht zu überse-

hen, etwa in den zahlreichen Passagen,

in denen der amerikanische Erzähler -

und homme à femmes - seine Erinnerun-

gen an erotische Erlebnisse wie funkelnde Perlen auf einer Schnur vorübergleiten

lässt. Sie zieht sich durch seine ausge-dehnten Jagdreviere von den USA über Europa und Asien bis nach Afrika. Sehr

viel zugeknöpfter ist er dagegen, was das familiäre Leben in seinen beiden Ehen betrifft. Wenn er nicht manchmal - wie

beim Tod der ältesten Tochter, die ver-unglückte, als sie Mitte zwanzig war -

kurze Blicke in diese Sphäre gestattete, könnte man fast den Eindruck gewinnen,

...Salter habe sich die meiste Zeit seines Lebens nur für sich und auf eigenen

Bahnen bewegt. Vielleicht zeigt diese

Verschlossenheit aber auch, wo Salter

die Grenzen von Memoiren und die Vor-rechte der Literatur sieht, denn in «Licht-jahre» hatte er ja schon 1975 erzählt, wie

eine Familie allmählich zerfällt..."

_____________________________________

 

METAMORPHOSE

 

"Wie diese Metamorphose genau geschah, bleibt in «Verbrannte Tage» jedenfalls ein wenig undurchsichtig. «Es war kein Akt grosser Entschlossenheit», schreibt er einmal über seinen Entscheid, den Ab-

schied vom Militär zu nehmen, «aber ich

lebte noch immer mit dem Gedanken, Schriftsteller zu werden, die Vorstellung

hatte mich nie verlassen. Ich wollte aus

dem grossen Haufen der Tage etwas Bleibendes machen.»…

______________________________________

 

„…Bei der Erzählweise von Salters Memoiren, die immer wieder aus der Chronologie ausbrechen, um einzelnen Geschichten und Viten nachzugehen,

gerät leicht aus dem Auge, dass sein literarischer Wendepunkt im Jahr 1957

sich mit der fatalen Wendung im Leben seines Vaters überschnitt. «Herman Mel-

villes Vater war bankrott, als seine Import-

firma einging. Er gab den Kampf auf, wur-

de psychisch krank und starb. Melville war damals dreizehn Jahre alt. Ich war ein-unddreissig, als mein Vater den gleichen unvergesslichen Akt vollzog…»

______________________________________

 

"...Fast scheint es, als habe erst dieses Schicksal dem Sohn den Weg in die Litera-

tur freigegeben. Nur seinem Vater zuliebe - selbst ein Absolvent der Militärakademie

von West Point und dazu noch Jahrgangs-bester - hatte sich Salter dort als 17-Jähri-

ger beworben, obwohl er eigentlich schon

in Stanford angenommen war. Wie stark

ihn diese fünfzehn Jahre des Aufschubs einer literarischen Existenz dann geprägt haben, verrät gerade diese Autobiographie. Nicht so sehr die Jugendzeit, die der in

New Jersey geborene Salter vor allem in

New York verbrachte («in die Stadt hinein-geboren und daher frei, sie nicht zu lie-

ben»), ist das Gravitationszentrum dieses Buches; und auch nicht das spätere lite-rarische Leben, das ihm neben Reminis-zenzen etwa an Irwin Shaw auch solche

an Roman Polanski oder Robert Redford ermöglicht, weil Salter sich als Drehbuch-autor bald auch in der Filmwelt bewegte..."

 

Uwe Pralle

Neue Zürcher Zeitung

10. Februar 2001

_____________________________________

 

„…James Salters Autobiografie ist ein eindrucksvolles Stück Literatur. Der ganz große Wurf ist sie dennoch nicht. Das hat mehrere Gründe: Zum einen scheint vieles weggelassen, ausgespart, fast möchte man sagen: wegzensuriert, was Salter-Kenner, Salter-Liebhaber interessiert hätte, zum anderen weist das Werk deutliche Längen auf, etwa in den ausufernden Air-Force-Passagen. Zum dritten aber fällt das Buch in mehrere, verschieden sorgfältig gearbeitete Teile auseinander: Das letzte Viertel ist das schwächste. Der sonst so stilsichere Autor verliert sich in Tratsch und Klatsch über Leute, die in Europa längst nicht denselben klingenden Namen haben wie an der amerikanischen Ostküste. Gegen Ende hin wirkt vieles fragmentarisch, von der Spannung der ersten 300 Seiten ist nichts mehr zu spüren. Schade, Salter hätte sein Oeuvre mit einer exzeptionellen Autobiografie krönen können. Eine vergebene Chance…“

______________________________________

 

„…Dass die Lektüre von "Verbrannte Tage" lohnt, hat mit den geglückteren Passagen

des Buchs zu tun, und das sind nicht we-nige. Im Rückblick auf seine Erfahrungen

im Koreakrieg notiert der Autor: "Ich denke an die schrecklichen Verluste von damals, mehr als vierzig Jahre ist es her. Die Kom-mandeure sind alt geworden und gestor-

ben, die Kämpfe über dem Jalu-Fluss in

der Däm-merung sind vergessen. Wir ha-

ben uns nach dem Sieg gesehnt. Kein

Mann auf der Erde war reich genug, ihn

zu kaufen - und er war nichts wert. Am

Ende war alles gar nichts wert."

______________________________________

 

"James Salter ist der große Resignative un-

ter Amerikas Autoren. Gleichwohl über-rascht James Salter immer wieder mit

originellen Einsichten und poe-

tischen Formulierungen. Eine Erinne-

rung an die Jahre der Kindheit z.B.:

 

"Der Geschmack früher Dinge bleibt. Ich spüre die Frische gesalzener Tomaten in meinem Mund, die Rühreier meiner Großmutter, das unerwartet verschluckte Meerwasser."

 

Das ist er, der unverwechselbare Salter-Sound, dem seine Fans so rettungslos ver-fallen sind. Der Geschmack früher Dinge... und zuletzt: das Alter. Am Ende seiner

Buchs protokolliert Salter: "Ein Gefühl

von Mut. Großes Verlangen weiterzule-

ben." Kein schlechtes Resümee für

einen Herrn von Mitte siebzig.

 

Günter Keindlstorfer

Berliner Zeitung

26. September 2000

______________________________________

 

"Wenn man jung ist, meint man, jeder fühle wie man selbst", erinnert sich der Schrift-steller: "Später wird einem klar, dass dem nicht so ist. Schließlich stimmt es wieder.

Am Ende sind wir alle arm. Die Sätze sind gesprochen. Die Bühne ist kahl und leer."

 

James Salter

 

 

James Salter

 

*10. Juni 1926

+19. Juni 2015

 

_________________________

 

 

Er wuchs bei seinen Eltern George und Mildred Horowitz, geb. Scheff, in Manhat-

tan auf und besuchte die private Horace Mann-Schule im Stadtteil Bronx. Salter

wurde zunächst Offizier und war dann Pi-

lot bei der amerikanischen Luftwaffe. Mit

dem Erfolg seines ersten Ro-mans „The Hunters“ (1956) zog er sich aber im Folge-

jahr aus dem Militärdienst zurück und wur-

de Schriftsteller. 1961 übernahm er seinen Schriftstellernamen auch als bürger-

lichen Namen.

_____________________________________

 

James Salter wird in Baltimore geboren.

Er ist noch ein Baby, als die Familie nach New York übersiedelt. Man wohnt zunächst zur Untermiete in der achtundneunzigsten Straße. Als die Geschäfte von Salter senior erwähnenswerte Erträge abzuwerfen be-ginnen, übersiedelt man an die East Side,

in eines der sogenannten besseren Viertel. "Ich war ein gehorsamer Junge", erinnert sich Salter. "Ich war meinen Eltern nahe

und hatte Ehrfurcht vor meinen Lehrern –

ein typisches Stadtkind, blass, behütet, ahnungslos."

______________________________________

 

Der Bub beginnt zu lesen, Byron, Dickens, Tolstoj in Kinderausgaben, dann kommen

die Feriencamps mit ihren unvermeidlichen Boxkämpfen, Lagerfeuern, Kanufahrten.

Eine amerikanische Jugend wie aus dem Bilderbuch. Salter gerät ins Schwärmen in seiner Autobiographie: "New York, die un-sterbliche Stadt meiner Jugend – die gro-

ßen Appartementhäuser mit ihren blank po-lierten Lobbys, das Metropolitan Museum, flankiert von abgenutzten Rasenflächen,

die Villen und Stadthäuser. Dann gab es

die unsichtbare Stadt, die ich nicht kannte – die sexuelle Stadt und ihre Geografie.

Durch spätere Liebesakte würde sie mir

für immer im Gedächtnis bleiben."

______________________________________

 

"Zuvor aber, als Dreizehnjähriger, macht

Salter jene verschwitzt-erotischen Erfah-rungen, die in diesem Alter offenbar nie-mandem erspart bleiben: Auf Teenager-parties ergibt er sich dem Vergnügen des Flaschendrehens. "Eine peinliche Sache." Stärker als diese sexuellen Initiationen

prägt ihn das Erlebnis der Natur; wer Sal-

ters landschaftstrunkene Romane gelesen hat, weiß um die dominierende Rolle der Natur in ihnen. "Der Hudson war der Fluss meiner Kindheit", notiert er, "der Fluss der Sonnenuntergänge und der Hochzeits-fahrten, mein ureigener Fluss. Einmal im

Jahr lag hier die Kriegsflotte vor Anker,

nach fernen Städten benannte Kreuzer

und breite Schlachtschiffe, die später in

Pearl Harbour versenkt wurden." Möglich, dass solche Impressionen die roman-tisierende Sehnsucht nach Kampf und Bewährung in ihm weckten, nachdrück-

licher dürfte sich da allerdings der Ein-

fluss des Vaters ausgewirkt haben..."

 

Günter Keindlstorfer

Berliner Zeitung

26. September 2000

 

 

Hallo Interessierte,

 

seit mehr als zwei Jahren forsche

 

ich Dienstags bis Freitags in

 

Archiven und Bibliotheken

 

für ein schwieriges Buchprojekt.

 

Die Textarbeit ist ein

 

kompliziertes Puzzle aus

 

Dokumenten, Erinnerungen

 

und Interviews nach 48 Jahren

 

Theater - Film - und Medienarbeit.

_________________________________________________

 

Vom Fortgang der Arbeit werden

 

Sie hier mehr erfahren.

 

 

Peter Krüger

 

Biografisches

 

THEATERARBEIT AUS DER

 

ERINNERUNG

 

 

BERLIN

 

Invalidenfriedhof 1990

 

im Bereich der Mauer

 

_________________________

 

Zum zweiten Male, nach 1985

 

auf der Wilhelmsburg im

 

thüringischen Schmalkalden,

 

näherten wir uns im Sommer

 

1990  auf dem geschundenen

 

Berliner  Invalidenfriedhof

 

in der Scharnhorststrasse

 

den Hyperion - Texten

 

von Friedrich Hölderlin.

 

Über die Gräberfelder

 

war das barbarische

 

DDR - Grenzregime

 

gebaut worden.

_______________________________

 

"Barbaren von Alters her, durch Fleiss

und Wissenschaft und selbst durch

Religion barbarischer geworden,

…das  waren meine Tröster."

 

"Es ist ein hartes Wort und dennoch sag’

ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein

Volk mir denken, das zerrissner wäre, wie

die Deutschen. Handwerker siehst du,

aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstückelt untereinander liegen, indessen das vergossne Lebensblut im Sande zerrinnt?…"

________________________________

 

"...Es ist auf Erden alles unvollkommen,

ist das alte Lied der Deutschen. Wenn

doch einmal diesen Gottverlaßnen einer

sagte, daß bei ihnen nur so unvollkom -

men alles ist, weil sie nichts Reines unverdorben, nichts Heiliges unbetastet

lassen mit den plumpen Händen, daß bei

ihnen nichts gedeiht, weil sie die Wurzel

des Gedeihns, die göttliche Natur nicht

achten, daß bei ihnen eigentlich das

Leben schal und sorgenschwer und

übervoll von kalter stummer Zwietracht

ist, weil sie den Genius verschmähn, der

Kraft und Adel in ein menschlich Tun,

und Heiterkeit ins Leiden und Lieb und Brüderschaft den Städten und den

Häusern bringt..."

_______________________________________

 

"Und darum fürchten sie auch den Tod so

sehr, und leiden, um des Austernlebens

willen, alle Schmach, weil Höhers sie

nicht kennen, als ihr Machwerk, das

sie sich gestoppelt..."

 

Friedrich Hölderlin

 

HYPERION

 

Cornelia Heyse - DIOTIMA

Mathis Schrader - HYPERION
Axel Poike  - HYPERION II

Peter Krüger - REGIE

_________________________

 

Wir spielten im August 1990

acht Vorstellungen auf dem

Invalidenfriedhof und

drehten einen Film:

 

HYPERION - FRAGMENTE

 

„Wie ein heulender Nordwind, fährt

die Gegenwart über die Blüthen unsers Geistes und versengt sie im Entstehen ... Ach! und die Seele kann immer so voll Sehnens seyn, bei dem, dass sie so

muthlos ist! .. Ich hatte in meinem Her-

zen ein Grab, damit es ruhen möge; ich

spinne mich ein, weil es überall Winter

ist... ja! eine Sonne ist der Mensch,

allsehend, allverklärend, wenn er liebt,

und liebt er nicht, so ist er eine

dunkle Wohnung, wo ein rauchend

Lämpchen brennt...."

___________________________________________________

 

Tröste mich nicht, denn hier ist

nichts zu trösten...

 

Ich bin einsam, einsam, und mein

Leben geht, wie eine Sanduhr, aus...

Aber deine Worte sind, wie Schneefloken, unnüz, und machen die Luft nur trüber...

Ach, wo ich stand, von deinen Augen umlauscht...“

____________________________________

 

 „Es ist besser, sagt’ ich mir, zur Biene

zu werden und sein Haus zu bauen in Unschuld, als zu herrschen mit den Her -

ren der Welt, und wie mit Wölfen, zu

heulen mit ihnen, als Völker zu meistern,

und an dem unreinen Stoffe sich die

Hände zu beflecken ... Ich war bekehrt,

ich wollte niemanden mehr bekehren...“

 

Friedrich Hölderlin

HYPERION

 

 

ZEITSPRUNG 2012

 

Deutsche Tage

 

in Inguschetien

 

Tage mit Bertolt Brecht

 

10. bis 17.  September 2012

______________________________

 

Die Ausstellungseröffnung war in

 

Karabulak mit dem Brechtabend

 

AN DIE NACHGEBORENEN

 

gezeigt von Akteuren des

 

Dramatischen Theaters

 

in Inguschetien.

 

Auf dem Foto vorn links:

 

Selimshan Sinzow und

Zareta Gandaloeva singen

ihre Eigenkomposition von

Bertolt Brechts Gedicht

 

Die Liebenden (1927)

Seht jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken, welche ihnen beigegeben
Zogen mit ihnen schon als sie entflogen
Aus einem Leben in ein anderes Leben.
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
Scheinen sie alle beide nur daneben.
Daß so der Kranich mit der Wolke teile
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
Daß also keines länger hier verweile
Und keines anderes sehe als das Wiegen
Des andern in dem Wind, den beide spüren
Die jetzt im Fluge beieinander liegen:
So mag der Wind sie in das Nichts entführen.
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
So lange kann sie beide nichts berühren
So lange kann man sie von jedem Ort vertreiben
Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.
So unter Sonn und Monds verschiedenen Scheiben
Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin ihr? - Nirgend hin. Von wem davon? - Von allen.
Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?
Seit kurzem. - Und wann werden sie sich trennen? - Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.

 

__________________________________

 

 

ZEITSPRUNG  2018

 

Ende Mai in der Universität Magas.

 

Die germanistische Fakultät

 

lud unsere Akteure zu einem

 

Gespräch über ihre Theaterarbeit

 

mit BERTOLT BRECHT ein.

 

AN DIE NACHGEBORENEN

 

„…In die Städte kam ich zu der Zeit der Unordnung
Als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs
Und ich empörte mich mit ihnen.

So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten
Schlafen legt ich mich unter die Mörder
Der Liebe pflegte ich achtlos
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit
Die Sprache verriet mich dem Schlächter
Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden
Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel
Lag in großer Ferne
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
Kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.


       Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
In der wir untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

___________________________________

 

Auf dem Foto unten von links:

 

Achmet Evloev,

 

Rimma Kurskieva,

 

Zulfija Kukurchoeva.

 

Aischylos / Goethe

 

Prometheus

 

im Kaukasus

 

2014 in Nazran / Inguschetien

 

 

Prometheus im Kaukasus

 

Murat Sampiev in der Titelrolle

_______________________________

 

Aus Prometheus erstem Monolog

nachdem er an einen Berg

im Kaukasus gefesselt wurde:

 

…Seht her auf mich, wie in Schmach, wie in Qual,

Wie erniedriget ich Jahrtausende hier

Abhärmen mich soll. Und das hat mir

Der Unsterblichen neuer Gebieter erdacht,

Mir Ketten und Schmach.

Weh! weh! Um das Jetzt, um der Zukunft Qual

Wehklag ich umsonst! Wann wird jemals

Mir der Mühsal Ende sich zeigen!...

 

…Weil den Menschen ich

Heil brachte, darum trag ich qualvoll dieses Joch.

Im Ferulstabe glimmend, stahl ich ja des Lichts

Verstohlnen Urquell, der ein Lehrer aller Kunst

Den Menschen wurde, alles Lebens großer Hort.

Und diese Strafen büß ich jetzt für meine Schuld,

In Ketten angeschmiedet hoch in freier Luft!...

 

Textfassung und Regie: Peter Krüger

 

Mein Buch wird unter

 

vielem anderen auch

_________________

 

die Theater - und Filmarbeiten

 

in Inguschetien und

 

Tschetschenien zum Inhalt haben.

 

 

2012 - Im Gespräch

 

mit dem inguschetischen

 

Präsidenten Junus-bek Evkurov

 

 

PROMETHEUS IM KAUKASUS

 

Im neu renovierten

 

Kulturhaus von Nazran

 

war am 27. März 2014,

 

dem Welttag des Theaters,

 

unsere Premiere.

_______________________________

 

Das Foto zeigt:

 

PROMETHEUS

 

wird gefangen.

 

Das Nationale Tanzensemble

Inguschetiens war unser

Arbeitspartner für die

schwierigen Tänze nach

der Musik von Carl Orff.

___________________________________

 

Mehr erfahren Sie auf den Seiten:

 

KAUKASUSARCHIVE 1 bis 3

 

links oben

 

Meine

 

Theaterfahrten

 

2004 - 2017

 

unter anderem

 

nach Nazran, Grozny,

 

Wladikawkas

 

Belarus und Moskau

 

werden auch zum Buchinhalt.

 

 

Peter Krüger

 

UNTERWEGS

 

(Fotoreihe von oben)

 

2004 -  April/Mai in Nazran/Inguschetien

 

Proben und Premiere  meiner Inszenierung

 

von Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder"

 

im   National -Theater "I.Basorkin".

 

Auf dem Probenfoto:

 

Zura Radueva - Mutter Courage

 

Achmet Evloev - Feldkoch

 

 

2014 - Grozny/ Tschetschenien

 

Besuch im wiederaufgebauten

 

Dramatischen Theater.

 

Unter vielen anderen traf ich

 

auch die Schauspielerin

 

Milana Magomadova wieder.

 

Sie spielte 2004 in meiner

 

Inszenierung von Brechts

 

MUTTER COURGE UND IHRE KINDER

 

die Rolle der Yvette.

 

 

2014 - Wladikawkas / Norossetien.

 

Mit Lolita Gagieva

 

vor dem Haus Michail Bulgakows.

 

 

2015 - Theaterfestival in Brest / Belarus

 

Vor dem Festival - Theater

 

 

2016 - Fomenko -Theater in Moskau

 

Szene aus Bertolt Brechts

 

MUTTER COURAGE

 

UND IHRE KINDER

 

Wera Strokova - Kattrin

Rosa Schmukler - Yvette

 

 

2017 - Probenarbeit für Michail Bulgakows

 

HUNDEHERZ

 

in Nazran / Inguschetien.

 

Mit Akteuren des inguschetischen

 

Dramatischen Theaters

 

Wir erarbeiteten eine TV-Fassung

 

Auf dem Foto von links:

 

Rimma Kurskieva,

Wacha Chadziev,

Zulfija Kukurchoeva,

Zareta Gandaloeva.

 

____________________________________

 

2017 - November: Jacqueline Jacob

 

und ich lasen in Berlin-Moabit

 

aus meiner Theaterfassung

 

nach Michail Bulgakows Roman

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

 

2018 - 23. Februar erneut in Moabit mit

 

DER MEISTER UND MARGARITA

 

(Letztes Foto)

_____________________________________

 

2018 - 9. April  BUCHBASAR EINS

 

in Berlin - Moabit.

 

AUS DER WELT BERTOLT BRECHTS

 

Mutter Courage und ihre Kinder

 

Lesung und Film

 

Jacqueline Jacob und ich waren

 

wieder unterwegs.

_________________________________

 

Mehr erfahren Sie auf den Seiten

 

KAUKASUSARCHIV 1 bis 3

 

links oben

 

MEMORIAL IN NAZRAN

 

Über die Deportation

 

des inguschetischen und

 

tschetschenischen Volkes

 

im Februar 1944

 

unter der Herrschaft  Stalins.

 

Am 23. Februar 2014, 70 Jahre nach der Deportation,

 

stellten wir in Nazran eine Lesung von Dokumenten

 

und Interviews mit inguschetischen Überlebenden

 

vor. Die Textauswahl und Darstellung war von mir.

______________________________________

 

Jewgeni Jewtuschenko

 

STALINS ERBEN

 

(Erschienen 1962 in der PRAWDA)

 

„… Und Stalin/ erteilt wieder irgend jemandem seine Befehle./ wohin führt

die Leitung/ aus jenem Grab noch?/ Nein, Stalin ist nicht gestorben./ Den Tod hält er

für korrigierbar./ Wir haben ihn aus dem Mausoleum entfernt,/ Manche seiner Erben beschneiden nach ihrem Rücktritt Rosen,/ aber insgeheim glauben sie,/ daß der Abschied nur vorübergehend ist./ Manche beschimpfen Stalin sogar von der Tribüne herab,/ aber sie selbst trauern nachts den alten Zeiten nach./ Kein Zufall, daß die Er-

ben Stalins heute Herzinfarkte erleiden./ Ihnen, den Stützen von damals,/ gefallen

die Zeiten nicht,/ in denen die Lager leer sind,/ und statt dessen die Säle, wo man Gedichte hört,/ überfüllt sind./ Meine Hei-

mat hat mir befohlen, mich nicht ruhig-zustellen./ Möge man mir auch sagen,/ „Beruhige Dich!“,/ruhig kann ich nicht

sein./ Solange Stalins Erben/ noch auf

der Erde sind,/ scheint es mir,/ als sei

Stalin noch im Mausoleum geblieben.

 

Jewgeni Jewtuschenko

STICHOTVORENIJA, Moskau 2006.

Deutch von Jörg Baberowski

_______________________________

 

Seit 1997 arbeite ich in den kleinen

 

nordkaukasischen Ländern u.v.a.für das

 

Dramatische Theater in Inguschetien

 

Solidarität für zwei Kollegen

 

 

Internationale Solidarität

 

für den russischen Regisseur

 

KIRILL SEREBRENNIKOW

__________________________

 

Sein Hausarrest wurde

 

erneut bis zum

 

22. August 2018

 

verlängert

__________________________

 

 

Februar 2018

 

KIRILL SEREBRENNIKOW

 

stellte im Hausarrest

 

seinen Film LETO / SOMMER

 

fertig. Vorgestellt wurde

 

der Film während der

 

BERLINALE 2018

 

und wurde im Wettbewerb

 

des Filmfestivls in

 

Cannes gezeigt.

 

__________________________

 

 

18. Juli 2018

 

Moskau - Der Hausarrest für den

russischen Regisseur Kirill Serebren -

nikow bleibt nach einem Gerichtsurteil

auch weiter bestehen. Eine Klage gegen

die Verlängerung des Hausarrests werde abgelehnt, urteilte ein Moskauer Gericht

am Montag.

____________________________________

 

Serebrennikow dürfe weder mit seinen Kollegen über Geschäftsfragen beraten,

noch Internet benutzen oder sein Theater,

das bekannte Gogol-Zentrum in Moskau, besuchen, hieß es der Agentur

Interfax zufolge.

 

Der 48-Jährige steht somit bis mindes -

tens 19. Juli unter Hausarrest. Der auch

in Deutschland bekannte Künstler ist

dann bereits knapp ein Jahr beinahe vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Ihm wird vorgeworfen, Fördergelder in der Höhe von 133

Millionen Rubel (rund 2 Millionen Euro) veruntreut zu haben. Serebrennikow bestreitet dies jedoch vehement.

____________________________________

 

Der Regisseur war im vergangenen Jahr während der Dreharbeiten zu seinem

neuen Film "Leto" (Sommer) festgenom - men worden. Die Weltpremiere wurde

beim Filmfestival in Cannes ohne Serebrennikow gefeiert. Der Film soll

ab 7. Juni in den russischen Kinos

zu sehen sein.

 

Deutsche Presseagentur

 

21. Mai 2018

____________________________________

 

 

7. Juni 2018

 

Ballett Regisseur Serebrennikows

"Nurejew" bekommt Tanzpreise

 

Bei einer Gala im Bolschoi-Theater in

Moskau sprach die Jury des "Benois

de la Danse" Serebrennikow unter ande -

rem den Preis für die beste Ballettregie zu.

 

Der Tänzer der Titelrolle, Wladislaw Lanstratow, wurde ebenso ausgezeichnet

wie Komponist Ilja Demuzki. Das

Stück handelt von dem russischen

Tänzer Rudolf Nurejew.

_____________________________________

Die russische Justiz wirft dem regierungskritischen Künstler Serebren - nikow die Unterschlagung von Staatsgeld vor. Das Bolschoi hatte die Uraufführung

des Balletts im Sommer 2017 kurzfristig abgesagt. Dann gab es im Dezember zwei umjubelte Aufführungen, bevor das Stück

bis Juni wieder vom Spielplan verschwand.

 

Deutschlandradio

 

"Künstler sind

 

keine Terroristen!"

______________________

 

 

Solidarität

 

für den ukrainischen Filmregisseur

 

OLEG SENTSOV

 

Er wurde am 13. Juli

 

zweiundvierzig Jahre alt.

 

______________________

 

Neue Zürcher Zeitung 9. Juli 2018

 

Der ukrainische Autor

 

SERHIJ ZHADAN:

 

Es geht um Oleg Senzow

_____________________________________

 

Wie ist die heutige Lage in der Ukraine? Diese Frage bekomme ich sehr oft zu

hören. Eine Frage, die auf Analysen und Prognosen von Dingen abzielt, die das

Leben in der Ukraine heute bestimmen,

auf einen kurzen Überblick über die aktu-ellen politischen Ereignisse, Vorkommnis-

se an der Front; die Veränderungen, die

in der Gesellschaft vor sich gehen, sind besonders hervorzuheben.

_____________________________________

 

Nur Geschichtslehrbücher werden kollek-

tiv vermittelt. Die wirkliche Geschichte

wird individuell wahrgenommen und verstanden.Für mich hat es sich in der Ukraine in den letzten Wochen nicht

um Politik gedreht. Und nicht einmal

um den Krieg.

______________________________________

 

Es dreht sich um eine einzige Person.

 

Und das ist Oleg Senzow.

 

Der ukrainische Regisseur, der im Früh-

jahr 2014 auf der Krim festgenommen

und durch russische Gerichte zu

zwanzig Jahren Freiheitsentzug verur-

teilt wurde.

 

Vor etlichen Wochen ist Senzow in dem Lager, in dem er gefangen gehalten wird,

in den Hungerstreik getreten und hat

die Freilassung von mehr als sechzig ukrainischen Staatsbürgern gefordert,

die in russischen Gefängnissen inhaftiert sind Er macht, so scheint es, Ernst. Das heisst, er will hungern, bis alle ukrai-

nischen politischen Gefangenen frei sind. Oder bis er tot ist. Einige dieser Inhaftier-

ten haben sich dem Hungerstreik angeschlossen. Deswegen schwingt

in allen Morgennachrichten hierzulande, angefangen bei Staatsbesuchen west-

licher Politiker bis zum Wetterbericht,

die Zählung mit, die Senzow begonnen

hat: der 38., der 39., der 40. Tag.

Wie lange wird es noch dauern?

_____________________________________

 

Die Tragik der Situation wird noch dadurch verstärkt, dass es über Oleg so gut wie

keine Informationen gibt, ausser Vermutungen und Hoffnungen. Man hört, seine gesundheitlichen Probleme hätten

sich verschärft, es heisst, er werde inzwischen zwangsernährt. Die russische Aggression, die sich in der letzten Zeit

mehr und mehr auf die Ebene geopoli-

tischer Strategien und Begriffe verlagert

hat (die Erfüllung der Minsker Verträge,

die Entsendung von Friedenstruppen,

die Vertretbarkeit gelockerter Sanktionen gegen Russland), hat plötzlich wieder

einen menschlichen, persönlichen Klang:

Da gibt es diesen ukrainischen Staats-

bürger, diesen Bewohner der besetzten

Krim, der noch sechzehn Jahre Lager vor sich hat, weil er wegen angeblicher terroristischer Aktivitäten verurteilt wurde und unter Einsatz seines Lebens versucht, die Situation aufzubrechen und auf die ganzen Rechtsbrüche hinzuweisen...

 

 

(Hier können Sie den gesamten

Text Serhij Zhadans für die NZZ lesen.)

 

Oleg Sentsovs Haftort:

 

Strafkolonie Nr. 8 (OG 98/8)

des strengen Regimes der UFSIN Russlands

LABYTNANGI, North Street 33

Telefon: 008 34 992 5-14-44

 

ФКУ «Исправительная колония № 8»

Адрес г.Лабытнанги, улица Северная 33.

_____________________________

 

 

FREE OLEG SENTSOV!

 

Der Gefangene Russlands

__________________________

 

"Aktionen in 78 Städten weltweit. Weit über tausend Künstler und Kulturinstitutionen,

die sich für seine Freilassung einsetzen, darunter die Nobelpreisträgerinnen Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch. Die Familie, die sich an Putin persönlich

wendet. Auf einer Pressekonferenz mit Frankreichs Staatspräsident Macron im

Mai werden dringliche Fragen gestellt,

zuletzt formulierte EU-Ratspräsident

Donald Tusk auf dem G7-Gipfel in Kanada einen kämpferischen Appell. Wer hat

nicht inzwischen von Oleg Senzow gehört. Seit 2015 verbüßt der Filmemacher und Maidan-Aktivist eine 20-jährige Lagerhaft, inzwischen in einer Strafkolonie für Schwerkriminelle in Labytnangi, Sibirien.

Seit 14. Mai protestiert Senzow dort in der Arktis mit einem Hungerstreik für die Freilassung aller 64 politischen ukrainischen Gefangenen in Russland.

Christiane Peitz

DER TAGESSPIEGEL

13. Juni 2018

____________________________________

 

DEUTSCHE WELLE

 

15. August 2018

 

Das Gnadengesuch

wurde abgewiesen.

 

Seit mehr als drei Monaten ist der in Russland inhaftierte ukrainische Regisseur Oleg Senzow

im Hungerstreik. Jetzt hat der Kreml ein Gnaden-gesuch seiner Mutter abgewiesen: Senzow solle selbst um Begnadigung bitten. "Die Begna-digungsprozedur beginnt mit dem persönlichen Gesuch des Verurteilten", heißt es in einem Schrei-ben des Kremls an die Mutter des Filmemachers, Ljudmila Senzowa, das das Internetportal Hro-

madske.ua in der Nacht auf Mittwoch (15.8.) veröffentlichte. Die Mutter des Inhaftierten hatte Ende Juni einen Brief mit der Bitte, ihren Sohn freizulassen, an den russischen Präsidenten Wladimir Putin geschrieben. Kremlsprecher Dmi-

tri Peskow betonte, aus juristischer Sicht könne

die Bitte der Mutter nicht erfüllt werden.

_______________________________

 

Am vergangenen Montag (13.8.) protestierten

mehr als 100 weitere internationale Filmemacher

und Kulturschaffende in einem in der Tageszeitung "Le Monde" veröffentlichten Aufruf gegen Sen-

zows Haft. Seine Freilassung forderten unter an-derem der britische Regisseur Ken Loach, die deutsche Regisseurin und Schauspielerin Marga-rethe von Trotta und der franko-schweize-rische Drehbuchautor und Regisseur Jean-Luc Godard. Nicht zu reagieren, bedeute Oleg Senzow sterben zu lassen, hieß es in ihrem Artikel. Zuvor hatte sich auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei Russlands Staatschef Wladimir

Putin für die Freilassung des 42-jährigen

Ukrainers eingesetzt.

___________________________________

 

Die russische Menschenrechtlerin und Journalistin Soja Swetowa durfte Senzow am Dienstag (14.8.)

auf der Krankenstation der russischen Strafkolo-

nie Labytnangi besuchen, wie die russische Zei-

tung "Nowaja Gaseta" berichtet. Ihren Angaben zufolge beschreibe Senzow seinen Gesundheits-zustand selbst als "fast kritisch". Dies werde von

den zuständigen Ärzten bestätigt; seine inneren Organe könnten jederzeit versagen. Trotz aller Warnungen wolle der Regis-seur seinen Hunger-streik aber nicht beenden. Ähnliches hatte zuvor auch der Anwalt Senzows, Dmitri Dinse, im DW-Interview geschildert:…

_______________________________

 

10. August 2018

 

"Oleg Senzow will bis

 

zum Ende gehen"

______________________________________________________

 

„Der in Russland inhaftierte ukrainische Regisseur Oleg Senzow ist entschlossen, seinen fast dreimonatigen Hungerstreik

trotz schlechten Gesundheitszustands fortzusetzen, sagt sein Anwalt Dmitri

Dinse im DW-Interview:

 

Deutsche Welle: Seit dem 14. Mai befindet sich Oleg Senzow im Hungerstreik. Er for-dert die Freilassung von allen ukrainischen politischen Gefangenen in Russland. Herr Dinse, wann haben Sie Oleg Senzow zuletzt gesehen? Wie hat sich sein körperlicher

und geistiger Zustand seit ihrem letzten Treffen verändert?

 

Dmitri Dinse: Zuletzt haben wir uns am 7. August gesehen. Seine Stimmung ist nor-mal, aufgeweckt, aber seine körperliche Verfassung hat sich erheblich verschlech-tert. In Labitnangi war es zwei Wochen lang 40 Grad heiß. Eine solche Hitze verträgt

er sehr schlecht, was sich auf sein Wohl-befinden ausgewirkt hat. Nicht nur Sen-

zows chronische Herzerkrankung hat sich verschlimmert, sondern es sind auch noch Probleme mit den Nieren und der Leber hinzugekommen. Er hat zu wenig Hämo-globin. Es werden keine Blut-körperchen produziert. Er hat Anämie. Zeitweise

sind seine Gliedmaßen taub. Er nimmt weiterhin Mixturen ein, um bei Bewusst-

sein zu bleiben.

 

Am 8. August hat seine Cousine Natalia Kaplan einen Brief veröffentlicht, in dem Senzow schreibt, das Ende sei nahe,

und er meine damit nicht seine Freilas-

sung. Will er den Hungerstreik immer

noch fortsetzen?

 

Ja, er beabsichtigt nicht, seinen Hunger-streik zu beenden. Senzow will bis zum

Ende gehen. Wenn er sterben muss, werde

er eben sterben, sagt Oleg.

 

Oleg Senzow wurde schon zur Untersu-chung und möglichen Behandlung in ein ziviles Krankenhaus gebracht. Doch er

wollte von dort weg. Was war vorgefallen?

 

Oleg sagte, er sei in dem Krankenhaus

wie Vieh behandelt worden. Man habe ihm gesagt, man werde ihn ans Bett fesseln

und so füttern, wie man es für richtig

hält. Seine Meinung zähle nicht. Darauf-

hin wollte Oleg sofort weg von dort. Er

wollte sich nicht einem solch unmensch-lichen Umgang aussetzen. Den Mitarbei-

tern des Krankenhauses war klar, wer bei ihnen war. Deshalb haben sie eine solche Haltung an den Tag gelegt. Oleg möchte unter keinen Umständen in dieses Kran-kenhaus, weil er weiß, dass man ihn dort

nur verspotten wird. Im Gefängniskran-kenhaus wird er ziemlich gut behan-

delt. Er hat mit dem Chefarzt eine gemeinsame Sprache gefunden.

 

Vor fast einem Monat hat Senzows Mutter

den russischen Präsidenten Wladimir

Putin um eine Begnadigung gebeten.

Warum gibt es immer noch keine Reak-

tion? Gab es Fälle, wo solche Ersuchen unbeachtet blieben?

 

Entsprechende Bitten, die unbeachtet bleiben, gibt es in Russland sehr viele.

Die Begnadigungskommission kann nur formale Gründe für eine Ablehnung finden. Sie ist bewusst als Filter geschaffen wor-

den, damit die Administration des Präsiden-ten mit solchen Briefen nicht überladen

wird. Für die Prüfung eines Begnadi-gungsgesuchs braucht die Kommission zwischen zwei Wochen und einem Monat,

um dann dem Präsidenten Empfehlungen

zu geben. Der Fall Senzow liegt jetzt

faktisch dem ersten Filter vor…“

______________________________________

 

7. August 2018

„Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)

hat Russland dazu aufgefordert, dem inhaftierten ukrainischen Filmemacher

Oleg Senzow Hilfe in einer medizinischen Einrichtung zukommen zu lassen. Das Straßburger Gericht verhängte dazu ein-

ne einstweilige Maßnahme. Russland

ist als Mitgliedsstaat des Europa-

rats verpflichtet, sie umzusetzen...

_____________________________________

Das Straßburger Gericht bat Senzow, sei-

nen Hungerstreik zu beenden und lebens-rettende Maßnahmen anzunehmen. Der Fil-memacher hatte 2014 bereits eine Be-schwerde gegen Russland vor dem Ge-richtshof eingereicht - unter anderem

beklagt er Misshandlungen.

_____________________________________

Einstweilige Maßnahmen verhängen die Straßburger Richter nur in Ausnahmefäl-

len, wenn Beschwerdeführern unwider-ruflicher Schaden droht. Der Anwalt Sen-zows hatte nach Gerichtsangaben diesen Schritt beantragt..."

Österreichischer Rundfunk

7. August 2018

_____________________________________

...Hilft der öffentliche Druck?...  Darauf hofft

die European Film Academy,die sich seit

der Verhaftung als „Krim-Terrorist“ 2014, oder besser: seit der Verschleppung durch den russischen Geheimdienst aus seiner Wohnung in Simferopol auf der Krim nach Moskau für Oleg Senzow einsetzt. Bisher

war alles vergeblich: dass EFA-Präsidentin Agnieszka Holland, Ken Loach, Mike Leigh, Aki Kaurismäki, Hanna Schygulla, Vol-

ker Schlöndorff, Wim Wenders und viele

andere offene Briefe schreiben und sich

um Senzows Leben sorgen. Dass die Ber-linale 2017 die 75-Minuten-Doku„The Trial: The State of Russia vs Oleg Sentsov“

zeigte. Oder dass Amnesty International

an die besondere Verant - wortung der Behörden gemahnt, wegendes „unfairen Gerichtsverfahrens“.Human Rights

Watch spricht von einem politischen Schauprozess.Senzows "Verbrechen":

Er demons trierte gegen die

Krim-Annexion

 

Christiane Peitz

DER TAGESSPIEGEL

13. Juni 2018

Meine Solidarität mit den

befreundeten Kollegen

des  Akademischen

Dramatischen Theater

im bedrängten

ukrainischen

Mariupol!

In der Nacht vom

 

01.zum 02.November 1975 wurde

 

Pier Paolo Pasolini

 

in Ostia bei Rom ermordet

Auf einem Fussballplatz in Ostia bei Rom

An dieser Stelle  wurde am 2. November 1975

der ermordete Pier Paolo Pasolini gefunden.

Nanni Moretti fuhr 1993 auf einer Vespa mit

langen Einstellungen in seinem Film

CARO DIARIO  von Rom nach Ostia.

Musik: Keith Jarrett

In CASARSA

Andrzej Wajdas Tätigkeit als Film- und

Theaterregisseur erstreckte sich über

fast sechs Jahrzehnte. Hier erfahren

Sie mehr über seine wichtigsten Filme

DANTON (F/Polen/BRD 1982) Als nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 Wajdas Arbeitsbedingungen eingeschränkt wurden, verlagerte er seinen Wirkungsort zeitweise nach Frankreich, um hier ein polnisches Theaterstück über die Endphase der Französischen Revolution zu verfilmen. Mit Parallelen zum polnischen Kriegsrecht entwirft Wajda das Bild einer brutalen Terrorherrschaft durch das Revolutionstribunal von Robespierre (Wojciech Pszoniak), dem Danton (Gérard Depardieu) und die Ideale der Revolution zum Opfer fallen.

POKOLENIE (Eine Generation, 1954) Wajdas neorealistisch anmutendes Debüt und erster Teil der Warschauer Trilogie kreist um den jungen Stach, der sich einer polnischen Widerstandsgruppe anschließt. Während des Warschauer Aufstands 1944 versuchen Stach und die Gruppe, Aufständische aus den unterirdischen Kanälen zu retten. Ohne jegliches Pathos formuliert der Film die Frage nach politischer und persönlicher Verantwortung – ein früher Tauwetterfilm.

KANAL (1956) Fernab der offiziellen, stalinistischen Geschichtsinterpretation und -darstellung zeichnet Wajda die Niederlage einer polnischen Widerstandgruppe in den letzten Tagen des Warschauer Aufstandes. Als ihre Position in der Vorstadt nicht mehr zu halten ist, steigen auch sie in die weitverzweigte Warschauer Kanalisation ab. Ein Irrweg durch expressionistisch ausgeleuchtete Kanalgänge beginnt, die Ausmaße des Danteschen Infernos annehmen.

POPIÓŁ I DIAMENT (Asche und Diamant, 1958) Wajda und der polnische Film finden mit ASCHE UND DIAMANT endgültig internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Die Geschichte eines Bruderkriegs spielt sich innerhalb weniger Stunden am 8. Mai 1945 ab. Maciek, ein national gesinnter ehemaliger Untergrundkämpfer (Zbigniew Cybulski) bereitet ein Attentat auf einen führenden Kommunisten vor. Zur gleichen Zeit wird die Siegesfeier vorbereitet. Kriegsprofiteure und Karrieristen beschließen das Fest mit einer Polonaise, während Maciek den Bezirks-Sekretär erschießt und dann selbst erschossen wird. Vorfilm: PAPARAZZI (Piotr Bernaś, 2011, 5.12., zu Gast: Piotr Bernaś).

POPIOŁY (Legionäre, 1965) Der Verlust der staatlichen Souveränität und die Aufteilung Polens zwischen Preußen, Russland und Österreich Ende des 18. Jahrhunderts ist eines der kollektiven polnischen Traumata. Vor diesem Hintergrund und basierend auf einem Roman von Stefan Zeromski, der den Glauben an ein zukünftiges Polen formuliert, entwirft Wajda ein monumentales Fresko um eine Gruppe von polnischen Adligen, die in Napoleon den Befreier Polens sehen, deren Hoffnungen jedoch enttäuscht werden.

KRAJOBRAZ PO BITWIE (Landschaft nach der Schlacht, 1970) Der Krieg ist vorüber, ein KZ wird befreit, die ehemaligen Häftlinge werden in ein DP-Camp umquartiert. Doch das Erlebte legt sich wie ein Schatten über ihre Gegenwart und Zukunft, Kampf, Gewalt und Rache bestimmen auch im neuen Lager ihr Leben. Dennoch entwickelt sich eine vorsichtige Beziehung zwischen einer Jüdin und dem Intellektuellen Tadeusz (Daniel Olbrychski). Als sie unabsichtlich erschossen wird, flüchtet er sich in Zynismus und verlässt das Camp. Eine stark ästhetisierte, ausgewaschen anmutende Anfangssequenz verbildlicht das Grundmotiv des Films: den Verlust der menschlichen Identität in der Unmenschlichkeit der Lebensbedingungen im KZ.

SAMSON (1961) Die alttestamentarische Legende von Samson, der sich gegen seine Unterdrücker auflehnt und mit ihnen stirbt, dient als titelgebender Referenzpunkt für die Geschichte des jüdischen Studenten Jacub Gold in Polen vor und während des Zweiten Weltkriegs. Aus dem Gefängnis entlassen, folgt er seiner Mutter ins Ghetto, kann von dort fliehen, findet Unterschlupf und Anschluss an eine Widerstandgruppe in einer illegalen Druckerei, bis diese von deutschen Soldaten gestürmt wird. Ausgehend von Jacubs allmählicher Wandlung mündet der Film in ein Nachdenken über das Verhältnis von Individuum und Geschichte.

BEZ ZNIECZULENIA (Ohne Betäubung, 1978) Im Mittelpunkt dieser Zustandsbeschreibung Polens Ende der 70er Jahre steht der erfolgreiche Journalist Jerzy, der über die Anforderungen seines Berufs die politischen wie auch die privaten Zeichen der Zeit aus den Augen verliert. Seine Unfähigkeit sich anzupassen führt mit beklemmender Zwangsläufigkeit zur persönlichen und beruflichen Niederlage. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Diktat falscher Ideale, dem Konformismus und der Mittelmäßigkeit.

POLOWANIE NA MUCHY (Fliegenjagd, 1969) Diese groteske Karikatur des polnischen Kulturbetriebs ist eine von Wajdas zwei Satiren. Ein gescheiterter Student wird zum Opfer des übersteigerten Ehrgeizes seiner Geliebten, seiner Schwiegereltern und seiner Ehefrau, die einen anerkannten Übersetzer aus ihm machen und ihn in die "Kultur-Schickeria" einführen wollen. Eine Erkundung der Condition Humaine im Mantel der Gesellschaftskomödie. Vorfilm: PRZEKŁADANIEC (Rollkuchen, Polen 1968, 10.12.) Die kurze Science-Fiction-Komödie von überraschender Aktualität basiert auf einer Erzählung von Stanislaw Lem: Einem Rennfahrer werden nach Unfällen diverse Organe transplantiert, was bei ihm zu einer umfassenden Identitätsverwirrung führt. Ein Bild der Welt Warschauer Intellektueller – voller Gags, Cartoons und Karikaturen.

CZŁOWIEK Z ŻELAZA (Der Mann aus Eisen, 1981) In der Fortsetzung von MANN AUS MARMOR schildert Wajda den politischen Umschwung Anfang der 80er Jahre aus dem Blickwinkel eines opportunistischen Reporters, der die Biografie eines der Streikführer recherchiert. "Unsere Idee war es, die Ereignisse des August 1980 aus dem Blickwinkel des August 1980 zu erzählen." (A.W.) Die Unmittelbarkeit in der Darstellung der Streikwelle des "Polnischen Augusts" findet in der nervösen Intensität der Bilder, der fragmentarischen Narration, dem Zusammenfügen unterschiedlicher Bildebenen ihren überzeugenden formalen Ausdruck.

WESELE (Die Hochzeit, 1973) Werkgetreue Adaption des berühmten Dramas von Stanisław Wyspiański über die verlorene Identität und den Mythos Polens. Auf zwei Ebenen entfaltet sich das um die Jahrhundertwende angesiedelte Geschehen: Der schwelgerischen Hochzeit eines Dichters und einer Bauerntochter wird eine surreale Phantasmagorie in Form einer Zwiesprache der Hochzeitsgäste mit Gestalten der polnischen Geschichte zur Seite gestellt. Es entfaltet sich ein mythischer Reigen, ein entfesselter Rausch.

PANNY Z WILKA (Die Mädchen von Wilko, 1979) Als Wiktor Ruben (Daniel Olbrychski) nach 15 Jahren wieder in das ländliche Wilko zurückkehrt, beginnt für ihn und die Schwestern eines benachbarten Gutes eine Reise in die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit: einen gemeinsam verbrachten unbeschwerten Sommer. Im Blick zurück verschmelzen die Zeitläufe, spitzen sich Träume und Hoffnungen noch einmal zu. Eine elegisch-melancholische Reflexion über eine verlorene Generation.

BRZEZINA (Birkenhain, 1970) Ein so stilles wie stimmungsvolles Kammerspiel um zwei ungleiche Brüder: den zurückgezogenen Witwer Bolesław, der mit seiner Tochter auf dem Land lebt, und den lebenslustigen, aber todkranken Stanislaw, der aus der Schweiz in die Heimat zurückkehrt, um hier zu sterben.

ZIEMIA OBIECANA (Gelobtes Land) Monumentales Gesellschaftspanorama der Textilmetropole łodz Ende des 19. Jahrhunderts, eines Brennpunkts der sich rasant entwickelnden Industriellen Revolution. Drei Glücksritter wollen am ökonomischen Aufbruch teilhaben und gründen eine Fabrik. Zunehmend skrupellos verfolgen sie ihr Ziel: Geld, Macht und Besitz. Basierend auf dem Roman des Nobelpreisträgers W. S. Reymont führt Wajda eine Vielzahl von unterschiedlichen Figuren in einem brodelnden, erbarmungslosen Hexenkessel zusammen und zeigt eine Gesellschaft am moralischen Abgrund.

CZŁOWIEK Z MARMURU (Der Mann aus Marmor, 1977) Eine Meditation über Entdecken und Verdrängen und das Potential des Films zur ideologischen Manipulation. Wajda setzt die unmittelbare Gegenwart der 70er Jahre mit den Jahren des sozialistischen Aufbaus in Verbindung, verschachtelt die Zeitebenen mittels Rückblenden und Archivmaterial. Wie ein Mosaik setzt die junge Regisseurin Agnieszka (Krystyna Janda) unterschiedliches Material zusammen, um das Leben eines einstigen "Helden der Arbeit" zu rekonstruieren, der nach einem Unfall abgeschoben wird. Die Verdrängung des einst gefeierten Helden in den 50er Jahren findet in der Abwehrhaltung des Fernsehredakteurs, den Agnieszka mit ihren Entdeckungen konfrontiert, 20 Jahre später ihre Entsprechung.

WSZYSTKO NA SPRZEDAŻ (Alles zu verkaufen, 1969) "Ein Film über das Unvermögen, einen Menschen ohne seine Anwesenheit zu fassen." (A.W.) Wajdas sehr persönliche Hommage an den emblematischen Schauspieler Zbigniew Cybulski, den polnischen James Dean, wird zum Dokument seiner Trauerarbeit aber auch einer Selbstbefragung und persönlichen Bestandsaufnahme. In diesem Film-im-Film werden die Dreharbeiten von der Nachricht des Todes des Hauptdarstellers jäh unterbrochen. Unsicher, wie er mit dem Verlust umgehen soll, gerät der Regisseur in eine tiefe persönliche und kreative Krise.

TATARAK (Der Kalmus, 2009) Eine andere filmische Form der Auseinandersetzung mit dem Verlust eines Menschen, in diesem Fall des Kameramanns Edward Kłosiński, finden Krystyna Janda, Kameramann Pawel Edelman  und Wajda in DER KALMUS. Fließend gehen die drei Ebenen des Films ineinander über: reduzierte Sequenzen, in denen Janda sich an die letzten Tage mit ihrem Mann erinnert, Set-Aufnahmen der Dreharbeiten und die eigentliche Spielfilmhandlung über die brüchige Idylle des letzten Sommers einer sterbenskranken Frau. Variationen des Umgangs mit Vergänglichkeit, Tod und Trauer. Vorfilm: TRÓJKA DO WZIĘCIA (Three for the Taking, Bartosz Konopka, 2007, 18.12.)

KORCZAK (Andrzej Wajda, Polen/BRD 1990) Eine Verschränkung von zeitgenössischen Wochenschauen und zurückgenommenen Schwarzweißaufnahmen bildet den Hintergrund der Geschichte des polnisch-jüdischen Kinderarztes und Pädagogen Korczak, der im Warschauer Ghetto ein Waisenhaus leitet und trotz aller Widrigkeiten den Geist von Menschlichkeit und Toleranz aufrechtzuhalten versucht. 1942 soll das Heim aufgelöst, die 200 Kinder sollen deportiert werden. Korczak begleitet sie in den Tod. Offene Waggons und Kinder, die sich im Herbstnebel verlieren, sind die letzten Bilder des Films. "Der Absprung vom Zug der Geschichte evoziert das Schlimmste, das in Nacht und Nebel sich verbarg." (Karsten Witte)

LAS KATYŃSKI (Der Wald von Katyn, Marcel Łoziński, Andrzej Wajda, Polen 1990) Früher Fernsehdokumentarfilm über das Massaker von Katyn, das sich auf Archivbilder, Zeugenaussagen und die Erinnerung der Beteiligten stützt.

KATYŃ (Das Massaker von Katyn, 2007) Die von Stalin verordnete Ermordung von 22.000 polnischen Offizieren, Polizisten und Intellektuellen – darunter Andrzej Wajdas Vater – im Wald von Katyn im Frühjahr 1940 gehört zu den großen Traumata der jüngeren polnischen Geschichte. Die Sowjets lasteten das Massaker jahrzehntelang der deutschen Wehrmacht an, bis Jelzin 1992 die Archive öffnete. In seinem Spielfilm nähert sich Wajda dem lange tabuisierten Geschehen mit Bedacht: Während und nach dem Krieg machen sich verschiedene Hinterbliebene auf die Suche nach Vätern, Söhnen, Brüdern und der Wahrheit, die zwischen vermeintlich übergeordneten Interessen zerrieben wird.

NASTASJA (Polen/Japan 1994) Wajdas filmische Bearbeitung des letzten Kapitels von Dostojewskis Der Idiot geht auf das Zusammentreffen mit dem japanischen Kabuki-Theaterstar Tamasaburo Bando zurück, der für seine Darstellung weiblicher Rollen berühmt ist. In NASTASJA verkörpert er zunächst Fürst Myschkin, der gemeinsam mit Rogoshin Wache am Totenbett der geliebten Nastassja hält. Im Verlauf der Totenwache verliert sich Myschkin in der Erinnerung an die Verstorbene und nimmt die Gestalt der titelgebenden Protagonistin an.

ZEMSTA (Rache, 2002) Zwei verfeindete Nachbarn müssen erkennen, dass ihre Kinder heiraten wollen. Als unbeabsichtigtes Gegenstück zu Mickiewicz' PAN TADEUSZ gibt die Gesellschaftskomödie des polnischen Bühnenautors und Dichters Fredro aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen wesentlich weniger heroischen, aber umso humorvolleren Eindruck des polnischen Landadels, dargestellt von Roman Polański, Janusz Gajos und Daniel Olbrychski.

PAN TADEUSZ (1998, 23.12.) "Unverfilmbar!" hieß es lange Zeit in Bezug auf das identitätsstiftende polnische Nationalepos in Versform von Adam Mickiewicz. Wajda behält den polnischen Alexandriner des nationalen Heiligtums bei, findet schwelgerisch opulente Bilder und große Schauspieler (Bogusław Linda, Daniel Olbrychski, Grażyna Szapołowska). Die Handlung – eine Familienfehde wird angesichts der Bedrohung durch russische Truppen beigelegt – spielt an wenigen Tagen Anfang des 19. Jahrhunderts und kulminiert wie so oft bei Wajda in der Polonaise, im symbolhaften Reigen, in dem Zeitläufe, Mythen und Legenden zu verschmelzen scheinen.

P.S. - Russische Finsternis -

Erinnern wir uns!

Alexander Litvinenko
"The Litvinenko Inquiry - Report info the death of Alexander Litvinenk."
Litvinenko-Inquiry-Report-web-version.pd[...]
PDF-Dokument [2.5 MB]

Nowaja Gazeta: Wie Boris Nemzow

ermordet wurde

"Die Welt muss innehalten -

 

und damit beginnen,

 

sich nicht über Ausrottungskoalitionen

 

zu verständigen,sondern über

 

den eigenen Fortbestand.

 

Früher oder später wird  der Wettlauf

 

des Wahnsinns,dessen Augenzeugen

 

wir heute sind, natürlich dazu führen.

 

Fragt sich nur,um den Preis welcher Opfer"

 

Anna Politkowskaja -18.März 2004